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Angespannt beobachtet die Gesundheitsbranche die steigenden Krankenkassenbeiträge. Die Beitragsspirale kennt kein Ende. Die Kassen geben beunruhigende Prognosen ab.

Berlin – Versicherte müssen mit höheren Beiträgen bei den Krankenkassen rechnen. „Weil die nötigen Strukturreformen fehlen, zahlen wir alle mehr, spüren aber keine bessere Versorgung,” sagte Oliver Blatt, der neue Chef des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Er rechnet mit unaufhaltsamen Beitragserhöhungen und warnt die Bundesregierung vor den Ausmaßen. Auch Kosten für Bürgergeld-Empfänger nimmt er ins Visier. 

Krankenkassen warnen vor steigenden Ausgaben und höheren Beiträgen – Reformen fehlen

Wegen der steigenden Ausgaben sind Krankenkassen gezwungen, die Zusatzbeiträge anzuheben. Blatt verlangt konkrete Maßnahmen, um die Ausgaben zu begrenzen. „Ohne Reformen steigt der Zusatzbeitrag Anfang 2026 auf über drei Prozent“, warnte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Durchschnitt liege aktuell bei 2,9 Prozent. Das treibe die Lohnnebenkosten. „Am Ende zahlen die Versicherten mehr, ohne mehr zu bekommen”, so Blatt.

KrankenkassenDie Krankenversicherung wird immer teurer. © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Die finanzielle Schieflage der Kassen rief auch den Bundesrechnungshof auf den Plan. Er forderte die Regierung auf, schnell ein Konzept zu erarbeiten, um die Finanzen der Kassen langfristig zu stabilisieren und warnt ebenfalls vor einer Beitragsexplosion: Zum Jahr 2029 könnten die Zusatzbeiträge auf 4,05 Prozent steigen, heißt es in einem Bericht mit Verweis auf eine Prognose des Bundesgesundheitsministeriums. Die steigenden Beiträge könnten sogar einen möglichen wirtschaftlichen dämpfen. 

Krankenkassen mussten Zusatzbeiträge wiederholt anheben – Kosten steigen 

Seit Jahresbeginn haben die Kassen ihre Zusatzbeiträge erhöht, zuletzt passten einige Kassen ihre Beitragssätze auch im August 2025 an. Angesichts der Entwicklung pocht der Verband der gesetzlichen Krankenkassen schon länger auf ein Ausgabemoratorium.  Aufgrund der Finanzierungslücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben verbuchten die Kassen im Jahr 2024 ein Defizit von 6,2 Milliarden Euro verbucht. Hinzu kommen die steigenden Arzneimittelkosten. 

Bislang will die Bundesregierung den Krankenkassen mit einem Darlehen aushelfen – aus Sicht der Krankenkassen völlig unzureichend. Ebenfalls enttäuscht sind die Kassen über fehlende Mittel für die Refinanzierung versicherungsfremder Leistungen. Darunter würden beispielsweise auch die Leistungen für Bürgergeld-Empfänger fallen. 

Kassen fordern mehr Geld für Bürgergeld-Empfänger – Merz verhält sich zurückhaltend 

Die Kassen fordern vom Bund eine Kostenübernahme der Leistungen für Bürgergeld-Beziehende. Das würde die Kassen um zehn Milliarden Euro entlasten, verdeutlichte bereits der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas. Auch nach Ansicht von Blatt muss der Staat einspringen. Bislang zahlt der Bund Beiträge für die Empfängerinnen und Empfänger von Bürgergeld an die gesetzlichen Krankenkassen. Allerdings reichen diese Beiträge nicht aus, um die tatsächlichen Kosten zu decken. Im Jahr 2025 liegen die Beiträge pro Person bei 133 Euro monatlich.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) wies in einer Pressekonferenz im Juli darauf hin, die finanzielle Herausforderung der Kassen lösen zu wollen. Zur Forderung der Kassen, die Leistungen der Bürgergeld-Empfänger zu übernehmen, hielt sich Merz bedeckt. Probleme der steigenden Beiträge und die Finanzsituation der Krankenkassen würden nicht über „kurzfristige Hebel und nur über versicherungsfremde Leistungen“ lösen lassen.

Er verwies mitunter auf die Expertenkommissionen, die künftig Vorschläge erarbeiten wird, auf deren Basis die Beitragssätze dauerhaft stabilisiert werden sollen. Auch mit den Herausforderungen der Pflegeversicherung soll sich eine Kommission befassen. Der kommende Herbst soll im Zeichen der Reformen stehen. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) berief ebenfalls eine Kommission, die künftig Sozialleistungen wie das Bürgergeld unter die Lupe nehmen soll.