Die Münchner Kabarettbühne mit dem antiquierten Wortspielnamen Lach- und Schießgesellschaft ist eine der traditionsreichsten des Landes. Wie berichtet, ist das 1956 von Dieter Hildebrandt mitbegründete Theater am Wochenende mit viel prominenter Beteiligung aus seinem Stammhaus in Schwabing in den Gasteig umgezogen, der aktuell unter dem Namen Fat Cat bis zur Sanierung zwischengenutzt wird, unter der Federführung des Passauer Veranstalters Till Hofmann.
Hofmann hatte die Bühne von 2001 bis 2021 geleitet und führt sie nun erneut als geschäftsführender Gesellschafter der Lach und Schieß GmbH. Im Haus in Schwabing konnte laut Hofmann nicht mehr gespielt werden, weil die Gastronomen keinen Bühnenbetrieb mehr gewünscht hätten. „Ich hab’ offensichtlich nie richtig losgelassen und immer noch Respekt vor dem Laden“, sagt Till Hofmann im Gespräch mit unserer Redaktion. „2026 ist das 70. Jubiläum, das wollen wir würdig begehen und dafür sorgen, dass die Lach und Schieß wieder in den Köpfen der Leute ist.“ Seit seinen Aktivitäten in München 1996 hätten in der Stadt 15 Bühnen geschlossen und nie wieder aufgesperrt. Umso mehr ist er überzeugt: „Man muss das erhalten!“
Zum Glück für die Bühne sehen das auch viele hochrangige Künstler so: Hofmann war mit Josef Hader in Wien unterwegs, natürlich spielt er im Fat Cat, sagt Hader. Das Telefon klingelt, Tini und Gerhard Polt sind dran: „Mach ma an’ Abend miteinander“, sagt Hader. „Ja freili mach ma des“, sagt Polt – ihre Veranstaltung am 26. Januar ist schon ausverkauft. Am 9. Januar wird die Bühne im Gasteig offiziell eröffnet mit Stephan Zinner und Gästen. Frank-Markus Barwasser tritt auf, das Hausensemble mit dem Jahresrückblick, Till Reiners und Ana Lucía, Urban Priol, Jochen Malmsheimer, Luise Kinseher, Claus von Wagner, Max Uthoff. „Alle, die mal in der Lach und Schieß gespielt haben, schieben mit an“, sagt Hofmann. Auch die jüngere Generation ist vertreten: Die aus dem Landkreis Dingolfing-Landau stammende Teresa Reichl gestaltet eine Leseshow mit dem Titel „Lesen ist schwul“.
Gespielt wird im früheren kleinen Konzertsaal, der rund 170 Besucher fasst. „Wir richten den Saal bis Januar noch bissl her, damit mehr Kleinkunstbühnenatmosphäre herrscht“, sagt Hofmann.
Die Lach und Schieß im Gasteig ist ein Projekt auf Zeit: „Irgendwann wird die Stadt sanieren, und das kann theoretisch 2026 losgehen“, erklärt Hofmann. Mindestens ein halbes Jahr soll dort ab Januar gespielt werden. Möglich sei auch, dass die Lach und Schieß „wie ein Wanderzirkus“ tourt, bis wieder ein festes Haus in Sicht ist. „Jetzt bringen wir erst mal Ruhe rein, und dann liegt’s an uns, ob wir was Neues finden. Wird sich schon was ergeben!“ Und nur mal angenommen, die heutigen Pächter in Schwabing würden dort rausgehen, spekuliert Hofmann, dann könnte der Laden gar dorthin ins Stammhaus zurückkehren.
Programm der umgezogenen Bühne auf www.lachundschiess.de
Raimund Meisenberger