
Im letzten Jahr eroberte sich „Major Tom“ von Peter Schilling während der EM wieder die ganz große Bühne. Mit einer eigenen 3D-Show wird Schilling nun im Berliner Zeiss-Großplanetarium gewürdigt. Ein Gespräch darüber, was ihn motiviert hat, über das Weltall zu schreiben.
Auf dem Höhepunkt der „Neuen Deutschen Welle“ landete der Musiker und Autor Peter Schilling 1982 einen Hit, der ihn weltweit bekannt machte: „Major Tom (Völlig losgelöst)“. Schilling erzählt in dem Song die Geschichte vom Major Tom, einem Astronauten, für den es keine Möglichkeit mehr gibt, auf die Erde zurückzukehren. Die fiktive Person Major Tom war von David Bowie in seinem Song „Space Oddity“ (1969) erschaffen worden. Schillings Song stieg 1983 auf Platz 1 der deutschen Charts auf und eroberte auch international Hitlisten. Vor Kurzem erlebte der Song ein Comeback, als Torhymne der Nationalmannschaft.
rbb: Die Show zeigt einen Querschnitt Ihrer Karriere. Die hat aber nicht mit „Major Tom (Völlig losgelöst)“ angefangen, oder?
Peter Schilling: Bevor meine eigene Karriere Fahrt aufgenommen hat, habe ich Songs für einige andere Künstler geschrieben, habe mich ein bisschen angedient und habe so mein Handwerk als Songschreiber gelernt.
Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Das war eine wunderschöne Zeit. Ich konnte machen, was ich wollte: Musik. Ich habe 1979 dann das Glück gehabt, zu einem großen, weltweit agierenden Musikverlag zu kommen. Zudem habe ich bei Warner Music, damals WEA Musik, als sogenannter Springer gearbeitet. Das heißt, ich musste alles machen: von Tournee-Begleitung bis Plakate kleben. Auf diese Weise habe ich das Geschäft von allen Seiten kennengelernt und lauter kleine Tricks gelernt.
Erzählen Sie uns bitte noch einmal die Geschichte, wie Sie „Major Tom“ geschrieben haben.
Ich habe es tatsächlich auf der Autobahn geschrieben, also den Text, nicht die Musik. Ich hatte das Playback im Kassettendeck meines Autos, und das Papier auf dem Beifahrersitz. Und dann hatte ich die Idee zu „Major Tom (Völlig losgelöst)“ am Autobahnkreuz Weinsberg [Baden-Württemberg, Anm.d.Red.], weil das einfach zum Playback gepasst hat. Dann habe ich begonnen, zu schreiben und am Kasseler Kreuz war es fertig. So einfach geht das.
Aber was ist das Geheimnis des Liedes? Warum funktioniert es schon so lange?
Es verzahnt sich alles: die Produktion, der Text, der Gesang, die Kompositionsart. Es sind ein paar kompositorische Tricks dabei, die ich nicht verrate. Ich weiß nur, dieser Song wird auch mich überleben.
Am Kasseler Kreuz war es fertig. So einfach geht das.
Hat das Weltall sie fasziniert?
Ich hatte immer eine Faszination für den Weltraum. Ich war in “2001: Odyssee im Weltraum” im Kino und bin als anderer Mensch rausgekommen. Das war ein Klang-, ein Raumerlebnis: Die Stille dieses Films hat mich fasziniert. Und von da an war für mich klar: Ich schreibe irgendwann einen Song über das Weltall.
Neben dem Weltall geht es aber auch um die Umwelt und den Untergang der Titanic. Viele Ihrer Lieder wirken wie Partysongs, aber die Texte erzählen etwas ganz anderes.
Ich habe immer einen Hintergedanken zu einem Song. Den letzten gedanklichen Schritt möchte ich das Publikum aber gerne selbst gehen lassen. Ich möchte Fantasien im Kopf auslösen, Geschichten erzählen und nicht platt etwas wiedergeben.
