„Für dieses Herzensprojekt haben sich viele Menschen starkgemacht, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Schade, dass dies nicht von allen respektiert wird“, schreibt die CDU bei Facebook. Der Stadtverbandsvorsitzende Christian Horn-Heinemann wird deutlicher: „Kaarst ist vielfältig und da haben solche Taten – und erst recht antisemitische – keinen Platz! Aus unserer geschichtlichen Verantwortung heraus müssen wir hier deutliche Worte finden.“

Auch die Kaarster Grünen zeigen sich „entsetzt über den mutwilligen Vandalismus“ und verurteilen „die dahinter erkennbare antisemitische Einstellung aufs Äußerste“, heißt es. Die lebendige Erinnerungskultur sei gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig. „Wir hoffen auf eine schnelle Aufklärung und angemessene Bestrafung der Verursacher“, heißt es weiter.

Die Linken haben sich ebenfalls zu den Vorfällen geäußert und den Vandalismus verurteilt. Es gebe „keinen Platz für Antisemitismus in unserer Stadt“, teilt die Partei in einer Stellungnahme mit: „Diese Tat ist nicht nur ein Angriff auf ein historisches Zeichen jüdischen Lebens in Kaarst, sondern auch ein Angriff auf die Werte unserer offenen und demokratischen Gesellschaft“, heißt es weiter. Die „Zerstörung“ der Schilder sei ein Versuch, die Erinnerung an die jüdische Geschichte der Stadt „auszulöschen und antisemitisches Gedankengut zu verbreiten“, so die Linken. Auch sie fordern eine „lückenlose Aufklärung und konsequente strafrechtliche Verfolgung der Täter“, heißt es weiter.

Ulrike Bruckner-Kindsmüller, Vorsitzende der SPD, hält es für „bestürzend“, dass das Gedächtnis an den jüdischen Weg und die Erinnerung daran beschmiert wurde. „So etwas hätte es vor ein paar Jahren nicht gegeben. Es zeigt, dass das Gedächtnis nicht ausreicht und sich die Menschen von der rechten Ecke beeinflussen lassen“, sagt Bruckner-Kindsmüller.

„Die Zerstörung der Hinweisschilder am „Jüddepatt“ ist ein feiger und verstörender Angriff auf unsere Erinnerungskultur und ein erschütterndes Zeichen dafür, wie präsent Antisemitismus heute wieder ist“, erklärt der FDP-Vorsitzende Jan Günther auf Anfrage: „Wer Orte des Gedenkens mit blutroter Farbe beschmiert, greift nicht nur die jüdische Geschichte in unserer Region an, sondern auch das Fundament unseres Zusammenlebens.“ Günther stellt außerdem klar: „Wir lassen uns unser Geschichtsbewusstsein und unsere Toleranz nicht beschmieren.“

Die Initiative „Kaarst ist bunt“ erklärt, dass der Vandalismus an den Schildern zeige, wie wichtig es sei, das jüdische Leben in Kaarst besser zu verstehen und weiterhin darauf aufmerksam zu machen. „Nie wieder ist jetzt – das müssen wir auch in Kaarst deutlich machen. Ein Angriff auf diese Schilder ist auch ein Angriff auf unser l(i)ebenswertes Miteinander in Kaarst“, schreibt die Initiative, die sich für Vielfalt und gegen Rechtsextremismus einsetzt.