„Wir hätten uns gerade in der ersten Hälfte für unseren Einsatz belohnen müssen und ein Tor auch verdient gehabt“, sagte Oberdorf wenig später, als er schon wieder einen deutlich gefassteren Eindruck machte. Und tatsächlich: Namentlich Christian Rasmussen hatte unmittelbar vor der Pause beste Gelegenheiten ausgelassen, ehe Kasper Davidsen die Kieler nach knapp einer Stunde per unhaltbarem Schienbeinschuss in Führung und am Ende auch zum Sieg schoss. „Irgendwann laufen wir dann wieder einem Rückstand hinterher. Es wäre mir aber zu einfach, wenn wir uns jetzt in die Opferrolle begeben würden“, ergänzte der Vizekapitän.
Oberdorf mit Durchhalteparolen
Worauf er neben dem Abschlusspech anspielte, war eindeutig: auf den auch nach Ansicht der Fernsehbilder nicht gegebenen Elfmeter in der Schlussphase. Davidsen hatte Elias Egouli zwar deutlich am Bein getroffen, Jesper Daland zuvor aber im Abseits gestanden. Obwohl der Ball erst auf Umwegen zum Verteidiger von Fortuna gelangt war, ehe er ihn in den Strafraum köpfte, bewertete Schiedsrichter Bickel die Situation als ahndungswürdig. Entsprechende Wiederholungen hatte Oberdorf so kurz nach dem Schlusspfiff noch nicht gesehen, weshalb er lediglich ergänzte: „Egal, wie weh das alles gerade tut, wir müssen weiter hart arbeiten und weitermachen.“
Mehr als eine Durchhalteparole waren diese Worte jedoch nicht. In Kiel spielten die Düsseldorfer zwar erneut etwas besser als unter Ex-Trainer Daniel Thioune, aber nicht einmal mehr ansatzweise so gut wie noch vor zwei Wochen in Berlin. „Wenn man auf Dauer keine Punkte holt, kommt man irgendwann in eine Denkweise, in der das alles ein Problem werden kann“, räumte Oberdorf ein. „Wenn wir hart an uns arbeiten, werden wir aber zwangsläufig dafür belohnt. In den vergangenen Wochen haben wir sehr viel Aufwand betrieben, um die Spiele auf unsere Seite zu ziehen und über 90 Minuten konstant Gas zu geben. Man bekommt aber nichts geschenkt, wir müssen von der ersten bis zur letzten Minuten da sein.“
Latente Abstiegsangst wird immer größer
Die Tabellensituation spitzte sich durch das 0:1 bei den „Störchen“ jedenfalls weiter zu: Hätten sich Eintracht Braunschweig und der VfL Bochum mit einem Unentschieden getrennt, wäre das Team von Chefcoach Markus Anfang sogar auf den Relegationsrang gestürzt. So aber fiel Fortuna eben nur auf den 15. Platz, doch die Abstiegsgefahr wurde trotzdem ein weiteres Stückchen größer. Auch wenn Oberdorf trotz der besorgniserregenden Situation sagte: „Es gibt keinen Platz für Angst. Wenn man mit Angst aus der Kabine geht, wird es erst recht nichts. Wir müssen, egal wie die letzten Wochen auch waren, in der Länderspielpause die Dinge weiter erarbeiten und versuchen, mit breiter Brust in die Spiele zu gehen.“
Man dürfe zwar „nichts schönreden“, ergänzte der Vizekapitän. „Wir sollten aber wissen, dass wir mit besseren Ergebnissen aus der Pause herauskommen können, wenn wir an uns arbeiten, und die Lage dann künftig anders gestalten können. Wir sind uns unserer Situation bewusst und wissen, wo wir stehen. Angst wäre allerdings der völlig falsche Ratgeber.“ Das stimmte zweifellos. Doch dagegen, dass sich im Umfeld des Klubs mehr und mehr eine latente Abstiegsangst einschleicht, taten Oberdorf und Co. auch am Sonntag wieder nichts. Im Gegenteil.