Am Dienstagabend, dem 23. September, wurde die Cinémathèque Leipzig für ihr engagiertes und zukunftsweisendes Programm das sechste Jahr in Folge mit einem Kinoprogrammpreis der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) und der AG Kinogilde ausgezeichnet. Das Programm, mit einem Mix aus aktuellen Kinostarts, Filmgeschichte, kuratierten Filmreihen mit Themenschwerpunkten und Filmgesprächen sowie experimentellen Formaten und Ausstellungen, entwickelte die Cinémathèque stets mit der Perspektive auf ein eigenes Haus.

Diese Vision vom Filmkunsthaus, eines interdisziplinären Zentrums für Filmkunst und Medienbildung, ist seit vergangener Woche endgültig Geschichte. Gut 13 Jahre lang hatte die Cinémathèque Leipzig für die Realisierung gekämpft. Jetzt scheiterte das Projekt final in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters an der nicht bestätigten Beschlussvorlage zu den Planungskosten.

Die Enttäuschung sitzt tief bei der Cinémathèque Leipzig. Mit der Entwicklung unseres aktuellen Standorts in der Karl-Liebknecht-Str. 109 wähnten wir uns auf einem guten Weg. Unser Programm erhält viel Zuspruch und der Saal ist regelmäßig ausverkauft, sodass Besucher/-innen keine Plätze mehr bekommen. Daher war die Perspektive auf ein größeres Haus so wichtig für uns.

Nach 5 Konzepten, 4 konkreten Standorten, viel Zeit, Arbeit und ehrenamtlichem Engagement durch das Team, den Verein, aber auch ein breites Netzwerk von Unterstützer/-innen und Fürsprecher/-innen ist die Vision leider gescheitert.

Was anfing als der Wunsch nach einer eigenen Spielstätte, wuchs in der letzten Dekade zur Vision von einem Ort, der neben einem kuratierten Filmprogramm auch experimentelle Formate und neue Medien präsentiert und vermittelt, ein Ort, der das Filmland Sachsen in seiner größten Stadt repräsentiert und zu einem überregionalen Anlaufpunkt für Festivals, Premieren und internationale Besucher/-innen wird.

Durch intensive kulturpolitische Arbeit und Engagement gelang es Ende 2018 mit der Vorlage dieses Konzepts Baufördermittel von Bund und Land Sachsen in Höhe von gesamt 21 Millionen Euro zu ermöglichen. Wie das erste Entwicklungskonzept für die damals leerstehende SKALA im Vergabeverfahren scheiterte, konnte auch das zweite Projekt auf dem Gelände der Feinkost eG trotz möglicher Förderung nicht umgesetzt werden. Ihm folgend der Standort Löwitz Quartier und nun zuletzt der Kohlrabi-Zirkus.

Da die Bundesmittel nur bis Ende 2026 vorgehalten werden, bleibt keine Zeit mehr, erneut einen weiteren potenziellen Standort zu finden und die Planungen rechtzeitig zu entwickeln.

Die Cinémathèque Leipzig wird auch weiterhin daran arbeiten, Filmkunst und Medienbildung ein Zuhause zu geben und Kino als Ort des Austauschs und der Teilhabe zu gestalten. In welcher Form das zukünftig geschehen kann, muss in den folgenden Monaten eruiert werden.

Das gute Feedback unserer Besucher/-innen sowie die Anerkennung unserer Arbeit durch Auszeichnungen wie den Kinoprogrammpreis bestätigen uns in unserer Arbeit. Wir bleiben dran. Die Cinémathèque möchte allen danken, die das Projekt über einen so langen Zeitraum begleitet, unterstützt und bis zuletzt nicht aufgegeben haben.

Alle zusammen haben einen langen Atem bewiesen, der für diesen Marathon mit Gegenwind jedoch nicht reichte.