Drei große LED-Wände prangen hinter der Hauptbühne am Ende des Westflügels des größten Bürogebäudes in Deutschland. Wummernde Bässe empfangen die Besucher, zusammen mit Messeständen verschiedener Start-ups und gestandener Unternehmen, an denen man auf dem Weg zur Hauptbühne vorbeiläuft. Im Komplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen findet in dieser Woche die AI-Week statt, am Montag wurde sie mit ersten Diskussionen über die KI-Infrastruktur in Rhein-Main, internationale Kooperationen und Frankfurts Daten-Ökosystem eröffnet.

5000 Entscheider, rund ein Drittel davon Geschäftsführer oder Vorstandsmitglieder (C-Level), sind nach Angaben der Organisatoren vom AI-Hub Frankfurt dabei. Ihre Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Zudem haben sich mehr als 200 Speaker angemeldet, darunter der Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, Karsten Wildberger, Unternehmerinnen wie Elena von Metzler vom Bankhaus Metzler oder Agnes Heftberger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. Sebastian Heinz vom AI Hub Frankfurt möchte die Woche als „ globale Bühne für KI“ etablieren, die zwar „beheimatet in Frankfurt“ sei, aber trotzdem „verbunden mit der Welt“.

KI hat in den Emiraten einen anderen Stellenwert

In ihren Grußworten stellten am Montagabend die Frankfurter Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) und der Frankfurter IHK-Präsident Ulrich Caspar die Dynamik des Daten-Ökosystems in Frankfurt heraus, dessen „digitaler Backbone der Internetknoten DE-Cix“ sei, wie Wüst sagte. Zweitens trügen das Ökosystem, die Universitäten, Hessen AI sowie der AI Hub dazu bei, dass Ideen immer schneller von der Forschung in den Markt kämen. Drittens seien in Frankfurt wichtige Unternehmen und Talente des KI-Ökosystems in Deutschland versammelt.

Caspar hob den Flughafen, den Finanzplatz und den Internetknotenpunkt als zentrale Standortvorteile Frankfurts hervor. Weil besonders die Finanzwelt schon früh mit großen Datenmengen gearbeitet habe, sei es nur folgerichtig, dass der größte Internetknotenpunkt Europas in dieser Metropole sei. Daraus erwüchsen gute Grundlagen für Unternehmen, auch Start-ups, um hier ihre Innovationen und Geschäftsmodelle aufzubauen.

Vom Lokalen ins Globale führte das Panel „Global AI Hub Collaboration“. Unter diesem Titel diskutierten der KI-Verantwortliche des Wirtschaftsministeriums von Dubai, Marwan Al Zarouni, Heftberger von Microsoft und Vincent Rapp, Leiter eines interdisziplinären Forschungszentrums zu KI in Paris. Schnell wurde bei Al Zarounis Ausführungen klar, dass KI in den Emiraten strategisch einen anderen Stellenwert hat als hierzulande: Schon 2017 ernannte das Land als erstes in der Welt einen KI-Minister.

Große LED-Wände: Bei einem Panel diskutierte Sebastian Heinz mit Marwan Al Zarouni, Agnes Heftberger und Vincent Rapp über internationale Kooperation.Große LED-Wände: Bei einem Panel diskutierte Sebastian Heinz mit Marwan Al Zarouni, Agnes Heftberger und Vincent Rapp über internationale Kooperation.Jannis Schubert

Zudem formulierte es eine erste KI-Ethik, die definierte, wie mit der neuen Technologie umzugehen sei. 2019 folgten eine eigene KI-Universität und ein zentrales KI-Innovationszentrum. Die Emirate wollen bis 2030 rund 14 Prozent des BIP mit KI erwirtschaften. Dafür brauche man „produktivere Menschen“, sagte Zarouni. Man müsse seine eigenen KI-Experten ausbilden, das beginne schon früh. „Bei uns gibt es in jeder Schule KI-Kurse“, sagte er.

