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380 befristete Mitarbeiter bei VW Kassel bangen um ihre Jobs – Betriebsrat und Gewerkschaft kämpfen für eine dauerhafte Beschäftigung.

Kassel – Gerade erst sind 700 Verträge von Leiharbeitern im VW-Werk Kassel in Baunatal ausgelaufen. Jetzt droht schon die nächste Freisetzung von Beschäftigten – nämlich von knapp 400 Mitarbeitern auf befristeten Stammverträgen. Die Stellen sind nach Angaben von Betriebsratschef Carsten Büchling ebenfalls in Gefahr. Die Vereinbarungen laufen noch bis Dezember. Betriebsrat und IG Metall fordern eine Weiterbeschäftigung.

Außerordentliche Betriebsversammlung im VW-Werk Baunatal, Volkswagen, VW,04.09.2024Betriebsratschef Carsten Büchling Foto: Andreas FischerBetriebsratschef Carsten Büchling auf der außerordentliche Betriebsversammlung im VW-Werk Baunatal im vergangenen September. © Andreas Fischer

Die IG Metall Fraktion im Betriebsrat des VW-Werks Kassel und die IG Metall Nordhessen forderten die sofortige Entfristung von 380 Arbeitsverträgen, die zum 31. Dezember 2025 auslaufen, so Büchling und Dennis Schindehütte von der IG Metall Nordhessen am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Die Betroffenen arbeiteten seit sechs Jahren im Werk – zunächst über Leiharbeitsverträge der Autovision, später mit befristeten VW-Verträgen, erläutern die Metaller. „Diese Kolleginnen und Kollegen haben über Jahre hinweg zuverlässig und engagiert zum Erfolg unseres Werkes beigetragen. Dass ihre Beschäftigung nun einfach enden soll, ist nicht hinnehmbar“, erklärt Büchling.

IG Metall fordert Entfristung von VW-Verträgen in Kassel

Die Arbeitnehmervertreter sehen grundsätzlich gute Voraussetzungen für Anschlussverträge. Die Auftragsbücher am Standort seien gut gefüllt. „Arbeit ist genug da – und die 380 Kolleginnen und Kollegen werden gebraucht“, so Carsten Büchling weiter. „Wir fordern vom VW-Vorstand und vom Werkmanagement die Entfristung aller Verträge – und zwar jetzt.“

Parallel zu einer Unterschriftenkampagne bietet die IG Metall Nordhessen allen betroffenen Mitgliedern gewerkschaftlichen Rechtsschutz an, um ihre Ansprüche auf Entfristung auch arbeitsrechtlich durchzusetzen, heißt es in der Mitteilung. „Wer jahrelang gute Arbeit leistet, darf nicht einfach aussortiert werden“, sagt der Erste Bevollmächtigte Oliver Dietzel. „Wir stehen unseren Mitgliedern nicht nur politisch zur Seite, sondern auch juristisch. Betroffene, die klagen wollen, bekommen von uns die volle Unterstützung.“

Abbau von 35.000 Jobs bis 2035

Im Tarifstreit bei Volkswagen hatten sich Unternehmen und Gewerkschaft Ende 2024 nach einem äußerst zähen Verhandlungsmarathon geeinigt. 35.000 Stellen sollen bis 2030 abgebaut werden. Die Gewerkschaft betonte: Alle Werke bleiben vorerst erhalten – bis 2030 gibt es zudem eine Jobgarantie. Diese gilt allerdings nur für unbefristete Stammbeschäftigte. Im Werk Kassel in Baunatal kam es zuvor zu ersten Warnstreiks.

Das VW-Management kündigte auf Anfrage zum heutigen Freitag eine Stellungnahme an. Schon zu Juli/August mussten 600 Leiharbeiter das VW-Werk verlassen. Ihre Verträge liefen aus. 100 weitere Zeitarbeiter der Autovision wurden nach Angaben des Betriebsrates auf Stellen im Original-Teile-Center (OTC) übernommen. Für die anderen Betroffenen gab es – im Gegensatz zu in besseren Zeiten bei VW meist üblich – keine Anschlussverträge.