„Schwarze Schafe“, klingelt da was? Das ist ein kleiner Kultfilm aus dem Jahr 2006. Ein paar Berliner, klare Sache: Underdogs ohne Money, schlagen sich so durch. Oliver Rhis drehte die episodische Erzählung unabhängig und ohne Fördermittel. Wer mitmachte, tat das umsonst. Jetzt gibt es die Fortsetzung. In der Kunstform der Gegenwart: der Streamingserie.
Stars wie Robert Stadlober, Jule Böwe, Robert Lohr und Milan Peschel sind in ihren alten Rollen wieder dabei. Dazu stoßen in dem Zehnteiler (Leadautor Oliver Rihs) neue Stars wie Martin Brambach („Tatort“), Frederick Lau („4 Blocks“) und Jella Haase („Kleo“). Das Episodische des Films spiegelt sich in den 20-minütigen Folgen: Sie erzählen absurde Geschichten von Glücksrittern und Losern, und sie spielen fast ausschließlich alle unter der derbe runterbrennenden Sonne Berlins.
Neue Serie „Schwarze Schafe“: In Berlin sind sowieso alle druff
In Neukölln, Kreuzberg, Mitte. Da Drogenkriminalität seit Langem eine der popkulturell und seriell einträglichsten Erzählungen ist und in Berlin sowieso alle, alle druff sind (ist doch so, oder?), ist der Dealer-Plot auch in „Schwarze Schafe“ durchaus üppig bemessen. Das Problem von Omar (Yasin El Harrouk) ist, dass seine Tochter Sorge um den Fortbestand des Planeten hat. Da muss er sich anstrengen, das Business emissionsfrei zu machen. Erst einmal soll ein ob dieses Auftrags einigermaßen ratloser Rapper einen Fridays-for-Future-Song produzieren. Omar: „Und schreib, dass wir dem Klimawandel so auf die Fresse hauen, dass er bald wieder runterkühlt, haste verstanden.“

Charlotte (Jule Böwe) hat einen Taugenichts als Lebensgefährten. Ihr Glück: Mit einer geklauten Kreditkarte kann sie mal richtig einkaufen.
© Port au Prince Pictures GmbH | Clara Marnette
Auch andere haben Sorgen. Die Balkon-imkernde Kreuzberg-Niete Fritz von Plettenburg (Frederick Lau) hat die Drogen, die Koks-Kafka (Marc Hosemann) für Omar verticken soll, in seinem Bienenstock untergebracht. „Die Mädels kommen gar nicht klar“ aber, wie Fritz seiner mit „Genderdolls“ (das sind merkwürdige Puppen mit angenähten Geschlechtsteilen) hausierenden Schwester Delphine (Jella Haase) verklickert. Die Bienchen sind nämlich auf Speed, das lag da halt so rum.
Serie „Schwarze Schafe“: Tragischer Spreekrabbenfischer, arroganter Bayer
Martin Brambachs Middle-Ager-Figur Kurt will, gemeinsam mit seinem Taxifahrerkollegen Mamadou (Foscky Pueta) wegen der hohen Kosten, die seine Haartransplantation verursachte, mit dem Verkauf eines Hakenkreuzteppichs Tausende Euro einnehmen. Nachvollziehbarerweise sucht das Duo potenzielle Käufer auf einer rechtsextremen Kundgebung. Nazi-Bezüge gibt es noch ein paar mehr, außerdem einen tragischen Spreekrabbenfischer und einen arroganten Bayern, der eine „Green Hub“-Messe in Schönefeld abhält und dabei bizarren Geschäftsideen ein Forum bietet.
Die Storys sind miteinander verflochten und einigermaßen vergnüglich. Es könnte sich allerdings, fällt einem beim Glotzen irgendwann auf, eine Art Hamburg-Fremdscham-Syndrom bei „Schwarze Schafe“ einstellen. Nicht dass man sich fremdschämte angesichts der Berliner Humorbemühungen. Nee, man vermisst aber halt die Peinlichkeiten von „Die Discounter“ oder „KEKs“. „Schwarze Schafe“ ist insgesamt nicht so witzig, wie es gerne wäre, und ganz schön nett, also sehr harmlos.
Durchgucken kann man das dennoch sehr gut. Und das ab dem 17. Oktober vorübergehend ganz umsonst: Die Indie-Serie jenseits der großen Plattformen Netflix, Amazon und Disney ist dann auf www.schwarzeschafe.eu zwei Tage gratis abrufbar. Das bleibt anschließend bei den ersten drei Folgen so, die anderen kann man erwerben. Schöne Sache: Unter dem Motto „Stream for Future“ geht ein Euro pro Kauf an die Hamburger Non-Profit-Organisation Viva con Agua.

Neue Serie „Schwarze Schafe“: Kurt (Martin Brambach) und Mamadou (Foscky Pueta) wollen einen Nazi-Teppich verkaufen.
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