Die Berliner CDU will ihr Profil in der Sozial- und Familienpolitik vor der Abgeordnetenhauswahl 2026 schärfen – und dazu konkret die Lage von Alleinerziehenden verbessern. Das hat der Landesvorstand am Freitag auf seiner Klausur in Magdeburg beschlossen. Schwerpunkte sind Wohnen, Kinderbetreuung und Steuernachlässen.

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Dem Beschluss zufolge will die CDU Berlin Alleinerziehende besser vor Kündigungen durch Vermieter und vor dem Verlust der Wohnung schützen. Auch soll ihnen der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum erleichtert werden. Bei Wohnungsvermittlungen sollen Alleinerziehende priorisiert und für sie bei Neubauprojekten verbindliche Kontingente gesichert werden.

Schließlich soll es nach dem Willen des CDU-Landesvorstands für akute Notlagen – etwa wegen einer Trennung oder zum Schutz vor einem schlagenden Partner – kurzfristig verfügbare Übergangswohnungen geben.

Für die Kinder fordert die CDU den Ausbau flexibler, kostenfreier Betreuungsangebote – insbesondere in Randzeiten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Zugleich sollen die Berufschancen für Alleinerziehende verbessert werden, etwa durch Weiterbildung und den Ausbau von Home-Office-Angeboten im öffentlichen Dienst.

Alleinerziehend und von Armut bedroht

42,7 Prozent der Ein-Eltern-Familien gelten nach Angaben der CDU Berlin als einkommensarm, 33,5 Prozent bezögen Sozialleistungen.

45 Prozent der Kinder, die Sozialleistungen bekommen, lebten bei einem alleinerziehenden Elternteil. Und rund 40 Prozent der Alleinerziehenden, die Sozialleistungen erhalten, müssen trotz Job aufstocken.

Auf Bundesebene will sich die CDU dafür einsetzen, dass der steuerliche Entlastungsbetrags für Alleinerziehende auf 5000 steigt. Das Kindergeld soll beim Unterhaltsvorschuss nur zur Hälfte angerechnet werden. Der Freibetrag beim Wohngeld soll für Alleinerziehende um 20 Prozent steigen.

„Besonders Berlin, mit seinem überdurchschnittlich hohen Anteil an Ein-Eltern-Familien, steht vor der politischen 8 Aufgabe, diesen Familien verlässlich bessere Lebens- und Entwicklungschancen zu ermöglichen“, heißt es im Beschluss des CDU-Landesvorstands. Um soziale Gerechtigkeit zu stärken und Kinderarmut wirksam zu bekämpfen, sei eine umfassende Verbesserung der Lebenssituation Alleinerziehender dringend geboten.

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Während in Deutschland knapp 25 Prozent der Familien mit minderjährigen Kindern Ein-Eltern-Familien seien, liege die Quote in Berlin bei 27 Prozent. Davon seien 88 Prozent alleinerziehende Frauen. Obwohl sie im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung häufiger einer Arbeit nachgehen, sei ihr Armutsrisiko deutlich höher als bei anderen Familienformen.