Haben diese Themen Sie damals auch beschäftigt?
Ich glaube, Menschen haben ein ganz feines Gespür dafür, ob es authentisch ist, was der Künstler da von sich gibt. Das muss aus dir selbst rauskommen. Das war damals zugegebenermaßen zum ersten Mal so richtig der Fall. Es war für mich alles Neuland.

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Was genau war damals neu für Sie?
Die Identifikation mit der Musik, die ich mache, diese Reflexion auf mich selbst. Davor habe ich für andere geschrieben, oder mich selbst auch herangedient. Einen Song zu schreiben, hat mir keiner beigebracht. Ich habe 300 oder 400 Songs geschrieben, die alle für die Tonne waren. Die Offenbarung war der Song “Dann trügt der Schein”. Das war ein Breakthrough, den werde ich nie vergessen. Das ist für mich als Singer/Songwriter der wichtigste Song meiner Karriere, weil es für mich kreativ der Durchbruch war.
Nach Ihrem Durchbruch zogen Sie nach New York. Wie war diese Zeit?
Ich bin am Flughafen mit der Limousine abgeholt worden und als ich ins Hotel ging, stand da eine Gruppe von Mädchen und hat gesagt: „Isn’t this Peter Schilling?“ Das war der erste Kulturschock gewissermaßen, den ich mitbekommen habe, der sich dadurch erklärt hat, dass ich ein Lieblingskind von MTV war und meine Musik rauf und runter lief.
Als Sie Queen-Frontmann Freddie Mercury vorgestellt wurden, sagte er nur: „I know.“
Seither haben die Worte “I know” eine ganz besondere Bedeutung. Es ist natürlich schön, wenn nicht nur ich Freddie Mercury kannte, sondern Freddie Mercury auch mich kannte. Aber das fällt unter die Rubrik Namedropping, das möchte ich an der Stelle sein lassen.
Wie sind Sie klargekommen mit Ruhm und Erfolg?
Ich muss sagen, dass ich zum Club der Überlebenden gehöre. Darauf bin ich stolz, weil das nicht immer klar war. Das ist eine Lebensaufgabe. An solch einem weltweiten Erfolg, an meinen Welthits wie „Major Tom (coming home)“ oder „The Different Story“ kannst du scheitern oder wachsen. Ich habe mich für Letzteres entschieden.
Was haben Sie gelernt?
Ich bin froh um jeden Rat eines Menschen, der sich um meine Karriere oder mich kümmert. Ich nehme das auch sehr ernst. Aber ich bin heute selbst vielleicht mein bester Berater.
2024 ist „Major Tom“ zur Hymne des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geworden. Sie hatten in Ihrer Jugend auch die Option, Fußballer zu werden. Warum wurde es dann doch die Musik?
Als Fußballer habe ich meine Grenzen relativ früh erkannt. Ich habe gemerkt, dass ich allenfalls ein Spieler der dritten oder vierten Liga werden würde. Der zweite Punkt ist natürlich, dass mein Herz immer für Musik schlug. Ich habe die damaligen Hit-Songs gehört und es hat mich berührt und ich wollte sowas auch schreiben können.
Sie singen „Major Tom“ jetzt seit mehr als 40 Jahren. Haben Sie den Song nicht irgendwann satt?
Nein, „Major Tom“ gehört zu mir, so wie „Terra Titanic“, „Die Wüste lebt“ oder eben „The Different Story“ natürlich auch. Er ist aber ohne Frage ein ganz wichtiges Markenzeichen für mich geworden. Ich bin sozusagen CEO eines weltbekannten Titels, zweier Marken namens „Major Tom“ und „Völlig losgelöst“ und dieser Aufgabe komme ich gerne nach.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Petra Dorrmann
Sendung: rbbKultur – das Magazin, 11.10.2025, 18:30 Uhr