Christian Böttger, Professor für Verkehrs- und Eisenbahnwesen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, geht jedoch davon aus, dass auch private Betreiber vor Herausforderungen stehen – etwa durch Engpässe im Schienennetz, die rund um Berlin auch durch den nächtlichen Güterverkehr entstehen. Schon jetzt müssten Güterzüge in Richtung Berlin teilweise umgeleitet werden, weil das vielerorts alte Schienennetz an seine Grenzen stoße. Zudem entstünden für die Betreiber von Nachtzugverbindungen schon durch den Kauf von Schlafwagen hohe Kosten, da diese nur in kleiner Zahl und zu relativ hohen Preisen produziert werden.

„Eine andere Frage ist, wieso überhaupt Nachtzüge“, sagt Böttger. „Die Tagzugverbindungen sind auf vielen Strecken schnell und bilden natürlich eine Konkurrenz.“ Zudem sei das Fahrgastaufkommen etwa nach Kopenhagen oder Paris nicht so hoch, dass Nachtzüge immer ausgebucht wären. Ein weiterer Grund, der insbesondere dem Ausbau des Nachtzugnetzes in andere Länder im Weg stehe, seien politische Vorbehalte: „Italien hat in seinem Schienennetz zuletzt keine ausländischen Betreibern fahren lassen, in Frankreich und Spanien sind ähnliche Tendenzen zu beobachten.“

Deutschland pflege in Sachen Schienenverkehr zwar gute Beziehungen zu seinen Nachbarländern – allerdins sei das nicht überall der Fall, sagt Böttger. Eine Zugtrasse zwischen Frankreich und Nordspanien etwa sei mit EU-Mitteln gebaut worden – die Strecke sei dann aber aufgrund eines Streits zwischen beiden Ländern über den Betrieb stillgelegt worden. „Im internationalen Schienenverkehr gibt es häufiger solche Vorbehalte und Uneinigkeiten. Deshalb haben wir auch keine Verbindung von Berlin nach Rom oder nach Barcelona.“