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Russland profitiert mit Milliarden von Öl-Lieferungen an Indien. Die USA setzen höhere Zölle dagegen. Angeblich führt das zu einem Umdenken in Indien.
Neu-Delhi – Indien steht vor einem Zoll-Hammer. Die Waren, die das Land in die USA liefert, sollen sich drastisch verteuern. Verantwortlich dafür ist US-Präsident Donald Trump. Diesem stößt die indische Annäherung zu Russland seit 2022 übel auf. Die neuen Maßnahmen sollen für ein Umdenken sorgen. Eine Reaktion ist bereits ersichtlich.
Rückschlag für Russlands Wirtschaft – Indien-Raffinerien könnten Öl-Käufe zurückfahren
Eigentlich gehören indische Raffinerien zu den größten Käufern von russischem Rohöl. Jetzt aber sollen sie planen, ihre Käufe dieser Importe einzuschränken. Wie das Nachrichtenportal Bloomberg berichtet, passiert dies nur kurz vor dem Einsetzen von höheren US-Zöllen. Der Schritt soll zweierlei signalisieren: Erstens beugt sich Indien damit ein Stück weit der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, zweitens ist das Land jedoch nicht bereit, seine Bande zu Russland ganz zu kappen.
Narendra Modi in Kolkata, Indien (Symbolfoto). Russland verdient Milliarden an Öl-Lieferungen nach Indien. Die USA reagieren mit höheren Zöllen. Angeblich sorgt das in Indien für ein Umdenken. © IMAGO / Middle East Images
Sowohl Raffinerien im Staatseigentum als auch private Verarbeiter von Rohöl (darunter das Branchen-Schwergewicht Reliance Industries Ltd.) sollen im Oktober nurmehr 1,4 Millionen bis 1,6 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag einkaufen, sollen mit der Sache vertraute Insider Bloomberg mitgeteilt haben. Diese wollten jedoch anonym bleiben.
Zum Vergleich: Während der ersten Jahreshälfte hatten die Raffinerien im Schnitt rund 1,8 Millionen Barrel pro Tag gekauft. Die Trump-Administration hat sich vorgenommen, das Handelsdefizit mit Indien zu beschneiden, und den Druck auf den indischen Energiesektor erhöht. Das Office des U.S. Trade Representative gab ein Handelsdefizit über 45,8 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 39,4 Milliarden Euro) an. Am Mittwoch (27. August) sollen neue US-Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Bandbreite von indischen Produkten einsetzen.
25 Prozent davon sollen eine Strafe dafür sein, dass Indien so viel Öl aus Russland kauft. Auf Anfrage durch Bloomberg hatten sich weder das indische Ölministerium noch die großen Raffinerien, darunter Reliance, Nayara Energy Ltd., Hindustan Petroleum Corp. und weitere, nicht gemeldet.
Mega-Zölle gegen Indiens Wirtschaft – Trump geht auf Konfrontationskurs
Zuerst hatte Trump neue Zölle in Höhe von 25 Prozent auf indische Waren angekündigt. Später erhöhte der US-Präsident diesen Wert auf 50 Prozent. Als Grund dafür gab die US-Regierung eine Kombination aus zu hohem Handelsdefizit und der indischen Unterstützung für Russland an. Anfang August ging Trump öffentlich auf Indien los, bezeichnete die Wirtschaft des Landes als „tot“ und ging damit in die entgegengesetzte Richtung, die die USA vor langer Zeit eingeschlagen hatte.
Kurz zur Erklärung: Mehrere Administrationen, zuletzt die unter Joe Biden, hatten Indien als Gegengewicht zu China im asiatischen Raum gesehen und versucht, es hochzupäppeln.
Trumps neuer Angriffskurs gegen Indien birgt Experten zufolge Risiken. „Wir könnten angesichts eines härteren Amerikas ein größeres Tauwetter in den indisch-chinesischen Beziehungen sehen“, zitierte CNN Farma Aamer, Director of South Asia Initiatives beim Asia Society Policy Institute. Soll heißen: Wenn Indien und China sehen, dass sich die USA als gemeinsamer Feind positionieren, könnten sie dazu angehalten sein, wieder mehr zusammenzuarbeiten. Die Bloomberg-Insider gaben an, dass sich die Zolllast verändern könnte, sollte Indien einen Handelsdeal mit den USA abschließen oder die Importe aus Russland zurückfahren.
Annäherung zwischen Indien und Russland – welche Rolle China dabei spielt
Nach der russischen Invasion in der Ukraine hatte sich Indien zu einem der wichtigsten Handelspartner für den Kreml entwickelt. Im Jahr 2024 hatte Russland rund 262 Milliarden US-Dollar aus seinen globalen Exporten fossiler Brennstoffe eingenommen; rund 113 Milliarden davon entfielen auf Indien. Laut dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) wuchs der bilaterale Handel zwischen Indien und Russland zwischen 2023 und 2024 auf 65,7 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 56,57 Milliarden Euro).
In der Frühphase profitierte Indien allerdings von massiven Rabatten, die es heraushandeln konnte. Gleichzeitig hat sich das Land als eine Art Retter des Ölpreises positioniert: Ohne die hohen Zukäufe aus Russland wäre der Ölpreis außer Kontrolle geraten.
Indien betont dabei regelmäßig, dass es dem Land um den besten Deal geht, nicht unbedingt um ideologische Unterstützung. Im Gegenteil: Russlands Annäherung an China wurde in Indien mit Misstrauen verfolgt, da Peking und Neu-Delhi seit Ewigkeiten in Grenzkonflikte und innerasiatische Machtkämpfe verwickelt sind.
Russland wiederum tut jede Verringerung von Ölexporten weh. Erst kürzlich musste das Land Investitionen kürzen, weil die Produktionsausweitungen des Ölkartells Opec+ den Ölpreis abstürzen ließen.