Vom 7. bis zum 10. September 2025 steht die Stadt Halle (Saale) gemeinsam mit dem Zörbiger Ortsteil Prussendorf ganz im Zeichen der gelebten Inklusion: Die Special Olympics Landesspiele Sachsen-Anhalt feiern ihr großes Landesfinale. Über 550 Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung treten gemeinsam mit ihren sogenannten Unified Partner*innen – das sind Sportlerinnen ohne geistige Beeinträchtigung – in einem emotionalen, hochprofessionell organisierten und zugleich zutiefst menschlichen Multisportevent an. Insgesamt messen sich die Teilnehmerinnen in zehn Sportarten an acht verschiedenen Wettkampfstätten, unterstützt von einem engagierten Team aus mehr als 400 freiwilligen Helfer*innen.

In Halle wird damit erstmals ein sportliches Ereignis dieser Größenordnung mit einem so starken inklusiven Fokus ausgerichtet. Was in Weißenfels 2023 mit viel Herzblut stattfand, erfährt nun in der größten Stadt Sachsen-Anhalts eine neue Dimension – sowohl was die Teilnehmerzahl als auch die gesellschaftliche Resonanz betrifft. Die Landesspiele sind dabei nicht nur sportlicher Wettkampf, sondern gleichzeitig auch ein offizieller Anerkennungswettbewerb für die Nationalen Spiele von Special Olympics Deutschland. Für viele Athlet*innen kann dies ein erster Schritt auf dem Weg zu den Weltspielen 2027 sein – eine Perspektive, die weit über das Sportliche hinausgeht.

Vielfalt auf dem Spielfeld – Zehn Sportarten und acht Austragungsorte

Die Liste der Sportarten, in denen sich die Athlet*innen messen, ist vielseitig und reicht von klassischen Disziplinen wie Fußball, Leichtathletik, Schwimmen oder Tischtennis bis hin zu spezifischen Angeboten wie Rhythmischer Sportgymnastik, Boccia, Bowling, Reiten beziehungsweise Voltigieren sowie Floorball und Basketball. Besonders bemerkenswert: Die Rhythmische Sportgymnastik wird in diesem Jahr erstmals bei den Landesspielen in Sachsen-Anhalt angeboten, worauf Projektleiter Louis Wonneberger besonders stolz ist. Zwölf Athletinnen haben sich für diese Sportart gemeldet – ein starkes Zeichen für die wachsende Vielfalt im Angebot.

Die Wettbewerbe finden in unterschiedlichen, über die Stadt verteilten Sportstätten statt. Zu den wichtigsten Austragungsorten zählen der große Sportkomplex Halle-Neustadt, die moderne SWH.arena, die Schwimmhalle Saline sowie die Bowlinghalle „Bowling Star Halle“. Darüber hinaus werden Turnhallen von Schulen, wie der Gemeinschaftsschule Heinrich Heine oder der Grundschule Am Heiderand, aktiv genutzt. Für die Reitsportarten geht es nach Prussendorf, zum traditionsreichen Gestüt Radegast in Zörbig. Selbst der Marktplatz von Halle, sonst Mittelpunkt von Stadtfesten, Konzerten oder politischen Kundgebungen, wird zur inklusiven Sportstätte – und zum emotionalen Herzen der Spiele.

Gemeinschaft erleben – Rahmenprogramm für alle Generationen

Begleitet wird das sportliche Programm von einer Vielzahl an Rahmenveranstaltungen, die den Gedanken von Teilhabe, Bildung und Begegnung in den Vordergrund stellen. Bereits am Freitag, dem 5. September, gibt es einen symbolischen Startschuss: Der traditionelle Fackellauf der Special Olympics beginnt um 17:00 Uhr am Fahnenmonument auf dem Hansering und endet auf dem Marktplatz – ein bewegender Auftakt, der die Spiele in die Mitte der Stadt und der Gesellschaft trägt.

Am Sonntag, den 7. September, lädt der Marktplatz ab 14:00 Uhr zum großen Special Olympics Festival ein – ein kunterbuntes, inklusives Familienfest mit Mitmachaktionen, Bühnenprogramm, Informationsständen und Begegnungsräumen. Direkt im Anschluss, ab 17:00 Uhr, findet an gleicher Stelle die feierliche Eröffnungszeremonie statt. Mit musikalischen Darbietungen, Athletenparade und dem Entzünden des olympischen Feuers wird dieser Moment zu einem emotionalen Höhepunkt.

In den folgenden Tagen, vom 8. bis zum 10. September, laufen die sportlichen Wettbewerbe an den verschiedenen Austragungsorten jeweils zwischen 9:00 und 17:00 Uhr (am Mittwoch bis 14:30 Uhr). Neben den Wettkämpfen bietet das Gelände des Sportkomplexes Halle-Neustadt viele weitere Programmpunkte. Besonders hervorzuheben ist das kostenfreie Gesundheitsprogramm, das täglich in der SWH.arena stattfindet. Hier erhalten Athletinnen Zugang zu medizinischen Checks, Ernährungstipps und Angeboten zur Gesundheitsvorsorge – begleitet von Fachärztinnen und Spezialist*innen, die ihr Wissen ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Die Teilhabeberaterin und selbst beeinträchtigte Silke Haring hebt diesen Aspekt besonders hervor und betont, wie wichtig es sei, dass „alles gut erklärt wird, und man Tipps bekommt, wie man gesund und fit bleibt“. Das Programm ist dabei so gestaltet, dass es für alle Teilnehmenden verständlich, niedrigschwellig und barrierearm ist – auch durch begleitende Angebote in Leichter Sprache.

