„Jeder anständige Berliner kommt aus Posen oder Breslau“, sagte Kurt Tucholsky 1921. Und auch heute sind die Handels- und Kulturbeziehungen zwischen den Ländern sehr lebendig. Gerade weitete die Deutsche Bahn ihre Zugverbindungen nach Polen aus. Berlin und Warschau sind seit 1991 Partnerstädte. Schätzungsweise 200.000 Polen leben heute in Berlin, nicht alle sind registriert, viele pendeln täglich beruflich. Seit dem Tucholsky-Zitat ist viel passiert, der Überfall auf Polen vor 86 Jahren markierte sicherlich einen dramatischen Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Polen und Deutschland.

Festival-Beitrag bei „filmPOLSKA“: „Glorious Summer“ handelt von drei jungen Frauen, die in einem prachtvollen, aber isolierten Schloss leben.
© BM | Rozbrat Films

Doch die Erschütterungen des 20. Jahrhunderts liegen weit zurück und im Juni 2025 wurde endlich der lange geplante Gedenkort für die polnischen Opfer der NS-Besatzung im Regierungsviertel eingerichtet, auch wenn einige Kritiker ihn als „Stein der Schande“ bezeichnen. Ein dauerhaftes Denkmal und ein Deutsch-Polnisches Haus in Berlin ist weiterhin in Planung, so die Stiftung Denkmal. Nächstes Jahr feiert das vom polnischen Außenministerium eingerichtete Polnische Institut in Berlin sein 70-jähriges Jubiläum. Und auch aktuell wird schon gefeiert: Das Institut begeht mit seiner kostenfreien Galerie aktuell sein 20. Jubiläum am Standort an der Museumsinsel. Ebenso lang gibt es das Filmfestival „filmPOLSKA“, das heute startet.

„Kulturdiplomatie liegt mir am Herzen

Katarzyna Sitko ist die Direktorin des Polnischen Instituts. Die Kulturmanagerin aus Krakau hat sich schon immer für Geschichte und andere Kulturen interessiert. „Kulturdiplomatie liegt mir am Herzen“, sagt sie. Über den neuen Gedenkort für Opfer der NS-Besetzung freut sie sich. „Es ist gut, dass es diesen Ort jetzt gibt, denn jahrzehntelang gab es keinen wirklichen Gedenkort für die polnische Community“, sagt sie. „Es war wichtig, dass dieser Ort eingerichtet wird, bevor der letzte Zeitzeuge stirbt. Jetzt können wir uns dort treffen, beispielsweise am 1. September.“

Gedenkort NS Polen

Seit Juni 2025: Provisorischer Gedenkort für die polnischen Opfer der deutschen NS-Besatzung mit Blick auf den Reichstag.
© BM | Iris May

Warum ist es wichtig, auf der Museumsinsel präsent zu sein? „Viele Menschen kommen hier auf dem Weg vom Hackeschen Markt zur Museumsinsel vorbei und entdecken dadurch unsere Galerie, die jedem kostenlos offensteht. Der Eintritt zu den Kino-Filmen bei filmPOLSKA ist zwar nicht kostenfrei, aber die Filmfest-Party und das Konzert am Freitag.“ Alle Filme seien deutsch oder englisch untertitelt. Zur Eröffnung laufe im City-Kino Wedding ein Dokumentarfilm namens „Trains“, der ganz ohne Dialog und Sprache anhand von Archiv-Aufnahmen von der Geschichte der Eisenbahn erzähle.

Mehr aus Berlin-Mitte20. Polnisches Filmfestival

Der Dokumentarfilm „Trains“ eröffnet das 20. Polnische Filmfestival. Er zeigt europäische Geschichte anhand von Archiv-Aufnahmen von Zügen.
© BM | deja vu Filmverleih

Das Filmfestival enthält so manchen Leckerbissen für Cineasten. Neben dem Wettbewerb- und Panorama-Programm (nebst IDFA-Gewinner & Eröffnungsfilm „Trains“) gibt es einen Fokus auf Filmmusik. Die erste Retrospektive zu Wojciech Kilar, der auch die Filmmusik zu Bram Stokers Dracula beisteuerte und einen Filmmusik-Workshop von Antoni Komasa-Łazarkiewicz, der u.a. die Filmmusik zu In Darkness ( Agnieszka Holland), Treasure (Julia von Heinz), Quo Vadis, Aida (Jasmila Zbanic) und The Turncoat (Florian Gallenberger) gemacht hat, sowie ein Filmmusik-Konzert mit Musikern von Krzyżowa-Music. Darüber hinaus gibt es einen Fokus auf polnisch-skandinavische Ko-Produktionen sowie einen Fokus auf Has-Filme, die in Cannes gelaufen sind. 

20. Filmfestival „filmPOLSKA“, 10.–17.09.2025, verschiedene Kinos und Veranstaltungsorte in Berlin und Potsdam, Kino-Tickets, Events teilweise kostenlos, Zum kompletten Programm