Geheim-Gespräche
Steht der Ölriese ExxonMobil vor einem Comeback in Russland?
Kehrt der Ölriese ExxonMobil bald ins Russland-Geschäft zurück?
© Hollandse Hoogte/Laurens van Putten / IMAGO
2022 musste sich ExxonMobil aus Russland zurückziehen. Nun gibt es wohl Gespräche mit dem russischen Staatskonzern Rosneft über eine Rückkehr – mit dem Segen der US-Regierung
Der US-Ölkonzern ExxonMobil steht womöglich vor einer Rückkehr ins Russland-Geschäft. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere Insider berichtet, sprachen US-Regierungsvertreter mit Russland am Rande der jüngsten Verhandlungen auch über mehrere Energiegeschäfte. Damit habe man den Kreml ermutigen wollen, einem Frieden in der Ukraine zuzustimmen. Im Gegenzug soll die US-Regierung eine Lockerung der Sanktionen in Aussicht gestellt haben.
Konkret sei es um eine mögliche Rückkehr des US-Ölkonzerns ExxonMobil in das Öl- und Gasprojekt Sachalin-1 gegangen. Zudem sei der mögliche Kauf von US-Ausrüstung für russische Flüssiggasprojekte wie Arctic LNG 2 besprochen worden, die unter westlichen Sanktionen stünden.
Tatsächlich scheinen die Pläne für eine Rückkehr bereits bei ExxonMobil in der Schublade zu liegen – und auch beim russischen Staatskonzern Rosneft. Neil Chapman, Senior Vice President von ExxonMobil, traf sich laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ bereits in diesem Jahr mit Rosneft-Vertretern. Das Thema: Eine Rückkehr ins Sachalin-1-Projekt. Nur eine Handvoll Personen soll von den Gesprächen gewusst haben.
Sachalin-1 war eines der größten Investments für ExxonMobil
ExxonMobil ist der führende US-Ölkonzern und hat erst einen bitteren Rückzug aus dem Russland-Geschäft hinter sich. Sachalin-1 im Fernen Osten Russlands war eines der größten Investments des Unternehmens, Exxon leitete das Projekt und besaß neben Rosneft einen Anteil von 30 Prozent. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 reduzierte Exxon die Produktion und wollte die Anteile im Wert von über 4 Mrd. Dollar verkaufen – die russische Regierung blockierte aber einen Deal. Der Kreml beschlagnahmte den Anteil des Konzerns am Projekt Sachalin-1.
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Mit Trumps Amtsantritt im Januar nahmen die Gespräche zwischen Exxon und Rosneft laut „Wall Street Journal“ Fahrt auf. Exxons Senior Vice President Chapman und Rosneft-CEO Igor Setschin sollen sich wenig später in der katarischen Hauptstadt Doha getroffen haben. Setschin gilt als enger Vertrauter von Kremlherrscher Wladimir Putin und ist mit US-Sanktionen belegt – Amerikanern ist es eigentlich verboten, mit ihm Geschäfte zu machen. Ausnahmen gibt es per Lizenz des Finanzministeriums, die Exxon bekommen haben soll.
Das Unternehmen habe die US-Regierung früh eingebunden und um Unterstützung gebeten. Dort fielen die Wünsche offenbar auf fruchtbaren Boden. Während einer Reise des US-Gesandten Steve Witkoff nach Moskau sprach dieser laut Reuters mit den russischen Vertretern über die Energiedeals. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin soll dazu gehört haben. Die möglichen Vereinbarungen seien auch im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump besprochen worden.
„Das Weiße Haus wollte eine Schlagzeile“
Als Trump den russischen Präsidenten kürzlich beim Gipfeltreffen in Alaska empfing, sei das Thema ebenfalls wieder aufgekommen. „Das Weiße Haus wollte nach dem Gipfeltreffen in Alaska unbedingt eine Schlagzeile machen und einen großen Investitionsdeal verkünden. Somit hätte Trump das Gefühl gehabt, etwas erreicht zu haben“, zitiert Reuters einen Insider.
Trumps Ukraine-Gipfel
Ein kleiner Schritt in Richtung Frieden
19.08.2025
Vor dem Ukraine-Gipfel waren die Europäer angespannt. Würde Donald Trump mit sich reden lassen und wieder an die Seite des Westens rücken? Die Antwort lautet: Jein
Trump und sein nationales Sicherheitsteam stünden weiterhin mit russischen und ukrainischen Vertretern im Austausch, um ein bilaterales Treffen zur Beendigung des Tötens und des Krieges zu erreichen, teilte ein Vertreter des Weißen Hauses auf Fragen von Reuters zu den Vereinbarungen mit. Es sei nicht im nationalen Interesse, diese Themen öffentlich weiterzuverhandeln.
ksc/rtr
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