Kiel. Mal sind es Beleidigungen, ganz selten sogar körperliche Angriffe. Oftmals ist es aber auch ein Danke oder sogar ein Lob. Wenn Maurice Maring seinen Dienst beginnt, weiß er nie, was der Tag bringt. „Es gibt positive und negative Erfahrungen“, sagt Maurice Maring. Er ist einer von 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Kommunalen Ordnungsdienst in Kiel. 2024 war für den KOD ein arbeitsreiches Jahr. Neue Aufgaben kamen hinzu, seit dem Start 2019 haben sich die Einsatzfelder verschoben.

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Es waren Bilder, an die sich viele Besucher gewöhnen mussten. Auf dem Weihnachtsmarkt 2024 in Kiel zeigten Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst gemeinsam verstärkt Präsenz. Der Auftrag: das verschärfte Waffenverbot auf Großveranstaltungen kontrollieren. „Als wir 2019 angefangen haben, hätte ich nicht damit gerechnet, dass auch solche Kontrollen einmal zu unseren Aufgaben zählen würden“, sagt KOD-Chef Rajko Wengel.

Kommunaler Ordnungsdienst in Kiel: Von 16 auf 42 Kräfte aufgestockt

Gestartet mit 16 Mitarbeitenden ist der Kommunale Ordnungsdienst mittlerweile auf 42 Kräfte aufgestockt worden. „Wir könnten an manchen Tagen auch gut 100 Leute beschäftigen“, sagt Rajko Wengel. Vor allem, wenn Veranstaltungen in Kiel sind, sei der Bedarf da, es gebe genug zu tun. „Die Frage ist aber, ob man so viele Menschen in Uniform in der Stadt sehen möchte.“

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Besonders intensiv sind die Kontrollen am Hauptbahnhof, in der Holstenstraße und in Gaarden. Immer häufiger muss der Kommunale Ordnungsdienst zudem Amtshilfe für andere städtische Behörden leisten. Dazu zählen beispielsweise die Begleitung des Veterinäramts, die Zwangsräumung von Wohnungen oder auch das Zurückbringen von Schwänzern in die Schule. „Wir helfen gerne, aber die Begleitung kostet viel Zeit, die wir nicht auf Streife verbringen können“, sagt Rajko Wengel.

Im Umgang mit der psychischen Belastung müssen wir nachsteuern. Niemand soll den Job mit nach Hause nehmen.

Rajko Wengel

KOD-Leiter

Dies zeigt ein Blick in die Zahlen: 2023 wurden noch 6321 Verstöße im Fahrzeugverkehr in Kiel registriert, 2024 waren es 5027. Im Radverkehr gibt es einen Rückgang von 451 auf 351.

Im Streifendienst wurden im Jahr 2024 rund 40.000 Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Themen. Mal fragen Reisende am Bahnhof nach dem Weg. Mal müssen Konflikte gelöst werden. Mal werden Platzverweise erteilt. Erfreulich dabei: Die Beleidigungen gegen KOD-Mitarbeitende gehen zurück, von 545 im Jahr 2023 auf 299 im Jahr 2024. Bei Bedrohungen (40 zu 33) und Gewalt gegen den KOD (24 zu 22) gibt es ebenfalls einen leichten Rückgang.

Alltag beim KOD: Beleidigungen, aber auch Dank und Lob

Auch Maurice Maring hat in seinen zwei Jahren beim KOD bereits zweimal Gewalt erfahren. Bei einem Einsatz im Karlstal und während eines Spiels von Holstein Kiel wurde er angegriffen. „Man braucht manchmal ein dickes Fell.“ Für Rajko Wengel ist es wichtig, dass sein Team in solchen Fällen Hilfe bekommt. „Es sind schon Kollegen in Situationen reingerutscht, die so nicht zu erwarten waren. Im Umgang mit der psychischen Belastung müssen wir nachsteuern. Niemand soll den Job mit nach Hause nehmen.“

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Nach Hause genommen werden sollen nur die schönen Erlebnisse – denn die gibt es auch. Manchmal kommt sogar ein Lob, mit dem nicht zu rechnen ist. Nachdem Maurice Maring mit einem Kollegen auf der Schlossgarten-Brücke einen Fahrradfahrer anhielt, der dort nicht hätte fahren dürfen, landete nur wenige Tage später eine E-Mail im KOD-Postfach.

Der Radfahrer sah sein Fehlverhalten ein und bedankte sich für den freundlichen Umgang bei der Kontrolle. Er sei in Eile gewesen, um noch die Fähre zu erwischen. Der KOD hätte sich beim Feststellen der Personalien extra beeilt, damit das Schiff nicht ohne ihn losfährt. Und tatsächlich schaffte es der Radfahrer noch rechtzeitig an Bord. Für Maurice Maring war sein Handeln eine Selbstverständlichkeit. „Deswegen machen wir den Job. Wir sind da, um zu helfen.“

KN