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Das Personal in Supermarkt-Filialen erlebt viele Menschen. Eine erfahrene Rewe-Kassiererin kann dank ihrer gesammelten Eindrücke Kunden einordnen.
München – Der Blick in den Einkaufswagen verrät mehr als gedacht. Ulrike Schwerdhöfer weiß das genau – die 76-Jährige hat über 50 Jahre an der Rewe-Kasse gearbeitet und ein untrügliches Gespür für die Geldbörse ihrer Kunden entwickelt. Was für andere nur Lebensmittel sind, ist für sie ein offenes Buch über die finanzielle Situation der Menschen.
Rewe-Kassiererin Ulrike Schwerdhöfer (im Kreis, ältere Aufnahme von 2014) kann erkennen, wie reich ihre Kunden sind. © Monika Müller/Martin Wagner/Imago
„Ich weiß genau, ob sie Geld haben oder nicht“, erklärte die erfahrene Kassiererin bereits 2014 gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ihre Beobachtung: Wohlhabende Supermarktkunden verhalten sich grundlegend anders beim Einkaufen als Menschen mit wenig Geld.
Rewe-Kassiererin erkennt Kunden mit viel und wenig Geld – Einkaufszettel als Indikator für knappe Kassen
Rewe-Kassiererin Schwerdhöfer hat schon damals in ihrem Berufsalltag festgestellt: „Den Leuten mit viel Geld ist der Preis egal, die nehmen nur das Teuerste und viel Bio. Ein weiteres Merkmal des Einkaufsverhaltens reicher Kunden: Sie brauchen meist keinen Einkaufszettel und greifen spontan zu dem, was ihnen gefällt. Die beste Qualität steht im Vordergrund, nicht der Preis. Dass sich das nun wenige Jahre später geändert hat, darf bezweifelt werden.
Ganz anders verhalten sich Kunden mit weniger Geld. „Bei denen ist alles genau abgezählt, und sie kaufen möglichst viele Sonderangebote“, so die Beobachtung der Kassiererin. Menschen mit knapperem Budget kommen demnach fast immer mit einem Einkaufszettel in den Supermarkt – selbst wenn sie nur wenige Artikel kaufen wollen. Immerhin können Supermarkt-Kunden jetzt mit einem Service an der Kasse Geld sparen.
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Fotostrecke ansehenAuch im Renten-Alter noch an der Kasse – Rewe-Mitarbeiterin „macht die Arbeit so viel Spaß“
Schwerdhöfer arbeitete mindestens bis 2024 in einer Rewe-Filiale im hessischen Neu-Isenburg. Die Kunden wählten sie zur „Mitarbeiterin des Jahres 2014“ im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Und obwohl sie längst in Rente sein könnte, arbeitet die beliebte Kassiererin noch immer regelmäßig an der Kasse. „Rewe fragte, ob ich noch bleiben möchte, und da mir die Arbeit so viel Spaß macht, habe ich seinerzeit zugesagt“, sagte Schwerdhöfer im Oktober 2024 im Gespräch mit gravenbrucher.com über ihre Beweggründe.
Die Kassiererin bevorzugte bislang übrigens Kartenzahlung, wie sie der FAZ bereits zehn Jahre zuvor gestand. Der einfache Grund: „Das geht ratzfatz: Rein, raus, Unterschrift, fertig.“ Das passt auch zum Verhalten der Menschen im Supermarkt, das sich über die Jahre verändert habe. Früher hätten die Leute mehr geredet, heute wollten sie schnell und effizient abgefertigt werden, fand Schwerdhöfer damals. Ein Umstand, der vielen Supermarktkunden auch heute bekannt sein dürfte. Vermutlich ganz besonders, wenn Kunden der eigene Einkauf an der Supermarktkasse peinlich ist.
Die Beobachtungen der erfahrenen Kassiererin decken sich indes mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Konsumverhalten verschiedener Einkommensschichten. Eine aktuelle Verbraucherstudie der Boston Consulting Group ergab, dass 27 Prozent der deutschen Verbraucher mit steigenden Kosten rechnen. Demnach würden Verbraucher aus niedrigen Einkommensgruppen deutlich stärker die Häufigkeit und Produktauswahl ihrer Einkäufe rationalisieren. Unterdessen brauchen SB-Kasse keine Kassierer, doch es gibt immer wieder Ärger um diese. (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, gravenbrucher.com, Boston Consulting Group) (kh)