Der Dax hat am Dienstag nochmals größere Verluste als zum Wochenauftakt verbucht. Mit einem Abschlag von 1,74 Prozent auf 23.180 Punkte ging der Leitindex des deutschen Aktienmarkts aus dem Handel – das ist das größte Tagesminus seit rund einem Monat.
Damit stand der Dax erstmals seit April wieder unter seiner 200-Tage-Durchschnittslinie, die ein beliebter Indikator für den längerfristigen Trend ist. Ein Tagesschluss darunter würde die Lage aus Sicht der Experten von Index Radar weiter eintrüben und den Weg abwärts Richtung 23.000-Punkte-Marke freigeben.
Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 2,04 Prozent auf 28.493 Zähler, während der Euro Stoxx 50 um 1,88 Prozent nachgab. Die deutschen Kurse sackten am Nachmittag nach einer merklich schwächeren Eröffnung an der Wall Street nochmals weiter ab. Die deutsche Börse fange sich schnell eine Grippe ein, wenn die US-Börse schnupft, kommentierte Analyst Frank Sohlleder vom Broker ActivTrades.
US-Daten und Nvidia-Zahlen im Fokus der Anleger
Dabei werfen am Donnerstag erwarteten Arbeitsmarktzahlen aus den USA weiter ihre Schatten voraus – verbunden mit der Sorge, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen im Dezember nicht weiter senken könnte. Der Rekord-Stillstand in den US-Regierungsbehörden hatte für den Ausfall von Wirtschaftsdaten gesorgt und damit auch der Fed die Orientierung erschwert. Die zuletzt vorsichtigen Aussagen der US-Notenbank hätten außerdem zu einem verstärkten und gehäuften Hinterfragen des Bewertungsniveaus des KI-Hypes geführt, stellte Marktexperte Marcel Mußler fest.
Bereits am Mittwochabend rückt daher der Quartalsbericht von KI-Chipriese Nvidia besonders in den Fokus. „Statt Jahresendrally stehen die Zeichen im Vorfeld dieses Termins auf Ausverkaufsstimmung“, schrieb Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Broker RoboMarkets. In der Vorwoche hatte es noch so ausgesehen, als ob der Dax wieder seinen Oktober-Rekord von 24.771 Punkten ansteuern könnte. Nun versilbern aber immer mehr Anleger ihre Gewinne. Der deutsche Leitindex liegt im laufenden Jahr dennoch fast 17 Prozent im Plus.
Rheinmetall steigt kurzzeitig auf Vier-Wochen-Hoch
Unter den Einzelwerten waren die Rheinmetall-Aktien am Dienstag ein Lichtblick, die in der Spitze standen sie knapp über der 1.800-Euro-Marke auf einem Hoch seit vier Wochen. Der Rüstungskonzern will den Umsatz bis 2030 auf 50 Milliarden Euro etwa verfünffachen. Dieses neue Ziel liege um fast ein Drittel über dem Konsens, schrieb Jefferies-Analystin Chloe Lemarie. Rheinmetall will zudem profitabler werden. Zum Handelsschluss notierte die Aktie kaum verändert bei minus 0,4 Prozent.
Es gab zudem mehrere Kursstürze, die es vor allem im Kleinwerte-Index SDax gab. Nach mehr als 20 Prozent Minus im frühen Handel standen die Titel der Verve Group zuletzt noch mit knapp 16 Prozent im Minus. Es tröstete Anleger also nicht, dass der Spezialist für digitale Werbung auf ein starkes Schlussquartal setzt. Technische Probleme haben im dritten Quartal Schwierigkeiten bereitet und eine veränderte Umsatzrealisierung nahm Einfluss auf die Zahlen und die Jahresprognose.
Als ebenfalls großer SDax-Verlierer sackten die Titel SFC Energy um 9,9 Prozent ab. Der Brennstoffzellenspezialist peilt wegen Verzögerungen bei Rüstungsaufträgen im laufenden Jahr nur noch das untere Ende der Prognosespanne beim Umsatz an. Beim bereinigten operativen Gewinn dürfte die untere Hälfte der Spanne erreicht werden. Bereits Ende Juli hatte SFC die Prognose wegen des anhaltend herausfordernden Marktumfelds gesenkt.
Abstufung lastet auf Fraport
Im MDax gab es ein 6,2 Prozent hohes Minus bei Fraport, nachdem Goldman Sachs die seit 2022 bestehende Kaufempfehlung wegen überdurchschnittlicher Kursgewinne aufgegeben hatte. Analyst Patrick Creuset hob in einer Neubewertung das Risiko wieder steigender Investitionen und geringerer Kapitaldisziplin des Flughafenbetreibers hervor.
Mit einem Abschlag von 5,8 Prozent wurden die Titel der RTL Group nach der Vorlage von Zahlen auch zu einem größeren MDax-Verlierer. Der Medienkonzern senkte seinen Jahresausblick wegen der anhaltenden TV-Werbeflaute. Im dritten Quartal sei der erzielte Umsatz derweil etwas niedriger ausgefallen als vom Markt erwartet, merkte die Expertin Annick Maas von Bernstein Research an.
Gold etwas fester
Der Euro hat sich indes nach jüngsten Kursverlusten stabilisiert. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1603 US-Dollar gehandelt und damit etwas höher als am Morgen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1590 (Montag: 1,1593) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8628 (0,8625) Euro.
Gold profitierte indes etwas von der Nervosität der Anleger. Der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) legte um 0,72 Prozent auf 4.065 US-Dollar zu. In Euro stieg der Kurs ähnlich stark. Allerdings bleibt Gold damit in der Nähe der entscheidenden 4.000-Dollar-Marke. Eine zwischenzeitliche Erholung auf 4.200 Dollar nach einem deutlichen Rücksetzer seit Mitte Oktober wurde wieder abverkauft. Damals hatte der Goldpreis mit knapp 4.400 US-Dollar den höchsten Kurs jemals erreicht.
(mit Material von dpa-AFX)
