Mexikos Presidentin Claudia Sheinbaum Mexikos Presidentin Claudia Sheinbaum [Photo by Daniel Cardenas/Anadolu via Getty Images]

PARIS – Mehr als 84 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in die USA. Doch mit der von Donald Trump erneut angefachten Handelsspannung könnte das Land schon bald versucht sein, verstärkt auf die Europäische Union zu blicken.

Am Freitag legt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen kurzen Zwischenstopp in Mexiko ein. Der Élysée spricht von einem Besuch, der die Bedeutung des „Multilateralismus“ unterstreichen soll – zugleich geht es aber auch um engere wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Hinter der diplomatischen Rhetorik steht ein pragmatisches Ziel: Mexiko bei der Diversifizierung seiner Handelsbeziehungen zu unterstützen – in einer Phase wachsender Spannungen mit dem großen Nachbarn im Norden.

US-Medien zufolge erwägt Washington, militärische Operationen auf mexikanischem Staatsgebiet durchzuführen, um gegen Drogenkartelle vorzugehen. Präsidentin Claudia Sheinbaum hat diese Berichte zuletzt entschieden zurückgewiesen.

Ihr Spielraum gegenüber US-Präsident Donald Trump ist allerdings begrenzt: Über vier Fünftel der mexikanischen Exporte gehen in die USA, und seit dem 1. November gelten dort neue Zölle von 25 Prozent auf in Mexiko gefertigte Lkw sowie 10 Prozent auf Autobusse.

Mexiko müsse dringend neue Handelspartner finden, sagt Brenda Estefan, Professorin für Geopolitik an der IPADE Business School.

„Mexiko kann es sich nicht leisten, mit Trump allein in einem dunklen Raum zu stehen.“

Blick nach Europa

Der Warenhandel zwischen der EU und Mexiko belief sich 2024 auf 82 Milliarden Euro – im Vergleich zu 662 Milliarden im Handel mit den USA eine deutlich kleinere Größe. Doch das Wachstumspotenzial ist erheblich. Brüssel steht kurz davor, ein modernisiertes EU-Mexiko-Handelsabkommen zu ratifizieren, das Anfang des Jahres finalisiert wurde.

Das Abkommen soll viele Zölle auf europäische Agrar- und Lebensmittelexporte abschaffen und ein Kapitel zum nachhaltigen Handel enthalten – mit verbindlichen Regeln zu Arbeitsrechten, Umweltschutz, Klimaschutz und verantwortungsvollen Unternehmenspraktiken.

Laut dem Außenhandelsexperten Jorge Molina ist das überarbeitete Abkommen „deutlich besser“ als das Vorgängerabkommen von 2000. Dennoch bleibe die starke wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA ein entscheidendes Hindernis.

„Der industrialisierte Norden [Mexikos] hat sich nie vorgestellt, irgendwo anders als in die USA zu exportieren – und der Staat hat kaum Alternativen eröffnet“, so Molina.

Umgang mit Trump

Seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr versucht Präsidentin Sheinbaum vor allem, die von Trump immer wieder angedrohten Zölle abzuwenden. Dafür hat Mexiko unter anderem die Grenzsicherung verstärkt und mehrere Dutzend Drogenhändler an die USA ausgeliefert.

Nun liegt der Fokus auf der bevorstehenden Neuverhandlung des United States–Mexico–Canada Agreement (USMCA), das 2026 überprüft werden soll. Washington deutete an, das Abkommen aufzukündigen und durch bilaterale Verträge zu ersetzen.

„Trumps Ziel ist es, Lieferketten aus Mexiko zurück auf amerikanischen Boden zu holen“, sagt David Recondo vom Centre de Recherches Internationales (CERI) an der Sciences Po.

Das könnte für Mexiko schwerwiegende Folgen haben: Bereits in den ersten acht Monaten des Jahres 2025 gingen die Exporte in die USA um sechs Prozent zurück, so Molina.

„Wenn es keine stabile USMCA-Lösung gibt, bleibt mexikanischen Unternehmen kaum etwas anderes übrig, als sich verstärkt Europa zuzuwenden“, sagt er.

(cm, jl)