Der Jazzmusiker und Filmmusik-Komponist Klaus Doldinger (Quelle: dpa, Rolf Vennenbend)

Stand: 18.10.2025 17:43 Uhr

Der Berliner Musiker und Komponist Klaus Doldinger ist tot. Nach Angaben der Familie starb er am Donnerstagabend im Alter von 89 Jahren. Doldinger schrieb unter anderem die Titelmusiken zu den Filmen „Das Boot“ oder „Die Unendliche Geschichte“.

Die „Tatort“-Melodie ist deutsches Kulturgut – geschaffen von dem Komponisten und Saxofonisten Klaus Doldinger. Nun ist die Jazzlegende im Alter von 89 Jahren gestorben, wie seine Ehefrau der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er sei am Donnerstagabend daheim im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen.

Mit seiner Band Passport hat Doldinger internationale Jazz-Geschichte geschrieben, bis ins hohe Alter stand auf der Bühne. Mehr als 5.000 Auftritte absolvierte er in gut 50 Jahren.

Archivblid: Konzert des Tobias Delius Booklet Trio am 20.03.2016. (Quelle: Imago Images/Rainer Raffalski)

Saxophonist Tobias Delius erhält Berliner Jazzpreis

Tobias Delius gehört zur prägenden Persönlichkeit der Berliner Jazz-Szene. Den Jazz entdeckte er vor allem über das Radio. Am Dienstag wird der Saxophonist mit dem Berliner Jazzpreis ausgezeichnet. Von Antje Bonhagemehr

Viele Projekte mit anderen deutschen Musikern

Das Passport-Album „The First Fifty Years of Passport“ erschien zum 50-jährigen Band-Jubiläum 2021 und zeichnete die musikalische Entwicklung der Gruppe nach. Zu den zahlreichen Band-Kollegen Doldingers gehörte Udo Lindenberg, der 1971 der erste Schlagzeuger bei Passport war und seinen damaligen Chef als „Jazz-Meister“ würdigte. Der respektierte Lindenberg ebenso: „Er war gut, und vor allem der einzige weit und breit, der sowohl Jazz als auch Rock trommelte. Sie können das auf der ersten ‚Passport‘-Platte hören“, hat Doldinger einmal dem „Spiegel“ über Lindenbergs Drummer-Qualitäten erzählt [spiegel.de].

Geboren wurde Klaus Doldinger am 12. Mai 1936 in Berlin, während des Zweiten Weltkrieges lebte die Familie in Wien, danach floh sie zunächst nach Bayern und dann nach Düsseldorf. Anfang der 50er Jahre, noch während seines Klavier- und Klarinette-Studiums in Düsseldorf, gehörte Klaus Doldinger zur Dixieband The Feetwarmers und sammelte erste Erfahrungen. Mit The Oskar’s Trio gründete er einige Jahre später seine erste Band. Oskar war Doldinger Spitzname – benannt nach der Jazzlegende Oscar Peterson.

Ehrenbürger von New Orleans – und viele Filmmusikkompositionen

1960 tourte Doldinger erstmals durch die USA und bekam in der Jazz-Metropole New Orleans gleich die Ehrenbürgerwürde verliehen – als gerade einmal 24-jähriger Deutscher war das eine Sensation. Die Karriere des Musikers hatte international Fahrt aufgenommen. 1969 startete er seine neue Band Motherhood, ehe 1971 Passport folgte. Zu den Quellen der Doldinger-Musik zählten Jazz, Rock, Blues und Soul ebenso wie experimentelle Elektroklänge und lateinamerikanische Rhythmen. In den USA galten die Fusion-Musiker von Passport bald als deutsche Antwort auf Weather Report.

Parallel komponierte der scheinbar unermüdliche Doldinger für Film- und Fernsehproduktionen. Zu Publikumserfolgen wie „Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“, „Salz auf meiner Haut“, „Ein Fall für zwei“ und „Liebling Kreuzberg“ steuerte er die Musik bei. Die „Tatort“-Melodie wurde zum Evergreen. Er war eines der Gründungsmitglieder der Deutschen Filmakademie in Berlin.

Anlässlich des 85. Geburtstages von Doldinger hatte 2021 auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratuliert und den Musiker als kreativen Geist gewürdigt, „der der improvisierten Musik stets neue, eigenständige Ausdrucksformen verleiht, einem Komponisten und Arrangeur, der mit unzähligen international führenden Jazzmusikern gearbeitet hat, und einem Lehrer und Künstler, dessen Werk die improvisierte Musik seit Jahrzehnten beeinflusst“.
 
Für seine Kunst wurde Klaus Doldinger mit Dutzenden Preisen ausgezeichnet. Er hinterlässt neben seiner unvergleichlichen Musik seine Frau und drei gemeinsame Kinder.

Sendung: rbb88.8, 18.10.2025, 16:00 Uhr

Rundfunk Berlin-Brandenburg