Gesichter und Geschichten – Die Menschen hinter den Spielen

Die Stadt Halle und ihre Verwaltung engagieren sich stark für das Gelingen der Spiele. Dr. Judith Marquardt, Beigeordnete für Sport und Kultur, hebt hervor, dass die Special Olympics nicht nur ein sportliches Event seien, sondern ein gesellschaftliches Signal. „Es geht darum, gemeinsam zu sein und sichtbar zu machen, dass alle dazugehören. Die Barrierefreiheit bei Sportstätten spielt bei allen Baumaßnahmen eine zentrale Rolle“, so Marquardt. Zahlreiche Schulen haben ihre Turnhallen, Geräte und auch ihre Schüler*innen als Helferinnen zur Verfügung gestellt – eine beispielhafte Zusammenarbeit von Bildung und Sport.

Dass diese Spiele mehr sind als Sport, weiß auch Andreas Silbersack, 1. Vizepräsident von Special Olympics Sachsen-Anhalt. Er erinnert daran, dass der Landesverband in Sachsen-Anhalt erst 2013 gegründet wurde. Heute – nur zwölf Jahre später – ist man auf dem besten Weg, zu einem der bedeutendsten Player im inklusiven Sport in Deutschland zu werden. „Diese Spiele sind ein emotionaler Höhepunkt. Sie zeigen, wie sich sportliche Leistung und soziales Engagement verbinden. Sie bringen die Menschen näher zusammen und lassen uns als Gesellschaft enger zusammenrücken“, sagt Silbersack.

Ein besonderes Anliegen ist auch die Einbindung von Schüler*innen und der Bildungsarbeit. Mit dem Projekt „Special Olympics in der Schule“ wurden bereits im Vorfeld der Spiele 36 Schulklassen aus acht Hallenser Schulen besucht. Ziel sei es, Berührungsängste abzubauen, Verständnis zu wecken und zu zeigen, dass Menschen mit geistiger Beeinträchtigung nicht „lustig“, sondern ganz normale Mitmenschen mit eigenen Stärken, Talenten und Bedürfnissen sind. Silke Haring war Teil dieses Projekts und berichtet eindrucksvoll von den positiven Erfahrungen: „Die Kinder haben zugehört, mitgemacht und verstanden. Das war schön.“

Für viele Athlet*innen sind die Landesspiele ein persönlicher Höhepunkt. So etwa für Martin Köhler, der sich besonders auf das Boccia-Turnier freut. Köhler war 2023 Teil der deutschen Delegation bei den Weltspielen in Berlin, wo er unter anderem Silber im Doppel und Gold im Einzel gewann. Jetzt, in Halle, möchte er seine Erfahrungen weitergeben und gemeinsam mit seinem Team sportliche Erfolge feiern. Zusammen mit Patrick Janssen ist er offizieller Athletensprecher und Gesicht der Landesspiele – eine Rolle, die beide mit großem Stolz und Verantwortungsgefühl ausfüllen.

Ein Herz für Inklusion – Das Logo als Symbol für Zusammenhalt

Ein ganz besonderes Zeichen setzen die Spiele auch mit ihrem offiziellen Logo. Es wurde in einem inklusiven Workshop gemeinsam mit dem Athletenrat entwickelt. Das Motiv zeigt ein großes rotes Herz, das von Wahrzeichen der Stadt Halle – wie der Marktkirche und dem Symbol des Komponisten Händel – umrahmt wird. Eine symbolische Brücke verbindet die Elemente und steht für den verbindenden Geist der Spiele: Miteinander statt Nebeneinander. Damit wird auch visuell sichtbar, worum es bei den Landesspielen wirklich geht – um Menschen, die füreinander da sind, unabhängig von ihren Fähigkeiten. Und auch bei den Medaillen sind alle zehn Sportarten mit Symbolen vertreten. Am Dienstag wurden sie offiziell vorgestellt.

Die Organisatorinnen, allen voran Susann Albrecht und Louis Wonneberger, die gemeinsam die Gesamt- und Projektleitung innehaben, zeigen sich dankbar und voller Vorfreude. Die Veranstaltung sei ein Kraftakt, aber zugleich auch ein Projekt, das tief berühre. Albrecht räumt ein, dass nicht alle Sportstätten vollständig barrierefrei seien, doch man arbeite intensiv mit der Stadt zusammen, um Lösungen zu finden. Auch Rückzugsräume für Teilnehmerinnen mit besonderen Bedarfen, zusätzliche Sitzgelegenheiten und Beschilderungen in einfacher Sprache wurden auf Initiative von Athlet*innen wie Silke Haring umgesetzt.

Am Ende steht ein Ziel über allem: Ein inklusives Sportfest, bei dem niemand ausgeschlossen ist – weder auf dem Spielfeld noch im Herzen der Menschen. Die Special Olympics Landesspiele 2025 sind ein kraftvolles Zeichen für Teilhabe, Würde und das, was Sport im besten Sinne leisten kann: Menschen verbinden.

Die Teilnahme und der Besuch aller Veranstaltungen sind kostenfrei. Informationen zu Zeitplänen, Veranstaltungsorten und dem barrierefreien Angebot finden Interessierte auf der offiziellen Website von Special Olympics Sachsen-Anhalt sowie in den Programmheften, die ebenfalls in Leichter Sprache erhältlich sind.

https://specialolympics.de/aktuelles/veranstaltungskalender/veranstaltungskalender-detail/landesspiele-halle-2025