Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn
ich durch Instagram scrolle, wirft mir der Algorithmus gerade endlos
Einrichtungstipps, Pedro-Pascal-Interviews und Flammkuchenrezepte
entgegen. Und dazwischen ist Dominik Kloss.

Kloss
ist kein Influencer, der lachend sein Porridge in die Kamera hält,
sondern Historiker. Auf dem Instagram-Kanal des Museums für
Hamburgische Geschichte sieht man ihn durch die Stadt spazieren: Er
bleibt an unscheinbaren Straßenecken oder prächtigen Fassaden
stehen, hält ein altes Foto hoch und erzählt, welche Geschichte
sich hinter diesem oder jenem Ort verbirgt. Kloss macht das so
unaufgeregt und nett, dass man nicht weiterscrollt, sondern zuhört –
und jedes Mal etwas lernt.

Inzwischen
hat Kloss eine kleine Fangemeinde im Netz (🙋🏻‍♀️), die
Followerzahl wächst stetig, in der Pressestelle der Stiftung
Historische Museen Hamburg ist man freudig überrascht vom Erfolg des
Formats. Die Reels (so nennt man die kurzen Videoclips) seien nicht
geskriptet, erfuhr ich dort, Kloss rede einfach drauf los, während
die Kamera mitläuft.

Ohne
soziale Medien geht es heute nicht mehr: Geschichte wird längst
nicht nur im Ausstellungsraum, sondern auch digital vermittelt. In
diesem Fall ist die Idee auch deshalb entstanden, weil das Museum
wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist – und die Stadtgeschichte
trotzdem sichtbar bleiben sollte.

„Am
Anfang habe ich mit dem Format etwas gefremdelt, als Akademiker bin
ich gewohnt, weit auszuholen“,
sagte mir Dominik Kloss. Bei seinem ersten Rundgang habe er noch
regelrechte Bandwurmsätze gebaut. „Heute
weiß ich: Ein Reel braucht meist nicht mehr als ein, zwei starke
Fakten.“
Er verstehe sich als eine Art Mittler zwischen der akademischen Welt
und einem breiteren Publikum. „Mir
fällt es leicht, mir historische Zusammenhänge zu erschließen, ich
habe eine recht schnelle Auffassungsgabe und viel Wissen
angesammelt“,
sagte er. „Über
soziale Medien kann ich das niedrigschwellig zugänglich machen.“

© ZON

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Und
so haben wir alle was davon. Seinen Lieblingsort hat Kloss mir noch
verraten: die Gegend um die ehemaligen Wallanlagen, heute Planten un
Blomen. „Mich
fasziniert, wie sehr sich dieser Raum im Laufe der Jahrhunderte
verändert hat: vom Festungswerk mit Kanonen über die Anlage von
Friedhöfen und die Verfüllung mit Kriegsschutt bis hin zu
Ausstellungen und Parkanlagen. An solchen Orten verdichtet sich
Stadtgeschichte.“

Sie
haben es nicht so mit Instagram? Dominik Kloss macht auch ganz
klassische Stadtführungen, Plätze können Sie über die Website des
Museums für Hamburgische Geschichte buchen. Viel Spaß beim Lernen
und Staunen.

Ihre
Annika Lasarzik

WAS HEUTE WICHTIG IST

© Axel Heimken/​dpa

Nach
dem FC St. Pauli-Spiel am Samstag ist ein 39-jähriger
Borussia Dortmund-Fan nach einer Rangelei gestorben
.
Er war auf dem Vorplatz des
Millerntor-Stadions von einem 22-Jährigen gestoßen worden, stürzte
und erlag einen Tag später seinen Verletzungen. Die Mordkommission
ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge und bittet Zeuginnen
und Zeugen um Hinweise unter 040 428656789.

