Drei ehemalige Soldaten der Bundeswehr auf der Anklagebank, ihnen gegenüber als Opfer ein damaliger Kamerad. Vor rund vier Jahren kam es zu Gewalt gegen den 24-Jährigen. Bis heute leide er unter den Folgen – „Schlafstörungen, Albträume, Panikattacken“, nannte er im Prozess vor dem Landgericht.
Es geht um Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung, unterlassene Hilfeleistung. Die Staatsanwaltschaft legt den angeklagten Ex-Soldaten des Wachbataillons zwei Übergriffe zwischen Februar und Mai 2021 zur Last. Sie gestanden am Dienstag.
Es sei eine „ritualisierte Form“ gewesen, den Anfängern zu zeigen, wie es gehe, erklärte einer der Männer über seine Anwältin. Mit der Ansage, „der Herr wird jetzt ein Zäpfchen bekommen“. Ihr Mandant habe dem 24-Jährigen inzwischen 5000 Euro im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs angeboten.
Gewalt-Rituale
Robby B. und Benjamin K., 35 und 31 Jahre, sollen mit einem gesondert verfolgten Mann in der Julius-Leber-Kaserne in Reinickendorf den jüngeren Soldaten sexuell misshandelt haben. B. habe einen Gummi-Fingerhut über einen Finger gezogen. „Er griff mir hinten in die Hose“, so der 24-Jährige. K. habe ihn festgehalten. B. habe es „normale Rituale“ genannt.
Der dritte Angeklagte gab zu, nicht eingegriffen zu haben. „Es kam durchaus öfter vor, dass jemand grob geärgert wurde“, so der 36-Jährige, inzwischen Rettungssanitäter. Er gestand auch, sich in einem Fall mit fünf weiteren Männern auf den 24-Jährigen geworfen zu haben. Die Parole für das Draufwerfen sei „Schweinehaufen“ gewesen – ein „spontaner Spaß“.
Prozesse in Berlin Vier Beamte in Berlin angeklagt Polizist misshandelt Mann in Alex-Wache – Ex-Kollegen belasten ihn schwer Polizeikritische Adbusting-Aktion in Berlin Student bleibt gegen Geldauflage straffrei 25 Kilo Ecstasy im Gepäck Prozess um mutmaßlichen Drogendeal in Berlin-Mitte gestartet
Der anfängliche Verdacht auf Extremismus – von der Gruppe „Wolfsrudel“ war die Rede – hatte sich nicht bestätigt. Der Prozess soll am 27. August fortgesetzt werden.