Stand: 13.11.2025 18:12 Uhr

Der Kompromiss zum neuen Wehrdienst steht: Ministerpräsident Daniel Günther sieht die Entscheidung als Schritt hin zu einer allgemeinen Dienstpflicht für Frauen und Männer. Schüler bewerten die Reform unterschiedlich.

von Bastian Pöhls

Für Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ist das neue Wehrdienstgesetz ein Signal der Einigkeit und Geschlossenheit und in der aktuellen Lage von zentraler Bedeutung: „Mit der neuen Wehrerfassung, der gestuften Musterung und der Möglichkeit einer Bedarfswehrpflicht wird ein belastbarer Rahmen geschaffen, der auf Freiwilligkeit setzt, aber im Bedarfsfall handlungsfähig bleibt. Das ist verantwortungsbewusste Sicherheitspolitik.“ Die CDU SH hätte sich an einigen Stellen noch mehr gewünscht. Sie strebe eine allgemeine Dienstpflicht für alle jungen Menschen an.

Soldaten der Bundeswehr stehen auf dem Appellplatz einer Kaserne in Seedorf.

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Opposition fordert gute Ausstattung und Geschlechtergerechtigkeit

Der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Dolgner begrüßt die Einigung im Grundsatz. Nun komme es darauf an, die Bundeswehr zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen. Dazu gehörten unter anderem eine gute Ausbildung und eine gute Ausstattung der Wehrdienstleistenden. FDP-Fraktionschef Christopher Vogt sieht das Zufallsverfahren, das greifen soll, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden, kritisch. Außerdem gebe es keine Wehrgerechtigkeit, wenn nur die Männer zur Musterung und Erfassung verpflichtet seien.

Aufbau von Musterungszentren

Der Eingang des Karrierecenters der Bundeswehr in Kiel

Aus dem Karriere-Center der Bundeswehr in Kiel soll bald eines von mehreren Musterungs-Centern werden.

Das Karriere-Center der Bundeswehr am Marinestützpunkt Kiel-Wik soll nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein zum Musterungs-Center umfunktioniert werden. Über ganz Schleswig-Holstein verteilt soll es mehrere dieser Zentren geben. Die genaue Zahl ist noch nicht bekannt.

Landesschülervertretungen mit unterschiedlichen Ansichten

Der Landesschülersprecher der Gymnasien, Eschel Ewert, hält das Prinzip der Freiwilligkeit für richtig. Er ist davon überzeugt, dass sich viele junge Männer freiwillig zum Wehrdienst melden werden. In dieser Zeit seien Wehrdienstleistende nötig und große Teile der jungen Menschen seien sich ihrer Verantwortung bewusst. Ein Losverfahren dürfe nur das letzte Mittel sein.

Magnus Erdmann, Landessprecher für die berufsbildenden Schulen, lehnt die Einigung hingegen ab. Er kritisiert, dass die jungen Menschen kaum in die Entscheidung eingebunden gewesen seien. Aus seinen Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern habe er den Eindruck gewonnen, dass sich nur wenige freiwillig für den Wehrdienst melden möchten. Er fürchtet, dass es deshalb doch zu einer Wehrpflicht komme. Auf die mentale Gesundheit der jungen Menschen werde zu wenig Rücksicht genommen.

Andreas Schmidt und Stella Kennedy.

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Die Jugendfußballer Carl Hartwich (links) und Thees Borstelmann.

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