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Mehrere Supermärkte und Discounter bieten ihren Kaffee jetzt günstiger an. Verbraucherschützer kritisieren die Aktion und werfen gezielte Täuschung vor.

Kassel – Was Millionen Deutsche täglich in die Tasse füllen, wird endlich wieder erschwinglicher: Die großen deutschen Lebensmittelhändler haben die Preise ihrer Kaffee-Eigenmarken gesenkt. Laut der Lebensmittel Zeitung sei Lidl vorgeprescht und habe zuerst 13 Sorten der Eigenmarke Bellarom günstiger angeboten. Das ließ die Konkurrenz allem Anschein nach nicht auf sich sitzen, denn auch bei Aldi, Kaufland, Edeka, Rewe, Penny, Norma und Netto kostet der Kaffee jetzt weniger.

Wer beim Kaffee sparen will, greift zu Eigenmarken.Mehrere Lebensmittelhändler senken die Preise für Kaffee. (Symbolbild) © Roland Hartig/Imago

Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergab, werden die Kaffee-Eigenmarken der jeweiligen Supermärkte und Discounter jetzt sieben Prozent günstiger angeboten. Für Kaffeetrinker bedeutet das eine spürbare Entlastung. Eine Kilo-Packung Bohnen liegt – je nach Sorte – zwischen 11,99 und 12,99 Euro. 500 Gramm gemahlenen Röstkaffee gibt es ab 5,49 Euro.

Kaffee deutlich teuer – Dürreperioden treiben die Preise in die Höhe

Trotzdem bleibt Kaffee deutlich teurer als zu Jahresbeginn, wie Daten der Vergleich-App Smhaggle zeigen. Der Blick zurück in die Vergangenheit zeigt das Ausmaß der Teuerung: Noch 2023 zahlten Kunden für ein Kilo Eigenmarken-Bohnen weniger als acht Euro, gemahlener Röstkaffee kostete weniger als vier Euro. Hauptgrund für den starken Preisanstieg waren höhere Rohstoffpreise, ausgelöst durch Trockenheit und die daraus resultierenden schlechten Ernten in wichtigen Anbauländern.

Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht absehbar. An der Rohstoffbörse in New York erreichte der Terminkontrakt für die Sorte Arabica in dieser Woche sogar ein Rekordhoch. Der Börsenpreis bildet eine Grundlage für den weltweiten Kaffe-Preis, wobei nur ein Teil der globalen Bestände direkt an der Börse gehandelt wird. Die Dürreperioden treiben auch die Preise für Olivenöl in die Höhe. Die Auswirkungen davon bekommen Verbraucher direkt an der Kasse zu spüren.

Wie Supermärkte zum Kauf verführen: Diese zehn Tricks sollten Sie kennenFrau vergleicht Produkte im SupermarktFotostrecke ansehen

Die anhaltend hohen Kaffee-Preise haben das Kaufverhalten der Verbraucher bereits verändert. Viele greifen verstärkt nach Sonderangeboten. Für den Einzelhandel hat Kaffee eine besondere Bedeutung: Wie Milch oder Butter zählt er zu den sogenannten Eckprodukten, die eine besondere Zugkraft haben und Kunden vermehrt in Supermärkte und Discounter locken.

„Nur wenige Produkte sind tatsächlich günstiger geworden“: Kritik an Lidl, Rewe und Co.

Die Aktion von Lidl, Rewe und Co. kommt bei der Verbraucherorganisation Foodwatch weniger gut an. Diese wirft den Lebensmittelhändlern vor, ihre Kunden hinters Licht zu führen. „Die großen Rabattaktionen entpuppen sich als bloßer PR-Gag. Nur wenige Produkte, darunter vor allem Eis, Süßigkeiten und Alkohol, sind tatsächlich dauerhaft günstiger geworden“, so Alina Nitsche von Foodwatch. Viele andere Lebensmittel seien teurer geworden, obwohl die Rohstoffkosten gesunken seien.

Die aktuelle Preissenkung bei Kaffee steht im Kontrast zur allgemeinen Preisentwicklung. Seit 2020 sind die Verbraucherpreise in Deutschland deutlich gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt sind Lebensmittel trotz einer leichten Abschwächung der Inflation immer noch rund 37 Prozent teurer als vor fünf Jahren. (Quellen: dpa, Lebensmittel Zeitung) (cln)