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Limp Bizkit werden im kommenden Jahr nicht nach Estland reisen. Das Konzert der Band in der baltischen Hauptstadt Tallinn wurde abgesagt, nachdem alte pro-russische Kommentare von Fred Durst online erneut aufgetaucht waren.

Die Band sollte am 31. Mai 2026 in der Unibet Arena in Tallinn auftreten. Doch die Facebook-Seite der Veranstaltung wurde inzwischen auf „Canceled“ geändert.

Laut dem estnischen öffentlich-rechtlichen Sender ERR wurde die Show zunächst verschoben, in der Hoffnung, ein neues Datum zu finden, bevor am Montag der Vorverkauf startet.

Konzertabsage nach öffentlicher Kritik

Schließlich entschied sich der Veranstalter, die Baltic Live Agency, jedoch zur vollständigen Absage. „Wir informieren Sie, dass aufgrund von Umständen außerhalb der Kontrolle des Veranstalters das für den 31. Mai 2026 geplante Limp-Bizkit-Konzert abgesagt wird“, hieß es in einer Erklärung. „Wir entschuldigen uns!“

Vertreter der Baltic Live Agency und von Limp Bizkit reagierten nicht sofort auf Anfragen von ROLLING STONE

Fast unmittelbar nach Ankündigung des Tallinn-Konzerts am 7. November gab es heftige Kritik wegen Dursts bekannter pro-russischer Positionen. So sprach Durst 2015 nach der Annexion der Krim über seinen Wunsch, einen russischen Pass zu erhalten, schrieb einen Brief an die Behörden der Krim, in dem er Wladimir Putin einen „großartigen Kerl mit klaren moralischen Prinzipien“ nannte, und hielt auf der Bühne ein Schild mit der Aufschrift „Krim = Russland“ hoch.

Reaktionen aus Politik und Kultur

Durst war zu diesem Zeitpunkt mit Kseniya Beryazina verheiratet, einer russischen Make-up-Künstlerin von der Krim. (Die Ehe wurde 2019 geschieden.) Dursts Aussagen führten außerdem dazu, dass Limp Bizkit für fünf Jahre aus der Ukraine verbannt wurden.

Als Reaktion auf das geplante Konzert sagte Estlands Außenminister Margus Tsahkna: „Meine Position ist klar, und ich wiederhole sie. Russland ist der Aggressor. Und die Krim ist von Russland besetzt. Wer Russlands Aggression und die Besetzung eines Nachbarlandes rechtfertigt, ist in Estland nicht willkommen. Solche Personen haben auf estnischen Bühnen keinen Platz und sollten hier kein Geld verdienen.“

Offizielle Stellen intervenieren

Auch das Kulturministerium habe sich laut Berichten an die Konzertveranstalter gewandt. Ein Sprecher erklärte: „Es ist inakzeptabel, dass in Estland Menschen auftreten, die einen Staat unterstützen, dessen Präsident mit einem internationalen Haftbefehl gesucht wird.“

Die Baltic Live Agency versuchte zunächst, die Auswirkungen zu relativieren. Medienchef Gunnar Viese erklärte gegenüber ERR: „Die einzige Erklärung dafür ist, dass Fred Durst zu dieser Zeit [bis 2019] mit einer russischen Krim-Bürgerin verheiratet war und offenbar in einer verzerrten Informationsblase lebte.“

Veranstalter verteidigt Buchung der Band

Auf die Frage, warum die Agentur die Band überhaupt gebucht habe, verwies Viese auf Limp Bizkits jüngste Konzerte in Ländern, die Estland und die Ukraine gegen Russland unterstützen. Darunter Deutschland, Österreich und Polen. Außerdem habe Durst in jüngerer Zeit keine offenen politischen Äußerungen über Russland oder den Krieg in der Ukraine gemacht. Zwar sagte er 2024 in sozialen Medien russischen Fans, dass er hoffe, sie bald wiederzusehen. Doch diese Kommentare seien als übliche Kommunikation zwischen Künstler und Fans gewertet worden.