Zum
neuen Schuljahr beginnen in Hamburg 620
neue Lehrerinnen und Lehrer
ihren
Dienst an staatlichen Schulen, zusätzlich zu den rund 300 bereits im
Februar eingestellten Lehrkräften. Mehr als ein Drittel von ihnen
geht an Stadtteilschulen, knapp ein Drittel an Grundschulen, ein
Viertel an Gymnasien; 51 unterrichten an Sonder- und Berufsschulen.
Die Schulbehörde will damit die Altersstruktur verjüngen und dem
Fachkräftemangel entgegenwirken.

Der
Tourismus
in Hamburg

hat im ersten Halbjahr leicht zugelegt: Rund 7,7 Millionen
Übernachtungen bedeuten ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum
Vorjahr. Besonders stark wuchs der US-Markt, während die meisten
ausländischen Gäste weiterhin aus Dänemark, Österreich und der
Schweiz kamen. Mit einer Hotelauslastung von 74,7 Prozent liegt
Hamburg bundesweit vorn und europaweit hinter Barcelona auf Platz
zwei.

Nachricht des Tages

© Daniel Bockwoldt/​dpa

Die
schwarze Rauchwolke war weit über der Stadt zu sehen: Auf der Veddel
ist am Montagnachmittag gegen 15.30 Uhr ein Großbrand ausgebrochen.
Nach Angaben der Feuerwehr war zunächst ein in einer Halle
abgestelltes Fahrzeug in Brand geraten. In der Folge explodierten
mehrere Druckgasbehälter mit Lachgas – Trümmerteile flogen bis
auf die nahe gelegene A1. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen. Die
Zahl lag nach Angaben der Feuerwehr im unteren einstelligen Bereich,
konnte am Abend jedoch noch nicht präzisiert werden. „Wir
konnten dort Dutzende Personen noch aus den Bereichen rausführen und
retten“,
sagte Lorenz Hartmann, Pressesprecher der Feuerwehr Hamburg, am
Einsatzort. Der Bereich um die betroffenen Hallen sei umfangreich
geräumt worden. Der Kupferhersteller Aurubis sperrte vorsorglich
Teile seines Werksgeländes, die an den Brandort grenzen. Das Werk
selbst sei jedoch nicht von dem Feuer betroffen, erklärte ein
Unternehmenssprecher.

In aller Kürze

• Zivilfahnder
haben in Hamburg-Tonndorf rund 20 Kilogramm
Drogen

sichergestellt, 19 Kilo Marihuana und 500 Gramm Kokain. Sie nahmen
sieben Verdächtige fest, gegen einen wurde Haftbefehl erlassen. •
Am Montag haben in Wilhelmsburg rund 50 Beschäftigte des
Paketdienstleisters
DPD

gegen die geplante Auslagerung einer Schicht an Subunternehmen
protestiert; betroffen wären rund 50 der 200 Beschäftigten am
Standort •
Am Sonntag haben Polizei und Behörden in
Harburg vier Kioske

kontrolliert und dabei abgelaufene Lebensmittel, unversteuerte Vapes
und verbotene Nikotinbeutel gefunden – alle Geschäfte mussten
wegen weiterer Mängel vorübergehend schließen

AUS DER HAMBURG-AUSGABE

© Jakob Börner für DIE ZEIT

Jetzt mal ganz langsam

Mit
seinem Parkplatzmoratorium bremst der Bürgermeister die
Mobilitätswende aus. Und der Verkehrssenator? Hält lieber still.
Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT:Hamburg-Autor
Christoph Twickel.

Seit
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) vor fünf Jahren ins Amt kam,
ließ er keinen Zweifel daran, dass er es mit der Mobilitätswende in
Hamburg ernst meint. Bis 2030 sollen 80 Prozent aller Wege in der
Stadt zu Fuß, per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln
zurückgelegt werden. Das Ziel ist erreichbar, denn bis 2023 ist
dieser Anteil – unter anderem dank neuer Radwege – bereits auf 71
Prozent angewachsen. Lange schien es so, als stehe Bürgermeister
Peter Tschentscher (SPD) ganz hinter dem Projekt. Bis er nach der
Bürgerschaftswahl im März plötzlich auf die Bremse trat.

