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Seit drei Jahrzehnten findet die größte deutsche Fahrradmesse regelmäßig statt. Kritik von Verbänden und die Spätfolgen von Corona setzen ihr aber zu.
Frankfurt – Die größte deutsche Fahrradmesse steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach 33 Jahren kämpft die Eurobike, inzwischen in Frankfurt stattfindend, um ihr Überleben, nachdem wichtige Verbände und Hersteller das Vertrauen in den Veranstalter verloren haben. Wichtige Verbände fordern einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge eine neue Ausrichtung der Messe.
Wichtige Partner kündigen Zusammenarbeit mit Eurobike-Veranstalter auf
Die Krise der Eurobike spitzte sich zuletzt dramatisch zu. Der Zweirad-Industrieverband (ZIV) und die Vereinigung Zukunft Fahrrad haben nach scharfer Kritik am Konzept der Messeausgabe 2025 ihre Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Fairnamic beendet. Das Gemeinschaftsunternehmen der Messegesellschaften aus Frankfurt und Friedrichshafen steht damit vor einem Scherbenhaufen.
Zusätzlich hat Bosch eBike Systems, einer der wichtigsten Aussteller der Branche, seine Teilnahme für das kommende Jahr abgesagt. Diese Absagen sind ein schwerer Schlag für die Messe, die bereits in diesem Jahr mit deutlichen Problemen zu kämpfen hatte.
Besucherzahlen bei Eurobike in Frankfurt brechen dramatisch ein
Schon bei der aktuellen Ausgabe der Eurobike fehlten große internationale Fahrrad- und Komponentenhersteller. Auch Europas größtes Händlernetzwerk, die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG), blieb der Messe fern. Die Folge: Die Zahlen sowohl der Fachbesucher als auch des allgemeinen Publikums gingen deutlich zurück.
Leere Gänge in der Messe Frankfurt (Archivbild): Die Eurobike kämpft schon mit niederigeren Besucherzahlen. © Helmut Fricke/dpa
Die gesamte Fahrradbranche kämpft derzeit mit den wirtschaftlichen Nachwehen der Corona-Pandemie. Nach dem Boom während der Lockdowns haben Hersteller und Händler nun mit einer deutlichen Überproduktion zu kämpfen, was die Situation zusätzlich verschärft.
Streit um parallele Extramesse sorgt für Ärger
Ein besonderer Streitpunkt war die Ankündigung von Fairnamic, im kommenden Jahr eine parallele Extramesse zu veranstalten. Diese „Mobifuture“ genannte Messe sollte weitere verwandte Fahrzeuge wie E-Scooter, Speed-Pedelecs oder Microcars präsentieren. Viele Akteure in der Branche wollten diese Segmente jedoch weiterhin integriert in der Hauptmesse sehen.
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Als Reaktion auf die massive Kritik hat der Veranstalter am Mittwoch die geplante Parallel-Messe „Mobifuture“ für 2026 bereits wieder abgesagt. „Wir hören auf die Branche und machen neue Angebote. Die Eurobike steht auch 2026 allen offen“, erklärt Geschäftsführer Stefan Reisinger.
Messe Eurobike in Frankfurt wird verkürzt – Sonntag fällt weg
Bereits zuvor hatte Fairnamic angekündigt, die Eurobike 2026 um einen Tag zu verkürzen. Die Messe soll nur noch vier Tage vom 24. bis 27. Juni dauern. Damit entfällt der beim Publikum beliebte, aber für die Aussteller teure Sonntag mit Festival-Charakter. Diese Entscheidung zeigt, wie sehr der Veranstalter unter Druck steht, Kosten zu senken und die Kritik der Branche zu berücksichtigen, schreibt die dpa.
In einem Zehn-Punkte-Plan hatten ZIV und Zukunft Fahrrad auf eine stärkere Konzentration der Eurobike auf die Bedürfnisse der Branche und Aussteller gedrängt. Dabei wurden fehlende Ordermöglichkeiten, hohe Standmieten und mangelnde politische Relevanz der Messe scharf kritisiert. Auch das begleitende Kongressprogramm müsse neu konzipiert werden, fordern die Verbände. Trotz der schwächelnden Eurobike feierte die Messe Frankfurt in Bezug auf 2024 ihr bestes Jahr in der 800-jährigen Geschichte.