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Drohnenangriffe aus der Ukraine treffen Russlands Wirtschaft empfindlich. Ein strategisches Öl-Terminal läuft jetzt nur noch mit halbem Potenzial.

Moskau – In seinem Ukraine-Krieg musste Wladimir Putin bei aller Zerstörungswut auch selbst schon einige heftige Schläge einstecken. So verlor seine Schwarzmeerflotte schon kurz nach Beginn der Invasion ihr Flaggschiff Moskwa, in diesem Frühjahr kostete den Kreml-Chef eine koordinierte Drohnen-Attacke bis tief nach Russland hinein Dutzende Bomber. Auch die Einschläge in Öl-Raffinerien dürften Moskaus Machthaber zumindest schlucken lassen.

Sorgen bereitet Putin aktuell offenbar das Öl-Exportterminal Ust-Luga unweit der Grenze zu Estland. Insidern zufolge wird dort im September nur mit halber Kapazität gearbeitet werden können. Dies berichtet die internationale Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei Quellen aus der Branche.

Qualm zwischen Fabriktürmen, Wladimir Putin eingeklinktRückschläge durch Luftschläge: Kreml-Chef Wladimir Putin muss aktuell wohl um das Öl-Terminal Ust-Luga bangen. (Archivbild) © 
IMAGO / ITAR-TASS
(2)Ukraine trifft russisches Öl-Terminal: Putins Wirtschaft verliert wohl Millionensumme

Täglich würden lediglich rund 350.000 Barrel Öl verarbeitet werden können. Denn die Pipeline-Infrastruktur sei durch ukrainische Drohnenangriffe auf die Pumpstation Unetscha in der russischen Region Brjansk im August beschädigt worden. Dadurch zeige sich, wie es Kiew durchaus gelinge, wichtige Energieanlagen zu treffen und damit Russlands Exporte zu erschweren.

Moskau finanziert seinen Krieg trotz aller Sanktionen aus dem Westen nicht zuletzt über Öllieferungen. Der US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) betonte gerade erst, im Juli habe Russland über diesen Rohstoff täglich 467 Millionen US-Dollar eingenommen, über den gesamten Monat seien es 14 Milliarden US-Dollar dank der Öl-Verkäufe gewesen. Als mit Abstand größte Abnehmer gelten China und Indien.

Nun dürfte Russlands Wirtschaft eine Millionensumme durch die Lappen gehen. Die in Mitleidenschaft gezogene Pumpstation gilt als wichtiger Transitpunkt für Rohöl auf dem Weg zum Ostseehafen Ust-Luga.

Folgen für Russland durch ukrainische Drohnenangriffe: Ölmengen müssen umgeleitet werden

Um den Rückgang aufzufangen, sollen die Ölmengen den Quellen zufolge zu den russischen Häfen Primorsk und Noworossijsk umgeleitet werden. So sollen die Export-Verluste begrenzt werden. Von den russischen Behörden gab es zunächst keine offiziellen Statements zum Ausmaß der Schäden und den Folgen.

Auch die Versorgung über die Druschba-Pipeline, über die Belarus, die Slowakei und Ungarn beliefert werden, soll nach einer Attacke in der vergangenen Woche beeinträchtigt worden sein. Hier hieß es aber vom ungarischen Ölkonzern MOL und von der slowakischen Regierung, die Lieferungen würden wieder laufen. Die slowakische Wirtschaftsministerin Denisa Sakova schrieb auf Facebook: „Ich hoffe, dass der Betrieb stabil bleibt und es keine weiteren Angriffe auf die Energieinfrastruktur gibt.“

Die ukrainischen Attacken auf russische Raffinerien beurteilte der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) gerade erst als besonders wirkungsvoll. Laut einem Bericht würden diese zur Benzinknappheit in ganz Russland beitragen und damit die Inflation anheizen sowie „weitere makroökonomische Instabilität“ in Putins Reich verursachen. (mg)