Es wurde viel über Verbindungen gesprochen in Leipzig. Über die zwischen Florian Wirtz und Nick Woltemade etwa, die im deutschen Trikot ziemlich gut gemeinsame Sache gemacht hatten beim 6:0 gegen die Slowakei. Oder über die zwischen Wirtz und Leroy Sané, deren fußballerische Luftbrücke vom linken zum rechten Flügel zu zwei Treffern Sanés führte.
Weil er später noch einen weiteren vorbereitete, war dies das eigentlich Besondere am Montagabend: dass es zwischen Sané, 29 Jahre alt, 72 Länderspiele, 16 Tore, und dem Nationalteam überhaupt noch einmal zu so einer Verbindung gekommen ist.
Als Sané vor zehn Jahren für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes debütierte, waren die Umstände schrecklich. Es war jener Freitag, der 13., der Tag des Terrors von Paris.Sportlich sollte es aber der Beginn von etwas Großem sein: einem Versprechen, wie es auch in besseren Jahren nicht viele gab im deutschen Fußball. Schnell, beweglich und unbekümmert – so eroberte Sané, 1996 in Essen geboren, als Teenager die Bundesliga im Trikot von Schalke 04 im Sturm.
Eine Kombination aus den Talenten seiner Eltern, der Vater Suleymane früherer senegalesischer Nationalspieler, die Mutter Regina Weber, Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 1984 in der Rhythmischen Sportgymnastik.
Joachim Löw fand einen Draht
Es dauerte nicht lang, bis der damalige Bundestrainer Joachim Löw einen Draht suchte und fand – allerdings kam es vor der WM 2018 schon zur Störung. Weil Sané nicht Löws Ansprüchen an Seriosität genügte, strich er ihn aus dem Aufgebot für die WM in Russland. Es war ein Vorzeichen für Sanés weitere Karriere, im Nationalteam, aber auch bei seinen Vereinen Manchester City (2016 bis 2020) und dem FC Bayern (2020 bis 2025).
Die Unberechenbarkeit, die sein Spiel auszeichnete, galt auch für seine Leistungen insgesamt, insbesondere beim defensiven Beitrag. Weil viele in ihm die Attitüde des selbstverliebten (Jung-)Profis verkörpert sahen, wurde er vom größten Versprechen zur großen Reizfigur.
Nicht mehr in einer der besten Ligen
An beidem, Ausstrahlung und Verlässlichkeit, hat Sané gearbeitet, allerdings muss er immer mal wieder daran erinnert werden. Das sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann vor den beiden Länderspielen, für die er ihn überraschend zurückgeholt hatte, obwohl er in Istanbul bei Galatasaray nicht mehr in einer der besten Ligen spielt.
Und das sagte Joshua Kimmich, der Kapitän, danach. Er kenne keinen Spieler, der physisch so stark sei wie Sané. Aber: „Wir müssen ihn dazu bekommen, dass er auch mental bereit ist, das zu tun.“ Was zweierlei bedeutet: dass die neue Verbindung mindestens so viel mit den Schwankungen der Mannschaft zu tun hat wie mit Sané selbst. Und dass er es selbst in der Hand hat, ob sie diesmal hält.