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Die vereinbarten US-Zölle stellen für viele deutsche Unternehmen eine große Herausforderung dar. Die Belastung sei zu hoch, heißt es aus Kreisen der Industrie. Die DIHK fordert härtere Verhandlungen.
Berlin – Deutsche Unternehmen sind frustriert – die Zolleinigung mit den USA sorgt für Unmut und viele Unternehmen planen, ihr US-Geschäft zurückzufahren. Sie fordern außerdem, mit den USA erneut härter zu verhandeln. Aus einer Befragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) geht hervor, dass 55 Prozent der befragten Unternehmen die vereinbarten Einfuhrzölle in die USA als zu starke Belastung empfinden und weitere Verhandlungen verlangen, die ihnen bessere Bedingungen für den Export ermöglichen.
Wegen Trumps Zöllen – deutsche Exporte in die USA gehen zurück
Unter den 3.500 befragten Unternehmen, die vornehmlich aus der Industrie stammen, gaben 54 Prozent an, dass das US-Geschäft rückläufig ist. Der Zollkompromiss, den US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula Ende Juli beschlossen hatten, sieht einen US-Zoll in Höhe von 15 Prozent für die überwiegende Mehrheit der europäischen Produkte vor.
Der Zoll-Deal zwischen den USA und der EU schwächt die deutsche Exportwirtschaft. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Dieser gilt auch für die europäischen Autobauer, die bislang mit 27,5 Prozent Zoll kalkulieren mussten. Vor der Einführung der neuen Zölle unter Trump hat der Zollsatz allerdings bei 2,5 Prozent gelegen. Im Rahmen der Zollvereinbarungen sollen ferner Zölle auf US-Industriegüter vollständig abgeschafft werden.
Für Volker Treier, dem Außenwirtschaftschef der DIHK, ist das Zollmodell mit den USA die falsche Lösung, denn die Abschottung in der Handelspolitik wird die Ziele der USA verfehlen. Sie schafft seiner Meinung nach weder stabile Wirtschaftsbeziehungen noch ein attraktives Investitionsumfeld. Das Ergebnis seien vielmehr Zollchaos und ein unsicheres Umfeld. Der Protektionismus der USA würde nicht dazu führen, die Re-Industrialisierung in den Vereinigten Staaten wieder anzukurbeln, so Treier weiter.
Investitionen in den USA werden zurückgehalten – Zollkosten werden auf US-Kunden abgewälzt
Aus der Befragung der deutschen Unternehmen geht hervor, dass 17 Prozent ihre geplanten Investitionen in den USA verschoben haben, ganze neun Prozent wollen generell weniger dort investieren. Von den Unternehmen mit US-Geschäft wollen 31 Prozent auf die nun erhobenen Zölle reagieren, 62 Prozent von diesen Unternehmen planen, die Zusatzkosten an ihre Kunden weiterzugeben. Nur 15 Prozent wollen die Kosten zulasten ihrer eigenen Kalkulation selbst tragen. Wie Treier erläuterte, werden die erhobenen US-Zölle vornehmlich von den US-Kunden selbst zu tragen sein.
Auch strategisch ziehen die deutschen Unternehmen ihre Konsequenzen aus dem Zoll-Deal. Sie orientieren sich in puncto Absatzmärkte um und setzen verstärkt auf den europäischen Binnenmarkt, der für sie ein stabiler Wirtschaftsraum mit verlässlichen Regeln ist. Wie Treier ausführte, sei es deshalb jetzt besonders wichtig, die überbordende Bürokratie im europäischen Binnenmarkt abzubauen, um die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Marktes zu stärken. Außerdem sei es wichtig, weitere Handelsabkommen, wie beispielsweise mit den Mercosur-Staaten oder Indien und Indonesien voranzutreiben.
Weitere Verhandlungen um Zölle mit den USA sind notwendig
Er betonte jedoch auch, dass eine belastbare Einigung mit den USA ebenso unverzichtbar ist. So fordert die DIHK für weitere Verhandlungen, dass eine geplante Senkung der US-Zölle im Automobil- und Metallbereich schnell erfolgen muss. Auch müssten Vereinbarungen getroffen werden, die für die Zukunft weitere US-Zollerhöhungen ausschließen. Für den Fall, dass sich bessere Konditionen nicht durchsetzen ließen, sollte die EU auch Gegenmaßnahmen in Betracht ziehen und in den Gesprächen „robust“ verhandeln, so Treier weiter. (mit dpa)