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Wladimir Putin kämpft in der Ukraine weiter. Aber Russlands Wirtschaft steht vor Problemen. Jetzt folgen zwei neue Tiefschläge.
Moskau – Der Ukraine-Krieg dauert an. Strafmaßnahmen aus westlichen Ländern scheinen Moskau wenig zu schaden. Diese Darstellung betonen Wladimir Putin und seine Kreml-Führung bei jeder sich bietenden Chance. Doch die Realität sieht durchaus anders aus. Nun treffen zwei schwere Rückschläge den russischen Präsidenten.
Russlands Präsident Wladimir Putin (R) inspiziert die Kokerei Nr. 12 im MMK Magnitogorsk Eisen- und Stahlwerk. (Archiv) © IMAGO/Kristina Kormilitsyna
Der Kreml-Chef hat die russische Volkswirtschaft nach Jahren des Ukraine-Konflikts und scharfer westlicher Sanktionen inzwischen vollständig auf eine Kriegswirtschaft ausgerichtet. Dadurch vermeidet das Land bisher den vom Westen erhofften wirtschaftlichen Kollaps, um ein Ende des Krieges zu erzwingen. Dennoch zeigen die Sanktionen Wirkung. Die finanziellen Reserven sind bereits angetastet und schwinden. Die Inflation betrug monatelang fast zehn Prozent – und dürfte weiter ansteigen. Außerdem wurde während Putins Alaska-Besuch bei Donald Trump deutlich, wie stark der Ausschluss aus dem internationalen Zahlungssystem sogar den russischen Staatschef persönlich betrifft.
Moskaus Volkswirtschaft gerät ins Wanken – weitere schwere Schläge für Putin
Nun erfolgt ein doppelter Schlag, der Putin zusätzlich unter Druck setzen könnte. Zum einen richtet sich Donald Trump jetzt gegen Putins wirtschaftliche Partner. Besonders im Visier steht Indien. Das Land ist nach China der zweitgrößte Käufer russischen Öls. Bereits nach Trumps Ankündigung von 50-Prozent-Zöllen auf indische Produkte haben die USA Indien dazu gebracht, seine Ölkäufe drastisch zu reduzieren. Das Land soll nur noch etwa ein Drittel der bisherigen Menge beziehen. Trump rechtfertigt die Zölle gegen Indien mit dessen Energie- und Waffenkäufen aus Russland.
Nach CNN-Meldungen übernimmt derzeit China einen Teil der russischen Ölkäufe anstelle Indiens. Doch Experten zufolge wird dieser Ausgleich nicht von Dauer sein. China kann die Mengen, die Indien üblicherweise abnimmt, nicht vollständig ersetzen. Daher werden sich die Auswirkungen der Zölle auf Russland erst mit Verzögerung zeigen.
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Die 50-Prozent-Zölle gegen Indien sind jedoch erst seit dem 27. August in Kraft. Daher könnte Indien seine russischen Ölkäufe noch weiter verringern. Diese Einschätzung vertritt beispielsweise Ulrich Schmid, Russland-Fachmann der Universität St. Gallen, gegenüber der Schweizer Zeitung Blick. Zusätzlich könnte China aus Furcht vor vergleichbaren Zöllen künftig vorsichtiger bei russischen Importen werden, heißt es dort außerdem.
Zum anderen nimmt gleichzeitig die Ukraine Putins verwundbarste Stelle ins Visier: die russische Energieinfrastruktur. Seit August attackiert Kiew auffällig häufiger russische Raffinerien, Rohrleitungen, Kraftstofftransporte oder Öllager. Dabei erzielt es durchaus Erfolge. Nach Angaben der Moscow Times wurden allein im August mindestens sieben russische Raffinerien beschädigt – vier mussten vollständig den Betrieb einstellen.
Erst am Sonntag (24. August) ging eine russische Ölraffinerie an der Ostsee in Flammen auf. Der Gouverneur von St. Petersburg teilte über Telegram mit: „Die Trümmer eines unbemannten Flugapparats wurden zur Ursache für einen Brand am Novatek-Terminal“. Ebenso fördert die bedeutende Ölleitung Druschba (Freundschaft) nach ukrainischen Angriffen seit der vergangenen Woche kein Öl mehr. Ungarn als einer der Kunden erwartet ab dem kommenden Donnerstag wieder Lieferungen.
Putins Wirtschaft in Schwierigkeiten: Neue ukrainische Strategie gegen Russlands schwächste Stelle
Die Ursache: Die Ukraine hat in diesem Jahr ihre eigene Drohnenherstellung verstärkt. Dadurch gelingt es nun offensichtlich, russische Energieanlagen deutlich wirkungsvoller zu attackieren.
Dies bekommt inzwischen auch die russische Bevölkerung zu spüren. Nach Angaben der Moscow Times gibt es vor allem im Osten Russlands „zunehmend Benzinknappheit“. Grund sind demnach die ukrainischen Attacken, die Russland seit Anfang August bereits 13 Prozent seiner Ölraffineriekapazität gekostet haben sollen. Andere Meldungen sprechen sogar von 17 Prozent der Verarbeitungskapazität.
Die Moskauer Zeitung meldet lange Warteschlangen an Tankstellen in Putins Reich und berichtet, dass Tankstellen den Kraftstoff rationieren müssen. Der Verkehr auf einer wichtigen Fernstraße sei praktisch zum Stillstand gekommen. An vielen Zapfsäulen hängen „Außer Betrieb“-Schilder. Kraftstoff lasse sich nur mit Lebensmittelkarten erwerben. In größeren Städten gebe es zwar noch Benzin. Dafür müsse man jedoch etwa zwei Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. (rjs)