Kurzfassung des Artikels:

  • Im Südfoyer der Kunsthalle Bremen hängt derzeit ein Gemälde der Meppener Künstlerin Meike Eilers.
  • Die Ausstellung ist Teil einer Begleitausstellung zum Thema „Alberto Giacometti. Das Maß der Welt“ und beleuchtet Perspektiven junger Künstler.
  • Eilers verarbeitet in ihrer Kunst persönliche Emotionen und Traumsymbole, ihr Werk „Honey don’t lose your teeth, we’re going to fly“ beschäftigt sich mit dem Thema Träumen.
  • Die Künstlerin studiert Kunsttherapie und sieht Kunst als wichtigen Bestandteil zur Verarbeitung von Emotionen und zur Schaffung von Identität.

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Schon seit sie denken kann ist Meike Eilers gerne kreativ. Früh stand für sie fest, dass sie auch beruflich etwas Gestalterisches machen oder vielleicht sogar Kunst studieren möchte. Nach dem Abitur 2019 war jedoch noch offen, welchen Weg sie einschlagen würde.

Erst 2021, als die Meppenerin wieder begann zu zeichnen und sich kreativ auszuprobieren, war ihr klar: Kunst soll auch beruflich eine Rolle spielen. Heute zeigt sich, dass sich ihre Entscheidung gelohnt hat – eines ihrer Gemälde hängt derzeit im Südfoyer der Kunsthalle Bremen.

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Von der Ergotherapie zur Kunsttherapie

2021 begann Eilers eine Ausbildung zur Ergotherapeutin in Bad Bentheim – auch, weil die Kunsttherapie bis heute keine anerkannte Berufsbezeichnung ist. Doch die Kreativität kam dabei nicht zu kurz: „Mir gefiel der Mix aus gesundheitlichen, sozialen und kreativen Elementen des Berufs besonders“, sagt Eilers. In der Ergotherapie begleitet man Menschen jeden Alters und unterstützt sie in ihrem Alltag. Besonders erfüllend war für die Meppenerin, ihre Klienten mithilfe künstlerischer Medien zu fördern.

Meike Eilers kommt gebürtig aus Meppen. Für ihr Studium zog die 24-Jährige nach Bremen.
Foto: Jule Kallage

Meike Eilers kommt gebürtig aus Meppen. Für ihr Studium zog die 24-Jährige nach Bremen.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Gerade Erwachsene hätten anfangs oft Hemmungen gegenüber den kreativen Methoden gezeigt, erinnert sich Eilers. Doch mit der Zeit habe sie beobachtet, wie ihre Klienten jede Woche selbstsicherer wurden. Solche Erfahrungen waren für die 24-Jährige bereichernd. Nach ihrer Ausbildung entschloss sie sich, an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg Kunsttherapie zu studieren. In diesem Fach kann sie, „noch eine Ebene tiefer gehen“ und Menschen dabei unterstützen, ihre Emotionen künstlerisch auszudrücken und zu verarbeiten.

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Dass Kunst therapeutisch wirken kann, merkte Eilers bereits selbst. Als ihre Großmutter plötzlich verstarb, entschied sie sich dazu, ihre Gefühle auch künstlerisch zu verarbeiten. „Da habe ich speziell mit Symbolen gearbeitet, die mich wirklich an meine Oma erinnern und für mich sehr präsent waren“, erinnert sie sich. Eine Person auf diese Art in Erinnerung zu behalten, war für Eilers eine bedeutende Erfahrung.

Der Weg ihres Gemäldes in die Kunsthalle Bremen

Auf den Instagram Account des Vereins „Youth for Art“ (YFA) stieß die junge Künstlerin zufällig. „Das Konzept, jungen Künstlern Möglichkeiten zu bieten, erste Ausstellungserfahrungen zu sammeln, fand ich total spannend“, sagt Eilers. Jedes Jahr veranstaltet YFA eine Begleitausstellung zur Sonderausstellung der Kunsthalle Bremen. Dieses Jahr werden, in Anlehnung an die Ausstellung „Alberto Giacometti. Das Maß der Welt“, die Perspektiven junger Künstler beleuchtet.

