Auch an der Duisburger Kirchengemeinde, zu der die Kirchen St. Johannes, Liebfrauen und St. Peter gehören, gehen die sinkenden Mitgliederzahlen der katholischen Kirche nicht vorbei. „Wir müssen sparen und können uns, wenn wir weiterhin mit Seelsorgeangeboten für die Menschen vor Ort da sein wollen, nicht mehr alle Gebäude leisten“, sagt der Pfarrer klar. Daher sei es wichtig, nun in eigener Verantwortung zu entscheiden, auf welchen Standort man sich künftig konzentrieren möchte. „Ich sehe, dass die ehrenamtlichen Mitglieder unserer Gremien diese Verantwortung wahrnehmen und sich sehr ernsthaft mit den Entscheidungen beschäftigen, die sie treffen müssen“, lobt Belting das Engagement in der Pfarrei.
Eine Steuerungsgruppe erarbeitete Kriterien, aus finanzieller und pastoraler Sicht., die bei der Entscheidungsfindung leitend sein werden. Wünsche für einen fairen Ausgleich wurden in den Gemeindeausschüssen gesammelt. Zudem haben sich die Gemeindeausschüsse der drei Kirchen vorher damit beschäftigt, was fehlen würde, wenn „ihre“ Kirche aufgegeben würde, und was sich ändern würde, wenn die Kirche der neue zentrale Standort wird.
Und doch seien sich alle bewusst, dass Kirche für viele Menschen nach wie vor eine wichtige Rolle in ihrem Leben spiele – und eben auch an die jeweiligen Gebäude mit Erinnerungen, Emotionen und Wünschen verbunden sind. „Wir gehen völlig ergebnisoffen in die Beratungen“, verspricht der Pfarrer, „es ist klar, dass es nicht um Gewinner und Verlierer geht, sondern dass es überall große Veränderungen geben wird. Unabhängig davon, welche Kirche bestehen bleibt und welche geschlossen werden, werden wir uns den Herausforderungen stellen, das neue Zentrum zu einem Ort zu machen, an dem sich viele Menschen neu zuhause fühlen können“.
Die Gremien haben einen ganzen Kriterienkatalog entwickelt, den sie während ihrer Klausurtage besprechen und abwägen wollen. Was sich genau aus den Kirchen, die am Ende aufgegeben werden müssen, entwickeln wird, ist noch offen. „Uns ist ein wertschätzender Abschied wichtig und wir wollen auch sicherstellen, dass es eine gute, sinnvolle und soziale Nachnutzung der Gebäude gibt. Dazu werden wir unmittelbar nach dem Beschluss Kontakt mit möglichen Investoren aufnehmen“, betont der Pfarrer.
Info: Die Kirchen
St. Johannes, Marienstraße – Erbaut und eingeweiht 1872-1873, 1903 mit Turm vollendet, 1944 zerstört und bis 1948 wieder aufgebaut, neuste Renovierung 2021/2022
Liebfrauen, Ottostraße – Erbaut und eingeweiht 1930-1931, 1944 zerstört und bis 1948 wieder aufgebaut, komplette Innenrenovierung 2006
St. Peter, Friedhofsallee – Erbaut und eingeweiht 1976-1977, Wiederaufbau nach dem Teileinsturz der Dachkonstruktion 1999
Christian Breuer