
Fortuna Düsseldorf steht in den Kellerduellen gegen Magdeburg und Dresden unter Zugzwang. Es droht der Sturz auf einen Abstiegsplatz.
Vor rund einem Jahr war die Welt bei Fortuna Düsseldorf noch in Ordnung. Trotz des Relegations-Dramas gegen den VfL Bochum und des verpassten Aufstiegs in die Bundesliga war das Team erneut gut in die Saison gestartet und grüßte nach zwölf Spieltagen von Platz drei – nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Hannover.
Ein Jahr später passt das kalte und regnerische November-Wetter zur aktuellen Stimmung bei Fortuna Düsseldorf. Von den zwölf Saisonspielen haben die Rheinländer nur drei gewonnen, mit zehn erzielten Tore (0,8 pro Spiel) stellt die Fortuna die zweitschlechteste Offensive der Liga. Das Saisonziel wurde von Sport-Vorstand Klaus Allofs schon von „Aufstieg“ zu „erst einmal genügend Punkte holen, um nicht unten reinzurutschen“ korrigiert.
Trainerwechsel ohne Wirkung?
Nun ist auch dieses Saisonziel gefährdet. Als Tabellen-15. steht Düsseldorf noch nicht ganz unten, der Vorsprung auf den letzten Tabellenplatz beträgt aber nur noch vier Punkte. Den letzten Pflichtspiel-Sieg feierte Fortuna Ende September in Bochum (1:0).
Mit Blick auf die Ergebnisse hat der Trainerwechsel von Daniel Thioune zu Markus Anfang Anfang Oktober keine Wende gebracht: Unter dem Ex-Profi Anfang konnte Düsseldorf keines seiner fünf Pflichtspiele gewinnen (ein Remis, vier Niederlagen).
Düsseldorf schießt zu wenige Tore
Anfang versucht, der Mannschaft einen offensiveren Spielstil mit mehr Pressing zu vermitteln. Phasenweise zeigte sich das Team verbessert, unter dem Strich sind die Probleme aber die gleichen geblieben. Die Mannschaft erspielt sich vor allem zu wenige zwingende Torchancen, wirkt im Angriffsdrittel oft ideenlos und nutzt seine wenigen Möglichkeiten nicht effizient.
Vieles bleibt daher Stückwerk. Düsseldorf hat bisher die zweitmeisten Flanken (154) aus dem Spiel heraus geschlagen, diese finden aber zu selten einen Abnehmer. Bei den Torschüssen liegt das Team mit 153 in unteren Drittel (Platz 14), allerdings waren etliche davon auch harmlos. Auf der Gegenseite hat Fortuna schon 20 Treffer kassiert (1,6 pro Spiel), davon 15 nach der Halbzeitpause. Zahlreiche Verletzungen machten es für Anfang bisher nicht leichter.
Markus Anfang beim Fortuna-Training.
Schlüsselspiele gegen Konkurrenten stehen an
In der Länderspielpause hatte der 51-Jährige nun etwas Zeit, in Ruhe mit seiner Mannschaft zu arbeiten. Für die Rot-Weißen stehen zwei zentrale Spiele an: Am Samstag (13 Uhr) empfängt Fortuna das Schlusslicht 1. FC Magdeburg, in der Woche darauf tritt sie beim Vorletzten Dynamo Dresden an. Anfang weiß, dass in diesen Begegnungen mit den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf nur Ergebnisse zählen.
Mantra-artig betont Anfang den Zusammenhalt im Klub und den Glauben an seine Mannschaft. „In das Spiel gegen Magdeburg gehe ich beruhigt rein, weil ich an die Qualität der Mannschaft glaube“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Wenn ich sehe, wie die Jungs arbeiten und sich reinhängen, dann bin ich davon überzeugt, dass wir die Ergebnisse erzwingen. Ich bin da total entspannt, weil ich vollstes Vertrauen in die Jungs habe.“
Allofs verspricht die Wende
Nach außen tritt der Klub geschlossen auf, doch so zuversichtlich wie Anfang sind offenbar nicht mehr alle. Als Allofs auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag versprach, dass die „nächsten Spiele die Wende bringen“ würden, war höhnisches Gelächter im Saal zu vernehmen.
Bei der Mitgliederversammlung räumte der Vorstand eigene Fehler ein und nahm so wohl etwas Druck vom Kessel, doch die Mitglieder sparten nicht Kritik – vor allem an der Zusammenstellung des Kaders, für die Allofs und Sportdirektor Christian Weber hauptverantwortlich sind.
Kapitän Kastenmeier angefressen
Die oft blutleeren Auftritte des Teams und die fehlende Konstanz hatte zuvor schon Kapitän Florian Kastenmeier deutlich kritisiert. „Gar nichts“ Positives habe er zuletzt bei der 0:1-Niederlage bei Holstein Kiel gesehen. „Null Punkte, null Tore. Vor der Saison hatten wir riesige Ansprüche, haben Top-Transfers getätigt und haben dann fast die wenigsten Tore geschossen.“ Jeder müsse sich selbst hinterfragen, „ob er alles dafür gibt“.
Nach einem erneuten Umbruch im Sommer mit zahlreichen Ab- und Zugängen blieben bisher die meisten Zugänge hinter ihren Erwartungen zurück. Das setzt auch Allofs unter Druck. Sein Vertrag läuft im Sommer, aus, die geplante Verlängerung seines Kontrakts wurde erst einmal auf Eis gelegt.
Allofs Vertragsverlängerung offen
Der Aufsichtsrat hält sich bisher bedeckt, derzeit sei die Situation „völlig offen“, hieß es von Aufsichtsratschef Björn Borgerding. Aber: „Es ist klar, dass wir immer in unterschiedlichen Szenarien denken.“ Wenn sich also die Situation der Fortuna in den nächsten Spielen nicht verbessert, könnte dies auch für Allofs Konsequenzen haben.