In
den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen hat die SPD ein
sogenanntes Parkplatzmoratorium durchgesetzt: Alle geplanten Um- und
Ausbauprojekte, bei denen Stellflächen für Autos wegfallen, stehen
nun unter Vorbehalt und müssen der Senatskanzlei zur
Einzelfallentscheidung vorgelegt werden – damit der Bürgermeister
im Zweifel sein Veto einlegen kann.

Damit
entmachtet Tschentscher die Bezirke und die Verkehrsbehörde. Die
Regelung gilt, bis alle bestehenden Parkplätze gezählt sind und ein
„Masterplan Parken“ entwickelt ist. An zentralen Teilen der
Mobilitätswende hängt so lange eine Parkkralle. Wie schwerwiegend
wird das sein? Und warum macht Anjes Tjarks da mit?

Gegenüber
der ZEIT will der Verkehrssenator nichts sagen – ein Gespräch
könne man „leider nicht anbieten“, heißt es aus der Behörde. „Im
Wesentlichen ist das ein Projekt der SPD“, sagt Rosa Domm,
Sprecherin für Klimapolitik und Mobilität in der grünen
Bürgerschaftsfraktion. „Aber es gibt Aspekte am ›Masterplan
Parken‹, die eine positive Wirkung haben können. Eine bessere
Datenlage könnte die emotionale Debatte um Parkplätze
versachlichen.“ Bürgermeister Peter Tschentscher hatte schon im
Wahlkampf damit begonnen, sich als Bewahrer von Parkplätzen zu
inszenieren, wohl auch, um der CDU einen ihrer Wahlkampfschlager zu
nehmen. Bei der SPD jedenfalls hat man das Ergebnis der Wahl offenbar
als Votum für mehr Behutsamkeit bei der Verkehrswende gedeutet: Die
Grünen verloren ein Viertel ihrer Stimmen im Vergleich zur
vorherigen Wahl, die CDU verdoppelte ihre. Und die SPD hatte
plötzlich die Möglichkeit, mit den Konservativen zu regieren,
sollten die Grünen nicht zu Zugeständnissen bereit seien.

Ob
der Masterplan Parken die Debatte um die Parkplatzsituation
tatsächlich versachlichen kann, lesen
Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de
.

DER SATZ

© Charlotte Schreiber

„Meine
Erfahrung ist: Wenn jemand die Entscheidung zu einer Veränderung im
Leben getroffen hat, verändert sich auch der Look. Ich würde sogar
sagen, eine echte Veränderung im Look kann nur passieren, wenn das
Innere mitgeht.“

Der
Modedesigner und Entertainer Guido Maria Kretschmer begegnet in
seinem Leben sehr vielen sehr unterschiedlichen Menschen und findet:
Jeder Mensch kann gut aussehen. Er sprach darüber mit
den ZEIT-Redakteuren Andreas Lebert und
Katrin Zeug. Das
ganze Interview lesen Sie hier

DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN

Für
interessierte Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren bietet die
laif-Foundation ein Pilotprojekt für eine Jugend-Bildredaktion an.
Während der Zeit des Projekts unterstützen Fotojournalisten bei
wöchentlich stattfindenden Treffen die Jugendlichen bei ihren selbst
entwickelten Fotoreportagen. Die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit
präsentiert.

Die
Bewerbungsfrist läuft am 30.8. ab. Genauere
Infos gibt es hier

MEINE STADT

Horner Rennbahn (Abbildung ähnlich) © Hans Appell

HAMBURGER SCHNACK

Am
Parkplatz des Ahrensburger Schlosses. 30 Minuten vor Beginn einer
Veranstaltung im Schlosspark fährt ein Wagen direkt an den
Einlassbereich heran und parkt ein im Halteverbot. Die Herrschaften
steigen aus und laufen einem Aufsichtsmann in die Arme. Dieser zeigt
auf das Halteverbotsschild und sagt fröhlich: „Nun hab ich mir doch
so viel Mühe gegeben mit diesem schönen Schild!“

Gehört
von Monika Lisson

Das war
die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie
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