Noch wenige Minuten vor dem Auftritt hatte ein Mann in den Zuschauerreihen seinem Begleiter erklärt: „Comedian“, das sei eigentlich eine blöde, unpassende Bezeichnung für Fil. Seine Show habe zwar komödiantische Anteile, sei aber keine reine Stand-up-Comedy. Den Beweis liefert der Ur-Berliner aus dem Märkischen Viertel gleich nach den ersten Minuten. Fil, der sich auch als politischer Liedermacher versteht, greift zur Gitarre, um vom Kampf gegen das Altern zu singen. „Scheiße aussehen kann mein Schicksal doch nicht sein. Wozu war ich denn all die Jahre so schön? Diese Hässlichkeit muss weg, sie ist obszön. Ich kauf mir ein Kettlebell-Set, ich geh um 18 Uhr ins Bett.“

Dabei wirkt sein Gitarrenspiel so steif, dass ihm wieder eine große Komik innewohnt, gleichsam aber die Frage aufkommt: Kann er mehr als nur auf der Klampfe schrammeln? Ja! Musikalisch geht schon noch ein bisschen mehr. Das zeigt er allerdings erst im Laufe des Abends. Vorher besingt er noch a cappella den Speck seiner Frau. Das Lied heißt „Etwas Schwabbel“. Den Song habe er ihr noch nicht vorgespielt, so Fil. Er wolle erst einmal sehen, wie die Nummer überhaupt beim Publikum ankommt. „Etwas Schwabbel kann durchaus erklecklichst fetzen. Der Connaisseur, er weiß es zu schätzen. Jetzt scheint langsam Leichenstarre einzusetzen. Na wenn schon, hier geht’s um Liebe, nicht um Perfektion.“ Dabei klingt Fil ein wenig wie Reinhard Mey – nur eben mit einer ganzen Ecke mehr Tragikomik. Im nächsten Moment zitiert er Coolios „Gangsta’s Paradise“, rappt aber nicht: „Young Germans have to waste their lives. Living in a Rentner’s paradise. Im Fernsehen läuft nur Scheiß. It’s a Rentner’s paradise.“

Statt „YMCA“ singt er auf die altbekannte Mitsing-Melodie der Village People „ADHS“: „Kein Bock auf Sex mit mir, ADHS. Kind beim Einkaufen vergessen, ADHS.“ Vermutlich kennt jeder im Raum die Ohrwurm-Melodie, mitsingen will allerdings keiner. Das hatte sich Fil anders vorgestellt, lässt er mit einem Augenzwinkern wissen. Eigentlich habe er auf Stadionatmosphäre gehofft, Mitgrölen erwünscht. Nach den Liedern kommt ein Gedicht über Demenz im Seniorenheim. „Meine Füße sind so kalt. Warum sind hier alle alt? Was wollte ich vorhin mit den Wölfen und den Lämmern? Wie ist mein Name? Ach ja. MC Dämmer.“ Danach schallt der Original-Song „Can’t Touch This“ von MC-Hammer für wenige Sekunden durch die Boxen im gutgefüllten Saal des Mehringhof-Theaters.