Derrick Köhn kann mit der Negativserie des 1. FC Union Berlin in Dortmund nicht allzu viel anfangen. Mit dem SV Werder Bremen holte er beim BVB in der vergangenen Saison nach einem 0:2-Rückstand beim 2:2 noch einen Punkt. Ein Zähler, der dazu beitrug, dass er mit seinem damaligen Leihklub im Endspurt sogar noch auf einen Platz im internationalen Wettbewerb hoffen durfte. Der 26-Jährige, der seit etwas mehr als einer Woche in Köpenick unter Vertrag steht, weiß also im Gegensatz zu einigen seiner Teamkollegen, wie sich so ein Erfolgserlebnis im Signal-Iduna-Park anfühlen kann.
Die Bilanz der Eisernen gegen den Kontrahenten, der am Sonntag (17.30 Uhr) wartet, ist dagegen desaströs: Sechs Spiele, null Punkte, 5:23 Tore. Im Februar dieses Jahres bildete die 0:6-Klatsche beim Champions-League-Teilnehmer gepaart mit der darauffolgenden Heimniederlage gegen Holstein Kiel den Tiefpunkt einer Spielzeit, die mit dem Klassenerhalt letztlich doch noch ein Happy End fand.
„Wir können mit einer gewissen Euphorie in das Spiel gehen“, versprüht Köhn eine große Portion Optimismus. Mit dem Sieg gegen Stuttgart hat Union frühestmöglich eine Visitenkarte abgegeben, auf der steht, dass es nur wenig Spaß macht gegen die Baumgart-Elf zu spielen. Zumindest dann, wenn alle Spieler bereit sind, ans Leistungslimit zu gehen. Genau an diesem will auch Köhn spielen. Nicht nur am Sonntag in Dortmund, sondern auch in den darauffolgenden Wochen und Monaten. „Ich wollte bei meiner Leihe nach Bremen Ziele erreichen, die am Ende nicht zustande gekommen sind“, sagte der linke Schienenspieler am Donnerstag bei einer Medienrunde im Stadion An der Alten Försterei. Er ließ zumindest durchblicken, dass es dabei auch um seine Einsatzzeiten ging, verlor er doch in der Rückrunde seinen Stammplatz und spielte in den letzten zehn Spielen zusammengerechnet nur noch 45 Minuten.
Bei Union ist der gebürtige Hamburger, der im Stadtteil Jenfeld aufgewachsen ist, gleich von Beginn an gefragt. Bei seinem Debüt kam er wie von Baumgart zuvor angekündigt zwar nur als Joker zum Einsatz, da hatte er mit seinen neuen Mitspielern aber auch gerade erst drei Trainingseinheiten absolviert. Es ist davon auszugehen, dass Köhn spätestens nach der Länderspielpause, womöglich aber auch schon am Sonntag, die linke Außenbahn von Beginn an beackern wird. „Ich muss natürlich noch an der ein oder anderen Feinheit arbeiten, fühle mich aber fit, weil ich bei Galatasaray die komplette Vorbereitung mitgemacht habe“, erzählt Köhn, der in Berlin seine ehemaligen Teamkollegen Oliver Burke (aus der Bremer Zeit) und Wooyeong Jeong (aus gemeinsamen Tagen in der U23 des FC Bayern) wiedergetroffen hat.
Neu bei Union und gleich bei den Fans gefragt: Derrick Köhn schreib nach dem öffentlichen Training am Dienstag fleißig Autogramme.Matthias Koch/Imago
In der Millionen-Metropole Istanbul fühlte er sich zwar schnell heimisch, Trainer Okan Buruk plante für diese Saison allerdings nicht mehr mit ihm. Köhn, der in Deutschland außerdem in der Jugend des Hamburger SV und später bei Zweitligist Hannover 96 gespielt hatte, war auf der Suche nach einem neuen Abenteuer und Union-Manager Horst Heldt packte die Gelegenheit beim Schopfe. Sein Vorwärtsdrang auf der linken Seite wird den Berlinern im Offensivspiel ganz sicher guttun, in der Rückwärtsbewegung kann und muss er sich noch verbessern.
Borussia Dortmund startet mit reichlich Wut im Bauch
Bei Borussia Dortmund wird der Blick in den Rückspiegel vermutlich des Öfteren nötig sein. Die Gastgeber, bei denen Trainer Niko Kovac seinen Vertrag in dieser Woche verlängert hat, starten nach dem 3:3 beim FC St. Pauli mit einer großen Portion Wut im Bauch in ihr erstes Heimspiel. Im Hamburger Stadtteil hatte der Vorjahres-Vierte fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch mit 3:1 geführt, musste dann aber eine Rote Karte, den damit zusammenhängenden und verwandelten Elfmeter sowie den Ausgleich des Außenseiters hinnehmen. Viel erinnerte dabei an den BVB des Vorjahres, der es über weite Teile der Saison nicht geschafft hatte, Konstanz in das eigene Spiel zu bringen.