Tag der wohnungslosen Menschen
Jule Frank /
10. September 2025, 12.45 Uhr
Am 11. September ist bundesweiter Tag der wohnungslosen Menschen. Es ist ein Tag, an dem verschiedene soziale Vereine und Verbände Aufklärungsveranstaltungen organisieren und Appelle an die Politik richten – denn die Zahl wohnungsloser Menschen steigt stetig an. Unter ihnen befindet sich die in Frankfurt ansässige Franziskustreff-Stiftung. Die gemeinnützige Organisation mit Fokus auf Obdachlosenhilfe organisiert einen virtuellen Themenabend unter dem Motto „Wie schaffen wir es als Gesellschaft Obdachlosigkeit zu beenden?“.
Wohnungslosigkeit in Hessen steigt weiter an
Der Tag der wohnungslosen Menschen soll mehr Aufmerksamkeit auf Wohnungs- und Obdachlosigkeit lenken. Lars Lauer vom Paritätischen Wohlfahrtverband Hessen bemerkt, dass die existentiellen Notlagen wohnungsloser Menschen in der öffentlichen Debatte oft von Themen wie dem Bürgergeld überschattet werden. Dabei steigen die Zahlen der wohnungslosen Menschen immer weiter an: Das Statistische Bundesamt verzeichnet aktuell 29 000 Betroffene allein in Hessen, das sind 3 000 mehr Menschen als vergangenes Jahr. Gleichzeitig steigt auch die Quote von Kindern und Jugendlichen in Wohnungslosigkeit.
Die Dunkelziffer dürfte sogar noch um einiges höher sein. Das Statistische Bundesamt bezieht sich auf die Personen, die zum Stichtag im Januar in Notunterkünften untergebracht waren. Damit beschreibt die Statistik die Zahl obdachloser Menschen in Hessen, die von solchen Hilfsangeboten Gebrauch machen. Obdachlosigkeit bezieht sich aber ebenfalls auf Menschen, die im Freien oder öffentlichen Raum leben und schlafen. Wohnungslosigkeit ist noch breiter gefasst und greift Menschen mit ein, die ohne Mietvertrag bei Freunden und Verwandten, Schutzeinrichtungen, Asylunterkünften oder weiteren unterkommen.
Land und Kommunen spielen wichtige Rolle bei Überwindung von Wohnungslosigkeit
Eigentlich plant der Bund, Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hat hierfür einen Aktionsplan ausgearbeitet, welcher mit Blick auf die steigenden Betroffenenzahlen jedoch noch nicht die nötige Wirkung entfaltet habe, kritisiert die Frankfurter Franziskustreff-Stiftung.
Das BMWSB bemerkt, dass aufgrund der föderalen Ordnung in Deutschland viele Aspekte der Obdachlosigkeit in den Händen von Ländern und Kommunen liegen. Darunter fällt zum Beispiel der soziale Wohnungsbau. Der Paritätische Wohlfahrtverband Hessen fordert von der Landesregierung unter anderem mehr bezahlbaren Wohnraum sowie flächendeckende Fachstellen zur Beratung bei Mietschulden oder Kündigung, um Wohnungslosigkeit noch rechtzeitig vorzubeugen. „Dieses Angebot zu stärken, ist auch und gerade in Zeiten knapper Kassen wichtig. Denn Menschen in Notunterkünften unterzubringen ist wesentlich teurer, als sie dabei zu unterstützen, ihre Wohnung zu behalten“, warnt Lauer.
Frankfurter Franziskustreff plant Online-Veranstaltung zum Thema Obdachlosigkeit
Auf lokaler Ebene kommen gemeinnützige Organisationen wie der Frankfurter Franziskustreff ins Spiel. Dass die Überwindung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit eine Gemeinschaftsanstrengung aller sein muss, soll eines der Leitthemen in der morgigen Online-Veranstaltung „Wie schaffen wir es als Gesellschaft Obdachlosigkeit zu beenden?“ sein. Von 19.30 Uhr bis circa 21 Uhr lädt die Stiftung zu einem Teams-Meeting ein, in welchem Gründe für Obdachlosigkeit und die Hürden zur Überwindung durch Vorträge und gemeinsamen Austausch behandelt werden sollen.
Die Franziskustreff-Stiftung folgt dem übergeordneten Ziel, Menschen kurz- und langfristig aus Obdachlosigkeit und Armut zu befreien. Sie entstand aus dem Kapuzinerkloster Liebfrauen in der Frankfurter Innenstadt, welches einen offenen Raum mit Verpflegung für obdachlose Menschen bot. Auch heute findet der „Franziskustreff“ noch beim Liebfrauenberg statt, mit der Hilfe von Ehrenamtlichen und Spenden serviert die Stiftung dort täglich ein Frühstück für Hilfsbedürftige. Außerdem gibt es regelmäßig Räume zum Zusammenkommen und Austausch sowie psychische Behandlung für obdachlose Menschen und Beratung zu Themen wie Wohnungssuche und staatliche Unterstützung.

Frühstück beim Franziskustreff © NOÍ CREW, Franziskustreff-Stiftung
Info
Hier geht es zur Anmeldung für die Online-Veranstaltung „Wie schaffen wir es als Gesellschaft Obdachlosigkeit zu beenden?“
