Louis XX. ist ein erfolgloser Unternehmer, der davon träumt, König von Frankreich zu werden. Traditionalistische Kreise geben ihm eine Bühne. Das Land hat ja sonst keine Probleme.

Louis Alphonse de Bourbon (rechts) und seine Frau Marie-Marguerite leben in Spanien. Das hält Louis nicht davon ab, Ideen für die Zukunft Frankreichs zu entwerfen.Louis Alphonse de Bourbon (rechts) und seine Frau Marie-Marguerite leben in Spanien. Das hält Louis nicht davon ab, Ideen für die Zukunft Frankreichs zu entwerfen.

Anton Vaganov / Reuters

Es steht nicht gut um Frankreichs Fünfte Republik. Es steht vielleicht generell nicht gut um die Republik. Findet jedenfalls der in Madrid lebende Herzog von Anjou und Anwärter auf die untergegangene französische Krone, Luis Alfonso Gonzalo Víctor Manuel Marco de Borbón y Martínez-Bordiú, der sich von seinen Anhängern Louis XX. nennen lässt.

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In einem Gastbeitrag für das «Journal du Dimanche» schrieb der Erbe der Bourbonen-Dynastie kürzlich, dass das Land seiner Vorfahren «am Rande des Zusammenbruchs» stehe. Das habe aber nicht so sehr mit den Parteien oder dem Präsidenten zu tun. Das Problem sei vielmehr die Staatsform, die sich Frankreich vor mehr als zwei Jahrhunderten gegeben habe.

Die Moderatoren nennen ihn «Monseigneur»

Die Republik, analysiert Louis XX., sei «treu ihrer Geschichte» unfähig, das Gemeinwohl über das Parteiengezänk zu stellen. Sie habe sich zu einem «Raum der Lähmung und der Ohnmacht» entwickelt. In diesen Zeiten könne die Monarchie eine «Quelle der Inspiration» sein. Denn nur «im Schatten der Lilien» habe Frankreich wirklich floriert. Die Lilie war über Jahrhunderte das Symbol der französischen Könige.

Das «Journal du Dimanche» gehört zum Medienkonzern des konservativen Milliardärs Vincent Bolloré, der ein Herz für katholisch-traditionalistische Milieus hat. So durfte Louis XX. wenig später auch bei Bollorés Krawall-Sender CNews auftreten, wo ihn die Moderatoren ehrfürchtig mit «Monseigneur» ansprachen – einem Titel, der seit der Revolution für weltliche Personen nicht mehr in Gebrauch ist.

Für die Programmmacher war es legitim, auch einmal einen Anhänger des Ancien Régime zur politischen Lage in Frankreich sprechen zu lassen. Zu viel Krise, Klüngel und Kabinettsumbildungen scheinen die Franzosen zu erschöpfen. Da kann eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert, wo die Macht noch von Gottes Gnaden kam und nicht von parlamentarischen Mehrheiten, ihren Reiz haben.

Wozu Louis XX. allerdings nicht befragt wurde, ist die praktische Umsetzung seiner Idee, die auf einige Hürden stösst. Die französische Verfassung erklärt die Republik seit 1958 als unantastbar. In der Kathedrale von Reims, wo einst die Könige gesalbt wurden, fehlen heute Erfahrungswerte zum Umgang mit Öl, Zepter und Krone. Vor allem aber herrscht unter den französischen Monarchisten Uneinigkeit über die Thronfolge.

Mehrere Anwärter auf den Thron

Da wären zum einen die Legitimisten, die Louis XX. als rechtmässigen König betrachten, weil seine Linie direkt auf den Sonnenkönig Ludwig XIV. zurückgeht. Die Orleanisten dagegen folgen den Nachfahren des «Bürgerkönigs» Louis-Philippe, der 1830 den Thron bestieg und versuchte, Krone und Parlament zu versöhnen. Auch sie haben ihren Anwärter, in Gestalt von Jean d’Orléans, der sich «Graf von Paris» nennt. Und dann gäbe es noch die Bonapartisten, die vom Ruhm der Kaiserzeit träumen. Ihr Hoffnungsträger heisst Jean-Christophe Napoléon, ein Nachfahre Napoleons und Investmentbanker mit Wohnsitz in London.

Louis XX. selbst ist, wie das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» schreibt, bis anhin weniger von beruflichem Erfolg gekrönt. Zwei seiner Firmen in Grossbritannien und Luxemburg wurden mangels Rentabilität aufgelöst. In Panama war er Direktor zweier Geldinstitute, die ebenfalls in Konkurs gingen. Danach eröffnete er in Madrid ein Geschäft für Drohnen, Modellflugzeuge und Luxusartikel, das in finanzielle Schwierigkeiten geriet.

Der 51-Jährige ist ein Urenkel des spanischen Diktators Franco und stolz auch auf dieses Erbe, wie er oft betont. Überhaupt ist Louis XX., der seine Botschaft an die Franzosen im Fernsehen mit schwerem Akzent vortrug und dabei vom Teleprompter ablas, in Spanien hörbar heimischer als in Frankreich. Das hält seine Anhänger aber nicht davon ab, in ihm den Retter eines erschöpften Landes zu sehen.