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Die ukrainischen Angriffe führen zu großen Schäden in russischen Ölraffinerien. Anlagen werden stillgelegt und sogar Lohnzahlungen werden wohl neuerdings erschwert.
Moskau – Russlands Wirtschaft steht wortwörtlich in Flammen – nach ukrainischen Drohnenattacken brennt die zum wiederholten Mal angegriffene Ölraffinerie im russischen Nowoschachtinsk am dritten Tag offenbar noch immer. Die Anlage zählt zu den größten im Süden Russlands und hat eine Verarbeitungskapazität von rund 100.000 Barrel pro Tag (etwa fünf Millionen Tonnen jährlich). Berichte verdeutlichen das Ausmaß der Folgen.
Ukraine greift russische Ölraffinerie an – Arbeiter warten seit Monaten auf ihre Löhne
Während die Löscharbeiten nach dem Brand laut ukrainischen Berichten erfolglos laufen, breitet sich unter der Belegschaft der Raffinerie Unruhe aus. Laut der Moscow Times haben die Mitarbeiter seit Monaten keinen Lohn erhalten. Der Generalkunde des Unternehmens, „NZPN Engineering“, habe kein Geld gezahlt. Die Folge: Arbeiter, Schweißer und Monteure warten laut eigenen Angaben seit über vier Monaten auf ihre Gehälter. Sie hätten sich auch mit dem Gouverneur der Region Rostow, Juri Slyusar, in Verbindung gesetzt. Eine Rückmeldung stehe allerdings noch aus.
Die ukrainischen Angriffe richten große Schäden bei russischen Ölraffinerien an. © IMAGO / ZUMA Press Wire
„Der jüngste Angriff auf das Werk und der darauf folgende Brand haben die Situation verschlimmert“, wird eine Quelle aus dem Werk in einem Telegram-Post des Users VChK-OGPU vom 22. August 2025 zitiert. Zudem wird darin behauptet, dass die Mitarbeiter der Raffinerie ihre Familien nicht ernähren könnten. „Die Kinder können am 1. September nicht zur Schule gehen – es ist nicht einmal Geld für Hefte und Stifte da. Wir befürchten, dass sie uns jetzt völlig vergessen“, werden die Arbeiter zitiert.
Ukraine nimmt wichtige Säulen der russischen Wirtschaft ins Visier – Ölraffinerien und Pipelines als Ziele
Die russischen Ölraffinerien, die auch wichtige Arbeitgeber sind, geraten schon seit längerer Zeit ins Visier ukrainischer Luftangriffe. Lukoil, die drittgrößte Raffinerie in Russland, musste nach den ukrainischen Angriffen den Betrieb Mitte August vorübergehend einstellen, wie Bloomberg berichtet. Am 11. August 2025 musste auch Rosnefts Raffinerie Saratow nach einem nächtlichen Drohnenangriff aus der Ukraine das Werk vorerst stilllegen.
Auch international erregen die Ukraine-Attacken auf Russlands Energiewirtschaft Aufmerksamkeit. Nachdem die Ukraine Russlands wichtige Ölleitung, die Druschba-Pipeline, beschädigte, stärkte US-Präsident Donald Trump dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán den Rücken. Er sei „sehr wütend“ über die jüngsten ukrainischen Drohnenangriffe auf die russische Ölpipeline, welche Öl nach Ungarn und in die Slowakei liefert.
Ukraine-Angriffe verschärfen Problem für Russlands Wirtschaft – brisantes Phänoment verbreitet sich
Es gibt also gleich mehrere Baustellen in der russischen Wirtschaft, um die sich Wladimir Putin kümmern muss: die eingeschränkten Produktionskapazitäten der angegriffenen Ölraffinerien und Pipelines und mögliche Aussetzungen bei den Gehaltszahlungen. Das Problem der Lohnrückstände ist ein länger bekanntes Phänomen und betrifft nicht nur beschädigte Ölraffinerien.
Die Lohnrückstände stiegen im Juli 2025 auf 25 Prozent an, wie Daten der FNPR Föderation der Unabhängigen Gewerkschaften Russlands zeigten. Die FNPR sieht bei den hohen Leitzinsen die Hauptursache. Infolge der hartnäckigen Inflation hatte die russische Zentralbank den Leitzins auf Rekordwerte angehoben. Die Währungshüter senkten ihn zuletzt auf 18 Prozent.
Der hohe Wert stellt viele Firmen in Russland vor große finanzielle Schwierigkeiten, da die Unternehmen die hohen Kreditkosten nicht tilgen können. Der hohe Leitzins schränkt also die Möglichkeiten ein, beispielsweise Kredite für Betriebsausgaben, Lohnzahlungen eingenommen, aufzunehmen. Unternehmen und Gewerkschaft verzeichnen zudem insgesamt einen Anstieg einer „versteckten Arbeitslosigkeit“, heißt es in einem Bericht der russischen Zeitung Vedomosti. Die Wirtschaftsverbände Opora Rossii und Delovaya Rossiya sowie die Industrie- und Handelskammer hätten diese Entwicklung bestätigt. (bohy)