Enttäuschendes Transfer-Fazit 

Geduld des HSV bei Poulsen stößt an Grenzen – Neuer Stürmer im Winter?

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Im Sommer folgte RB Leipzigs Rekordspieler Yussuf Poulsen beim Hamburger SV auf Zweitliga-Torschützenkönig Davie Selke (30). Nach rund vier Monaten liest sich die Zwischenbilanz des 31 Jahre alten Dänen mau: Verletzungsbedingt kam die neue Sturmhoffnung auf lediglich 185 Spielminuten, verteilt auf sieben Partien. Die längste Zeit stand der Routinier am vergangenen Wochenende beim 1:1-Remis gegen Borussia Dortmund auf dem Platz, als er nach einer Stunde entkräftet ausgewechselt wurde. „Ich war einfach platt. Es hätte keine Minute länger gereicht“, sagte Poulsen. Kurz nach seiner ersten Nominierung für die dänische Nationalmannschaft seit knapp einem Jahr Pause verletzte er sich erneut – zur Enttäuschung aller Beteiligten und womöglich mit Folgen für die Kaderplanung bei den HSV-Verantwortlichen.

Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, soll die Aufregung bei den Hamburgern nach der Meldung aus Poulsens Heimat groß gewesen sein. Zu heikel gestaltet sich beim Offensivmann die Vorgeschichte. „Wir haben immer gewusst und gesagt, dass ‚Yussi‘ aufgrund seiner Historie nicht 34 Spiele über 90 Minuten bestreiten wird, dass es vielleicht immer mal wieder kleinere Rückschläge geben kann, wir ihn aber auch immer mal wieder bewusst rausnehmen und steuern werden“, erklärte Trainer Merlin Polzin Anfang August. Denn Poulsens Körper habe „schon sehr viel erlebt“. Deshalb macht der Profi im Training auch längst nicht alle Übungen mit, sondern wird immer wieder gesteuert.

Ohne eine genaue Diagnose vorliegen zu haben, dürfte Poulsen mindestens das nächste Auswärtsspiel des Aufsteigers beim FC Augsburg am Samstag, 22. November (15:30 Uhr) verpassen. Eine zuverlässige Planung beim noch torlosen Angreifer scheint nicht möglich. Wenngleich die Klubbosse Poulsens Bedeutung als Führungspersönlichkeit neben dem Platz betonen, soll auch ihre Geduld mit dem zum Kapitän ernannten Profi endlich sein, heißt es. Den Poulsen-Transfer habe man sich in Hamburg anders vorgestellt. Deshalb bestehe Handlungsbedarf im Winter. Zumal ohnehin erst ein Stürmertor zu Buche steht, weil Ransford Königsdörffer (24) und der ins dritte Glied abgerutschte Robert Glatzel (31) gemeinsam nur einmal einnetzen konnten.


Zum Vergleich: In der Aufstiegssaison 2024/25 trafen der zu Basaksehir abgewanderte Selke, Königsdörffer und Glatzel 46-mal. Auf das Offensiv-Trio war stets Verlass. In der Bundesliga tun sich die Norddeutschen mit dem Toreschießen – was auch der höheren Qualität der Gegner zuzuschreiben ist – deutlich schwerer. Neun eigene Treffer nach zehn Spieltagen werden nur von Schlusslicht 1. FC Heidenheim unterboten. Dass Poulsen beim HSV noch dauerhaft in die Spur kommt, darf zumindest infrage gestellt werden. Deshalb wollen Sportvorstand Stefan Kuntz und Sportdirektor Claus Costa dem Vernehmen nach im Winter den Markt sondieren und nach Verstärkungen für den Sturm Ausschau halten. Die finanziellen Ressourcen dafür habe der Klub. Hinzu kommt: Der zum Ersatz degradierte Glatzel lotet nach seinem Beraterwechsel zu „CAA Stellar“ seine Optionen aus.

HSV wollte Neuzugang Poulsen „erst einmal richtig ankommen lassen“

Über den schon zu Leipziger Zeiten verletzungsanfälligen Poulsen sagte Manager Costa Mitte Oktober im Transfermarkt-Interview: „Auch bei diesem Transfer bin ich vorsichtig mit einer Zwischenbewertung. ‚Yussi‘ sollte man erst einmal richtig ankommen lassen. Die Einsatzzeit ist vor allem für ihn enttäuschend. Und wir haben uns sicherlich auch gewünscht, dass er früher zu 100-prozentiger Fitness gelangt. Trotzdem wäre es ein Riesenfehler, ‚Yussi‘ auf seine Zeiten auf dem Platz zu reduzieren. (…) Er hat einen wesentlichen Impact auf die Gruppe und bringt sich total in der Kabine ein.“

Poulsen unterschrieb in Hamburg einen Dreijahresvertrag und kostete inklusive Boni bis zu 1,5 Millionen Euro Ablöse. Davon gingen angeblich 10 Prozent an Poulsens Jugendklub Lyngby BK, der ihn vor zwölf Jahren für 1,55 Mio. Euro an den damaligen Drittligisten verkauft hatte.

HSV-Fan „Jottkah1887“ hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben und schrieb in der TM-Community: „Keiner von uns kann beurteilen, ob es sich bei den vielen kleinen Blessuren der letzten Zeit auch um ein bisschen Pech oder doch eher ein strukturelles Problem handelt. Ich bin jedenfalls gar nicht so traurig darüber, dass ‚Yussi‘ zu diesem Zeitpunkt (!) nicht für Dänemark auflaufen kann. Seine ‚Crunchtime‘, um den Platz für die WM zu sichern, kommt noch erst, und die wird vorab gute Auftritte bei uns erfordern. Sich darauf zu verlassen, mag schwierig sein; sicherlich werden die Kaderplaner hier an Optionen arbeiten … Ich bin der, der am lautesten jubelt, wenn Poulsen seinen ersten Treffer für uns erzielt.“

Bei „HSVlove“ ist die Hoffnung dagegen erloschen: „Poulsen zähle ich ab jetzt fast gar nicht mehr dazu. (…) Das Ganze hat Geschmäckle so langsam. Aber, er ist nun mal da, jetzt bald ein halbes Jahr im Team, gehört dazu, unsere Funktionäre haben im Sommer gute Dinge veranstaltet transfertechnisch, aber fehlerfrei sind sie auch nicht.“

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No Risk no Fun. Ich wunder mich, dass sich hier über den Transfer oder die Führung aufgeregt wird. Risiken müssen erkannt, bewertet und manchmal eingegangen werden, wenn man einen Glücksgriff landen möchte. Fragt mal bei Robben oder Bale nach. Nut gewinnt man halt nicht immer, sonst wäre es kein Risiko. Die Saison ist zudem nicht zuende. Entspannt bleiben, wir haben dahinter noch zwei interessante Stürmer. …

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