Rund 10.000 Besucher verzeichnet das Karlsruher Kulturzentrum Tollhaus bei seinem zehnten Atoll-Festival. Trotz dieses Rekords ist die künftige Finanzierung unklar.
Viel Zuspruch verzeichnete das Tollhaus Karlsruhe bei seinem Atoll-Festival, etwa bei der Produktion „Mad in Finland“.
Foto: Winfried Reinhardt
Eine Erfolgsbilanz mit Einschränkungen zieht das Kulturzentrum Tollhaus nach der zehnten Ausgabe seines Atoll-Festivals. Das 2016 gegründete Festival für zeitgenössischen Zirkus habe mit rund 10.000 Besucherinnen und Besuchern einen deutlichen Publikumsrekord verzeichnet, teilten die Veranstalter mit. Bislang war die Ausgabe von 2023 mit 8.500 Besuchern an der Spitze gestanden.
Diesmal wurden an neun Spieltagen 24 verschiedene Produktionen in mehr als 50 Aufführungen gezeigt. Zu Gast waren auch Größen der Szene, die das Tollhaus bereits seit Jahrzehnten begleitet. Dazu gehörte beispielsweise der französische Zirkuspionier Johann Le Guillerm, den das Tollhaus bereits 1997 nach Karlsruhe geholt hatte und der nun die Eröffnungsshow bestritt.
Festival in Karlsruhe endet in gemeinsamem Tanz
Beim Abschluss hingegen war der Clown Boris Arquier mit von der Partie, der dem Tollhaus seit den Gastspielen des Berliner Musikzirkus Gosh! in den 1990er Jahren verbunden ist. Er trug als DJ der Compagnie Le Doux Supplice in dem Stück „En attendant le grand soir“ maßgeblich dazu bei, das Festival in einem euphorischen gemeinsamen Tanz von Künstlern und Publikum ausklingen zu lassen.
Als Publikumsmagneten nennen die Veranstalter die drei Vorstellungen der komödiantischen Finninen „Mad in Finland“, die Ruhrgebiets-Produktion Urbanatix sowie das in einem Lkw spielende Stück „Ballroom“ von Post uit Hessdalen mit faszinierenden Jonglage-Effekten.
Viel Zuspruch für Kinder- und Familientag
Der erstmals angebotene Kinder- und Familientag, der von den BNN als Medienpartner unterstützt wurde, lockte bei freiem Eintritt rund 1.900 große und kleine Menschen zum Tollhaus. Außerdem habe das Festival rund 100 als Veranstalter, Agenten oder Produzenten professionell mit dem Zirkus verbundene Menschen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland nach Karlsruhe gezogen.
Viel Anklang fanden beim Atoll-Festival nicht nur die abendlichen Vorstellungen, sondern auch die Shows beim erstmals angebotenen Kinder- und Familientag.
Foto: Bernadette Fink
Allerdings sei das Festival nach zehn Ausgaben „an einem Wendepunkt angelangt“, heißt es in der Bilanzmitteilung. Konkret geht es um die zukünftige Finanzierung angesichts der Geldknappheit in öffentlichen Kassen.
Bereits vor Festivalbeginn hatten die Veranstalter angedeutet, dass sich der Etat von rund 300.000 Euro wohl nicht in der geplanten Drittelung aus Kartenverkäufen, öffentlichen Zuschüssen und Sponsoring erwirtschaften lasse.
Um die Qualität und Quantität des internationalen Programms aufrechterhalten zu können und die niederschwelligen, kostenlosen Programmanteile weiter auszubauen, werde das Tollhaus künftig verstärkt auf private und privatwirtschaftliche Unterstützung angewiesen sein, so die Bilanz.