Eigene AI-Factories für die Souveränität

Die Frage, ob internationale Kooperationen wichtig seien, wurde von allen bejaht. Heftberger betonte auch die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und öffentlichen Institutionen und verwies auf die Investitionspläne von Microsoft für Nordrhein-Westfalen, wo der Konzern für rund 3,3 Milliarden Euro neue Rechenzentren bauen will. Gleichzeitig stellte die Managerin klar: „Das Wichtigste ist nicht KI, sondern die Sicherheit. Das Zweite ist Qualität. Erst danach kommt das nächste coole KI-Tool.“

Beim Thema Regulierung betonten Heftberger und Rapp die Belastungen, die gerade für Start-ups entstünden. Für junge Unternehmen sei es besonders schwierig, die Compliance zu erfüllen, sich also an alle Regeln zu halten. Jungunternehmen hätten dafür oft nicht die notwendigen personellen Ressourcen, während sich in großen Unternehmen ein mehrköpfiges Juristenteam Gedanken über Regelungen wie den AI-Act der EU machen könne. Zudem bremse die unterschiedliche Implementierung in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten die Innovation. „Da müssen wir pragmatischer werden“, sagte Heftberger. „Kleine Start-ups müssen sich leicht anpassen können.“

Über das Thema KI-Infrastruktur diskutierte Moderator Heinz mit dem Geschäftsführer von HP DACH, Adrian Müller, mit Volker Ludwig, dem Deutschlandchef des Rechenzentrumsbetreibers Digital Realty, Thimo Groneberg, COO der AI Factory Frankfurt, und mit Jochen Papenbrock, Leiter der Finanztechnologie für die EMEA-Region bei Nvidia. Papenbrock stellte das Disruptionspotential von KI auf eine Stufe mit der industriellen Revolution: „Nationen brauchen AI-Factories, damit es ihnen langfristig wirtschaftlich gut geht.“ Dabei gehe es nicht nur um Chips und Materialien, sondern vor allem um Unternehmen, die in der Region KI-Modelle entwickelten, auch, um die Souveränität Deutschlands und der Region zu gewährleisten.

Diskutierten über KI-Infrastruktur: Adrian Müller (HP), Volker Ludwig (Digital Realty), Thimo Groneberg (AI Factory Frankfurt) und Jochen Papenbrock (Nvidia) mit Sebastian Heinz.Diskutierten über KI-Infrastruktur: Adrian Müller (HP), Volker Ludwig (Digital Realty), Thimo Groneberg (AI Factory Frankfurt) und Jochen Papenbrock (Nvidia) mit Sebastian Heinz.Jannis Schubert

Ludwig sagte, Frankfurt belege bei der Ansiedlung von Rechenzentren in Deutschland den Spitzenplatz. Dennoch brauche es „mehr von allem“: mehr Fläche für Rechenzentren, mehr und günstigere Energie, mehr politischen Rückenwind, um die Bedarfe schnell bedienen zu können. In Frankfurt gebe es derzeit Datencenter mit einer IT-Anschlussleistung von rund 1,2 Gigawatt. „Das Gleiche brauchen wir noch mal in den kommenden Jahren.“ Mit Blick auf die Gesetzeslage werde es aber wohl Jahrzehnte dauern, dieses Ziel zu erreichen. Das sei zu lang.

Der Internetknotenpunkt DE-Cix sei ein zentraler Standortvorteil Frankfurts, sagte Ludwig. „Bei allem, was latenzkritisch ist, bei großem Cloud-Computing, bei KI, muss man nah an den Konsumenten sein. Also wird KI in Deutschland sich eher in Frankfurt ansiedeln.“ Allerdings brauchten Hessen und die Region eine politische Vision, wo man in zehn, zwanzig Jahren beim Thema KI und der notwendigen Infrastruktur stehen wolle. „Bislang sind Deutschland und Hessen nicht bereit, Datacenter in dem Maße zu scalen, wie wir das brauchen“, sagte Ludwig. Nötig sei ein spürbarer Bürokratieabbau.

Schließlich betonte Müller von HP auch die Bedeutung des Wissens über KI in Unternehmen. „Die breite Masse der Mitarbeiter muss KI nutzen und verstehen. Das ist auch eine Entscheidung des Managements jedes einzelnen Unternehmens. Wer sich jetzt nicht damit beschäftigt, hat sehr bald ein großes Problem.“