Kinderbetreuung in Stuttgart: Stuttgarterin startet Petition gegen höhere Kitagebühren Für Familien mit mehreren Kindern können auch jetzt hohe Kitaausgaben anfallen. Foto: imago/Silas Stein

Die ganz große Erhöhung der Kitakosten ist zwar vom Tisch – trotzdem macht gerade eine Petition die Runde. Was steckt dahinter?

Die Debatte um die Erhöhung der Kitagebühren in Stuttgart hat hohe Wellen geschlagen. Die Kurzzusammenfassung geht so: Das Jugendamt schlägt eine Gebührenerhöhung von aktuell 256 Euro auf bis zu 828 Euro für unter 3-Jährige bis 2031 vor. Eltern protestieren dagegen, Tageseltern auch. Die Gemeinderatsfraktionen von Grünen und CDU schlagen daraufhin eine geringere Erhöhung auf 355 Euro vor. Es gilt als wahrscheinlich, dass dieser Vorschlag mit der Verabschiedung des Haushalts im Dezember im Stuttgarter Gemeinderat durchgeht. Unterm Strich bedeutet das trotzdem: Kitas werden für Familien in den nächsten Jahren wohl teurer.

Eine Stuttgarterin hat das nun zum Anlass genommen, eine Petition zu starten. „Stopp der Erhöhung der Kitagebühren“, heißt die Petition auf der Plattform change.org. Die Hauptanliegen, die dort formuliert werden: Kinderbetreuung solle kostenlos sein; Familien dürften nicht die Haushaltslöcher der Stadt stopfen und die Erhöhung treffe vor allem Frauen und Alleinerziehende. Etwa 1100 Menschen haben sie bis Dienstagabend unterzeichnet.

Höhere Kitagebühren? „Kinderbetreuung sollte kostenfrei sein“

Hinter der Petition steht Patricia B. Sie ist selbst Mutter und Erzieherin, ihren ganzen Namen will sie nicht öffentlich nennen. Sie betont, dass sie nichts mit Politik zu tun habe und wolle nicht ins politische Kreuzfeuer geraten. „Mir war es einfach wichtig, was zu tun“, sagt sie. Sie sei in der großen Whatsapp-Gruppe von der Initiative Kitastrophe Stuttgart, die sich seit einiger Zeit zur Aufgabe gemacht hat, auf den schwierigen Alltag in Stuttgarter Kitas hinzuweisen. Dort seien die Gebührenerhöhungen heiß diskutiert worden, sagt Patricia B. Sie habe im Chat gefragt, ob es schon eine Petition dagegen gebe. „Und dann war da nichts. Da habe ich mich entschieden, ich mache das jetzt halt selbst“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Sie hatte die Petition gestartet, bevor die ganz große Preiserhöhung durch einen Vorschlag Grünen und CDU vom Tisch war. Aber für sie bleibt die Petition aktuell: Das kurzfristige Ziel sei, keine bis wenig Preiserhöhung zu erreichen. Das langfristige Ziel sei aber: „Bildung sollte einfach kostenfrei sein. Schulen sind schon kostenlos. Das sollte auch in der Kleinkind- und Frühbetreuung so sein“, sagt Patricia B. Das sei auch eine Frage eines gleichberechtigten Zugangs für alle. Die Kosten könnten auch so für manche Familien mitunter zu hoch sein.

„Ich bin einfach nur eine Mama, die in der Gesellschaft nach links und rechts guckt und sich für diese Menschen einsetzen wollte“, sagt Patricia B. Und: „Ich wollte den Leuten einfach Mut zusprechen, dass man nicht alles hinnehmen muss und auch laut werden darf.“

Auch Tageseltern weiter gegen Erhöhung

Bei den Tageseltern steht man der geringeren Gebührenerhöhung in den Kitas ebenso kritisch gegenüber. „Das wird für die ein oder andere Familie zur Herausforderung“, sagt Melanie Wilke von der Initiative der Kindertagespflege Stuttgart. Sie betont auch, dass die Tageseltern noch nicht wüssten, welche Erhöhungen es bei ihnen geben werde. In der Vergangenheit hätte die Stadt die Tageseltern dabei nicht involviert. „Ich hoffe, dass sie uns dieses Mal rechtzeitig ins Boot holen“, sagt sie.