Wieso haben Igel so viele Probleme?
„Igel fressen Laufkäfer, also Insekten“, erklärt die Karlsruher Igelhilfe Nadelkissen. „Diese leben in naturnahen Gärten – mit einheimischen Pflanzen, Totholzecken und unaufgeräumten Sträuchern und Hecken.“ Doch solche Gärten gibt es immer seltener.
Mangels Insekten weichen die Tiere auf Ersatznahrung aus: Schnecken, Regenwürmer oder gar Müllreste. Doch gerade Schnecken und Regenwürmer tragen häufig den sogenannten Lungenwurm (Crenosoma) in sich – „den Endgegner“, wie die Igelhilfe ihn nennt. „Der frisst die Lunge des Igels buchstäblich löchrig.“
Die Folgen sind dramatisch: „Durch diese durch Parasiten verursachte Lungenentzündung und durch Unterernährung sind eigentlich alle Igel massiv geschwächt“, berichtet sie. „Sie werden anfällig für bakterielle Sekundärinfektionen, Hautinfektionen und vieles mehr. Bis der Igel sich vom Menschen finden lässt, ist er meist schon so krank, dass er eine Vielzahl von Medikamenten benötigt.“
Hinzu kommt, dass durch den städtischen Lärm der Igel permanent am Tag aufgeweckt wird, was ihn vertreibt.
Wieso ist der Herbst besonders kritisch für Igel?
Laut NABU wird das Nahrungsangebot für Igel bereits ab Mitte Oktober deutlich knapper. Während die erwachsenen Tiere beginnen, ihr Winternest zu bauen, versuchen Jungigel noch, an Gewicht zuzulegen. Ihre Winterquartiere beziehen Igel schließlich, wenn die Bodentemperaturen dauerhaft um den Gefrierpunkt liegen. Schutz vor der Kälte finden sie in Erdmulden, unter Hecken oder in Reisighaufen.
Ab Mitte November halten die meisten Igel Winterschlaf. Mit wenigen kurzen Unterbrechungen verschlafen sie die kalte Jahreszeit bis in den März oder April hinein. Bei anhaltend schlechtem Wetter nutzen sie ihre geschützten Verstecke teils sogar noch bis in den Mai. Da die Tiere im Schlaf nicht auf Störungen reagieren können, sind sie in dieser Zeit besonders gefährdet – etwa, wenn ihr Winterquartier zerstört wird.
Wie ist die Situation in Karlsruhe und der Region?
Die Karlsruher Igelhilfe sagt gegenüber ka-news: „Gefunden werden die hilfsbedürftigen Tiere eigentlich überall.“ Die Zustände der Tiere seien jedoch sehr unterschiedlich: „Die Karlsruher Innenstadt-Igel sind oft in katastrophalem Zustand, häufig halbtot.“ Die Tiere finden hier weder Lebensraum noch ausreichend Nahrung.
Etwas besser gehe es den Tieren aus den Randgebieten, wie Neureut, Waldstadt, Rüppurr, Grünwinkel oder auch Rheinstetten und Karlsbad. Hier seien die Igel zwar häufig krank und unterernährt, aber nicht in so schrecklichen Zustand.
Was gilt es zu tun, wenn ich einen Igel finde?
Da Igel nachtaktiv sind, gilt grundsätzlich: Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, hat ein Problem. Die Handlungsempfehlung lautet also ganz klar: Sehe ich einen tagaktiven Igel, der schutzlos im Gras, auf dem Gehweg, oder noch schlimmer in der Sonne liegt, muss ich eingreifen.
Erstvorsorge:
- Igel sichern: In einen ausreichend hohen Karton setzen.
- Unterlage: Zeitungspapier hineingeben und ein Handtuch zum Verstecken anbieten.
- Frisches Wasser und Katzennassfutter (getreide- und zuckerfrei). Alternativ: ein weich gebratenes Rührei (mit pflanzlichem Fett, ungewürzt).
- Wichtig: Dem Igel niemals etwas einflößen.
- Nach dieser Erstversorgung bitte dringend eine Igelhilfe kontaktieren. Gerne auch uns unter: . Wenn wir selbst arbeitsbedingt gerade nicht ans Telefon können (wir sind alle berufstätig) haben wir eine voicemail, die alternative Kontaktmöglichkeiten zu uns anbietet (website:, social media: instagram und facebook und, was sehr häufig genutzt wird, falls man uns telefonisch nicht erreicht: man kann an unsere Festnetznummer auch whatsappen. Wir antworten dann so schnell wie möglich und rufen zurück.
Danach: Fachkundige Hilfe holen
- Igelhilfe kontaktieren unter der Telefonnummer: 0721/95791779. Weitere Kontaktmöglichkeiten gibt es auf der offiziellen Website: igelhilfe-nadelkissen.de.
Was kann ein Jeder verbessern, um das Leid der Tiere zu verringern?
Es müsse ein Umdenken stattfinden. Häufig sei es laut Igelhilfe auch einfach Unwissenheit. Man müsse aktiv hinschauen und sich mit der Materie beschäftigen. „Wir müssen dennoch momentan zweigleisig fahren: den Igel als Spezies durch Zufüttern überhaupt erhalten, bis die Maßnahmen, die oben angesprochen wurden, greifen“, so die Igelhilfe.
Diesen Tipp gibt die Igelhilfe:
- Ein Igelfutterhaus im Garten aufstellen. Mit Zufütterung von hochwertigem Katzentrocken-oder Nassfutter (getreide und zuckerfrei), kann man den Igeln helfen die Mangelernährung zu bekämpfen und ist außerdem in der Lage sehr kranke Tiere, die sich häufig dorthin schleppen, zu erkennen und zu sichern.
- Das Igelfutterhaus sollte 2 Eingänge haben (im Handel nennen sich diese Häuser meist „XXL Futterhäuser“), damit sich zwei Igel bei Revierkämpfen besser aus dem Weg gehen können.
Was tut die Stadt Karlsruhe gegen das Igelsterben?
Das Gartenbauamt entfernt Laub regelmäßig von Wegen, befestigten Verkehrsflächen, Spiel- und Sportplätzen sowie von Rasen- und Wiesenflächen, um die Verkehrssicherheit und Nutzbarkeit dieser Bereiche zu gewährleisten.
Im Zuge der neuen Konzeptentwicklung zur Grünflächenpflege soll die Pflegepraxis jedoch angepasst werden. Künftig soll Laub auf Rasen- und Wiesenflächen über den Winter größtenteils liegen bleiben – nur wenn es zur Erhaltung der Grünflächen notwendig ist, wird es im Februar entfernt. Bei Baumpflegemaßnahmen wird Laub in der Regel nicht entfernt, sodass der Schutz der Igel gewährleistet ist.
Für die Grünflächen im sogenannten Außenbereich ist das Liegenschaftsamt zuständig. Die Stadt Karlsruhe erklärt, dass sich hier bereits allgemeine Maßnahmen für Naturschutz und Förderung der Biodiversität auch positiv auf Igel auswirken:
- Reisighaufen auf Streuobstwiesen werden erst im Frühjahr, bevor die Vogelbrutsaison beginnt, abgeräumt.
- Igel finden in den naturbelassenen Arealen Unterschlupf in Randbereichen und Hecken.
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Katharina Peifer
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