Im Atelier an der HKS Ottersberg arbeitet Meike Eilers an ihren Gemälden.
Foto: Meike Eilers

Im Atelier an der HKS Ottersberg arbeitet Meike Eilers an ihren Gemälden.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Auf einer Internetseite bewarb sich die Meppenerin mit einer Beschreibung ihres Gemäldes und wurde wenig später angenommen. Dass eines ihrer Gemälde nun im Südfoyer der Kunsthalle Bremen ausgestellt ist, empfindet Eilers als „surreales“ Gefühl und besondere Wertschätzung ihrer Arbeit.

Am Samstag, 8. November, wurde die Ausstellung eröffnet. „Es sind wirklich viele Personen zur Vernissage erschienen“, erzählt Eilers. „Es ist ein aufregendes Gefühl, wenn Menschen vor dem eigenen Werk stehen bleiben, den Text durchlesen, sich darüber unterhalten und diskutieren.“ Besonders gefreut habe sie, dass auch Besucher gekommen seien, die sonst nur wenige Berührungspunkte mit Kunst haben.

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Wie Träume Eilers‘ Kunst beeinflussen

Für ihr Ausstellungsstück ließ sich Eilers von den Werken Alberto Giacomettis inspirieren. Aktuell beschäftigt sie sich in ihrer Kunst mit dem Thema Träumen: „Was wir in unserer subjektiven Traumwelt verarbeiten, welche Lücken wir versuchen zu füllen und welche Emotionen dabei zum Vorschein kommen.“ Ähnliche Eindrücke habe sie auch bei Giacomettis Arbeiten: „Sie wirken unwirklich und real zugleich“, erklärt sie. „Und durch Träume offenbart sich auch unsere subjektive Weltwahrnehmung.“

Das Gemälde „Honey don’t lose your teeth, we’re going to fly“ greift dieses Thema direkt auf. Eilers arbeitet in ihrem Gemälde mit Traumsymbolen, etwa dem Verlieren von Zähnen. Auch der Titel des Werkes wirkt auf den ersten Blick rätselhaft. Doch hinterfragt man ihn, wird die Botschaft deutlich: Lass deine Angst nicht Überhand nehmen, wir erleben bald etwas Wundervolles.

Eilers‘ Gemälde namens „Honey don‘t lose your teeth, we‘re going to fly“ ist vor allem durch Giacomettis Werk „Bäume und Berg“ (1920) inspiriert.
Foto: Meike Eilers

Eilers‘ Gemälde namens „Honey don‘t lose your teeth, we‘re going to fly“ ist vor allem durch Giacomettis Werk „Bäume und Berg“ (1920) inspiriert.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Kunst spiegelt eigene Emotionen wider

Mit ihren Werken, die Eilers eher der abstrakten Kunst zuordnet, möchte sie Menschen dazu anregen, sich intensiver mit Kunst auseinanderzusetzen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir Kunst und Kultur brauchen, um Sinn, Identität und Bedeutung für unser Leben zu schaffen“, sagt sie. In ihren Werken verarbeitet Eilers selbst viele eigene Emotionen und Alltagseindrücke.

Auch in Zukunft will die Meppenerin kreativ bleiben. Ein Standbein in der freien Kunst aufzubauen, ist weiterhin ein Ziel von ihr. Sie wünscht sich, an mehr Ausstellungen teilzunehmen, andere Künstler zu treffen und Werke zu schaffen, die gesehen werden. Gleichzeitig möchte sie in der Kunst- und Ergotherapie weiterhin Menschen durch Kunst erreichen. Eines steht für Eilers fest: Kunst wird in ihrem Leben immer eine große Rolle spielen.

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