Der für Vögel tödliche H5N1-Virus hat in den letzten Wochen Hunderttausende Tiere in Deutschland befallen. Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mussten in ganz Deutschland über 400.000 Enten, Gänse, Hennen und Hühner getötet werden (Stand: 20. Oktober 2025). Das zeigt die aktuelle Risikoeinschätzung des Bundesinstituts. Demnach ist das Risiko für eine Weiterverbreitung aktuell hoch. 

Betroffen sind Geflügelbetriebe vor allem im Nordosten Deutschlands. Der größte Ausbruch traf laut den FLI-Daten einen Mastbetrieb für Hennen in Mecklenburg-Vorpommern mit 35.000 Tieren. Weitere Fälle gab es in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen. Auch ein Großbetrieb in Nordrhein-Westfalen bei Paderborn musste fast 11.000 Legehennen töten. In Bayern wurden 3.000 Gänse getötet. Insgesamt hat es laut dem Bericht des FLI von Anfang September bis heute 15 bestätigte Ausbrüche gegeben.

Auch viele Kraniche sterben

Auffällig ist die starke Verbreitung unter Wildvögeln. Allein in Brandenburg sind nach Schätzungen der Behörden mindestens 1.000 Kraniche verendet. Bundesweit sind es sogar 2.000, davon 500 an einem Stausee zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt. Auch andere Wildvögel sind wahrscheinlich betroffen, aber teilweise immun. Ein solches Ausmaß ist neu. Betroffen ist vor allem ein Rastgebiet an der Linumer Teichlandschaft bei
Fehrbellin (Kreis Ostprignitz-Ruppin).

Das ist schon etwas ungewöhnlich.

Christa Kühn, Präsidentin des Friedrich-Loeffler-Instituts, im RBB

Es habe vermutlich
mit dem Zeitpunkt des Vogelzugs zu tun, mit dem Wetter und den
Zugrouten, so Christa Kühn. Es sei ein „sehr dynamisches Geschehen“ zu beobachten, mit
täglich steigenden Zahlen.

„Wie ein schlechter Horrorfilm“

„Die
Lage ist dramatisch. Es ist wie ein schlechter Horrorfilm“, sagte der
Bürgermeister von Fehrbellin, Mathias Perschall (SPD). Die Zahl der Helfer, die
tote Tiere einsammeln, sei bislang zu gering. Er forderte dringend die
Unterstützung der zuständigen Behörden, damit die toten Kraniche
schneller beseitigt werden könnten. Er hoffe auch auf weitere Hilfe, etwa durch das Technische Hilfswerk.

© Lea Dohle

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Die Amtstierärztin des
Kreises Ostprignitz-Ruppin, Simone Heiland, hält das nicht für möglich. Es seien keine Menschen betroffen, deshalb könne keine Großschadenslage ausgerufen
werden, sagte sie im RBB. Auch in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern sind Kraniche am H5N1-Virus gestorben.

Kranich-Beobachtungsplätze sind abgesperrt

Das Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt, auf einen Besuch der im Herbst beliebten Kranich-Rastplätze zu verzichten. Menschen sollten nicht in die Nähe der Kraniche kommen,
um nicht über ihre Schuhe möglicherweise das Virus weiterzuverbreiten.
Führungen in diesen Gebieten sind derzeit abgesagt. 

Außerdem sollen die
Vögel nicht gestört oder aufgescheucht werden. Die Tiere gingen dann
vielleicht zu Rastplätzen, wo sie sonst nicht hingehen würden. Dort könnten sie das Virus weiterverbreiten. „Jede Störung führt dazu, dass sie gestresst sind und dann auch
noch weiter anfällig für das Virus sind“, sagt Institutspräsidentin Kühn. Geflügelbetriebe sollen die Hygienevorkehrungen verstärken und Tiere möglichst in die Ställe bringen, um Kontakt mit Wildtieren zu vermeiden.

„Wir sind von sterbenden Tieren umgeben“

Übertragungen des Vogelgrippevirus auf den Menschen sind eher selten, es gab aber auch schon Todesfälle. Schützen müssten sich alle, die direkt mit infizierten Vögeln zu tun haben. So wie die Helfenden im brandenburgischen Linum. „Wir sind immer noch von sterbenden Tieren umgeben“, sagte Norbert Schneeweiß,
der seit Jahren den Kranichschutz dort organisiert. Die Helfer, die seit
Tagen im Einsatz sind, seien „von oben bis unten in voller Montur“. Sie
können nur in Schutzkleidung in die betroffenen Gebiete im Kreis
Ostprignitz-Ruppin und müssen sich desinfizieren. 

Es ist dramatisch für die Kraniche. Aber an den Helfern geht es auch nicht spurlos vorbei.

Norbert Schneeweiß, Leiter des Artenschutzzentrums Rhinluch

Über Lebensmittel kann das Vogelgrippevirus laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung nicht übertragen werden. Das Virus reagiere empfindlich auf hohe Temperaturen. Wenn Fleisch also gut erhitzt wird, dürfte es demnach keine Folgen geben. Rote oder rosa Farbe beim Geflügel seien aber tabu. Eier sollten vor dem
Verzehr gekocht werden, bis Eiweiß und Eigelb fest sind, heißt es.

Vogelgrippevirus H5N1

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