Die Ratingagentur Moody‘s hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Frankreichs wegen der politischen Unsicherheit im Land von zuvor „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Die Agentur begründete den Schritt am Freitag mit den zunehmenden Risiken durch die politische Zersplitterung, die die Handlungsfähigkeit der Regierung bei der Bewältigung des hohen Haushaltsdefizits und der steigenden Verschuldung untergraben könnte.
Die eigentliche Bonitätsnote beließ Moody‘s bei „Aa3“. Die Agentur Fitch hatte im September vor den Risiken der ausgesetzten Reform für die Staatsfinanzen gewarnt und die Kreditwürdigkeit Frankreichs auf „A+“ herabgestuft. Hintergrund ist die fragile Lage der Minderheitsregierung von Premierminister Sebastien Lecornu.
S&P stufte Bonität Frankreichs nach unten
Die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) hatte die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Landes in der Woche davor bereits von „AA-„ auf „A+“ abgestuft. Durch die schlechtere Bewertung kann die Zinslast bei neu auszugebenden Staatsanleihen steigen.
Finanzminister Roland Lescure interpretiert die Ratingentscheidung als „Aufruf zur Klarheit, zur Verantwortung“, wie er dem Radiosender Franceinfo sagte. „Es ist ein Aufruf zur Ernsthaftigkeit“, fügte er mit Blick auf die öffentlichen Finanzen Frankreichs hinzu. „Wir können diese Wolke nicht ignorieren, die zu einem Wetterbericht hinzukommt, der ohnehin schon ziemlich düster ist.“
Bei S&P hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone jetzt die gleiche Note wie Portugal und Spanien. Die S&P-Experten rechnen nach wie vor mit einer hohen Neuverschuldung des Landes von mehr als fünf Prozent, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Die neu formierte Regierung des Landes um Premierminister Sébastien Lecornu hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Wert im kommenden Jahr von den für 2025 erwarteten 5,4 Prozent auf 4,7 Prozent zu drücken. Bis 2029 soll die Neuverschuldung auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung gedrückt werden.
„Schwerste politische Instabilität“
Mit der überraschenden Abstufung durch S&P hat Frankreich bei zwei der drei größten Ratingagenturen die Doppel-A-Einstufung verloren. Erst im September hatte Fitch die Note für die Kreditwürdigkeit des Landes von „AA-„ auf „A+“ reduziert. Am Freitag kommender Woche steht die Entscheidung von Moody‘s an. Diese stuft das Land derzeit noch mit „Aa3“ ein. „Frankreich erlebt derzeit die schwerste politische Instabilität seit der Gründung der Fünften Republik im Jahr 1958“, hieß es in der S&P-Analyse zur Abstufung.