Von Zeit zu Zeit wird ein Bruchteil davon gezeigt. So auch jetzt und das aus gutem Grund, sagt Anne Martin. Sie ist eine der Kuratorinnen der Ausstellung „Mythos Mosaik“ erklärt, dass in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum ansteht: der 70. Geburtstag der Digedags und der 100. Geburtstag ihres Schöpfers Hannes Hegen.

Schau zeigt einige Digedags-Stücke erstmals

In diesem Zusammenhang könne man einige neue Akzente setzen, sagt Martin: „Wir haben einige Objekte, die wir in vorhergehenden Ausstellungen noch nicht zeigen konnten. Zum Beispiel die Urkunde der Johannes-Hegenbarth-Schule in Leipzig.“ Zu sehen sei außerdem, ein Straßenschild aus Berlin, vom Digedags-Platz, und einige „wirklich zauberhafte Objekte von Fans“, die an die Jubiläen 2025 erinnerten.

Wir haben einige Objekte, die wir in vorhergehenden Ausstellungen noch nicht zeigen konnten.

Kuratorin Anne Martin

Da gibt es zum Beispiel einen liebevoll detailverliebten Nachbau der Burg von Ritter Runkel, dem legendären Rübenstein. Man kann eintauchen in die Welt der Fanzines, die sich vor allem in Mitteldeutschland auftut, aber auch Ableger im Brandenburger und noch nördlicherem Raum hat. Das am längsten existierende Fanzine namens „Mosaiker“ kommt aus Erfurt.

Mosaik-Comics als „Bückware“ in der DDR

Herausgeber des Fanzines ist Michael Hebestreit, der auch diese Ausstellung mit kuratiert hat. Kein Wunder, ist er doch schon seit seiner Kindheit vom Virus infiziert: „Meine Oma hatte in Erfurt einen Zeitungskiosk und so habe ich auch ein bisschen die DDR-Marktwirtschaft kennen gelernt“, erinnert sich Hebestreit. Dort habe er gelernt, warum seine Oma so freizügig Pralinenschachteln vergeben habe, weil viele Bückwaren damals „unterstützend“ am Kiosk erworben worden seien.

Wir möchten ein Stück DDR-Geschichte vermitteln für Menschen, die sich insgesamt für das Thema interessieren.

Kuratorin Anne Martin

Und Bückware war das Mosaik, solange die Digedags auf Abenteuertour waren – die ging bekanntlich 1975 zu Ende, als sich ihr Erfinder und Rechteinhaber mit dem FDJ-Verlag Junge Welt überwarf und ins Private zurückzog. Auch diese Geschichte kann man in der Ausstellung noch einmal nachvollziehen. Sie widmet sich auch dem Thema der bis heute veranstalteten Tausch- und Verkaufsbörsen, bei der – wie man so hört – für gut erhaltene Exemplare aus den Anfangsjahren exorbitante Summen aufgerufen werden.

Da verdreht sogar ein Mann die Augen, der die Grundlagen der Marktwirtschaft am Zeitungskiosk seiner Oma kennen gelernt hat: „Also um diese Preise kümmere ich mich nicht. Da hat jetzt die richtige Marktwirtschaft zugeschlagen“, sagt Kurator Michael Hebestreit und fügt mit Blick auf die Preise hinzu: „Das sind nicht nur ein paar Tausend Euro, sondern wesentlich mehr.“

Da wundert es uns nicht, dass auch in der Galerie Eigen und Art schon mal eine Mosaik-Ausstellung stattfand: vom 30. März bis zum 25. April 1990. „Digedags – ein Mythos“ hieß es damals in der Fritz-Austel-Straße, kann man auf dem Plakat lesen, das in der aktuellen Ausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums zu sehen ist.

Schau will nicht nur Digedags-Fans ansprechen

Auf einer Sprechblase vor dem Eingang wird die gerade mit dem Gutenberg-Preis ausgezeichnete Leipziger Comic-Künstlerin Anna Haifisch zitiert: „Die Amerika-Reihe habe ich als Kind furchtbar gerne betrachtet. Wegen der Wimmelbilder.“ Die Geschichten dazu hätten sie leider weniger interessiert, so Haifisch weiter. 

Und auch die Kuratorin der Ausstellung „Mythos Mosaik“ scheint schon zu ahnen, wer sie sehen werden will: „Wir gehen davon aus, dass die meisten unserer Besucher altgediente Mosaik-Fans sein werden“, sagt Anne Martin und fügt an: Man wolle mit der Schau auch ein Stück DDR-Geschichte vermitteln für Menschen, die sich insgesamt für das Thema interessieren. Sie richte sich nicht nur an die Fans.