Eine Neubewertung des Hafenplatz Ensembles verschiebt den Schwerpunkt der städtebaulichen Debatte in Kreuzberg. Damit baut der Bezirk den Schutz des markanten Komplexes aus. Ein Abriss der Gebäude und neue Bebauungspläne werden dadurch sehr unwahrscheinlich.

Hafenplatz Ensemble, Kreuzberg

Das von Helmut Ollk entworfene Wohnhaus am Hafenplatz mit seiner markanten Pyramidenform entstand Anfang der siebziger Jahre und rückt durch die neue städtebauliche Bewertung wieder in den Fokus aktueller Planungen. / © Foto: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0

© Foto: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: IMAGO / Jürgen Ritter

 

Der Wohnhauskomplex am Hafenplatz im Berliner Ortsteil Kreuzberg prägt seit den frühen siebziger Jahren das Quartier am Landwehrkanal. Da die Gebäude zwischen 1969 und 1973 geplant und zwischen 1971 und 1973 errichtet wurden, zählt das Ensemble zur Nachkriegsmoderne der Stadt. Der Architekt Helmut Ollk entwickelte einen Entwurf mit einem zentralen vierflügeligen Hochhaus auf kreuzförmigem Grundriss, dessen Flügel sich zum Grundstücksrand hin abtreppen und damit das charakteristische Bild der Pyramide formen.

Weil der Komplex lange als Studierendenwohnheim diente, spielte er für die Wohnversorgung junger Menschen eine wichtige Rolle. Später wurden die Wohnungen zu Sozialwohnungen umgewidmet, bis das Gebäude 2017 aus der Sozialbindung fiel. Seitdem wächst der Druck auf die Anlage, da Investoren zunehmend Neubaupotenziale sehen und gleichzeitig viele Initiativen für einen Erhalt eintreten.

Neubewertung des Ensembles am Hafenplatz in Kreuzberg: Erhaltungsgebiet erhält neue Ergänzung

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stuft das Hafenplatz Ensemble nun als eigenständig prägende Anlage im Erhaltungsgebiet „IBA 87 – Südliche Friedrichstadt“ ein, weil ein Fachgutachten seine historische und städtebauliche Bedeutung deutlicher herausarbeitet. Da der Komplex mit seiner skulpturalen Form die West Berliner Stadtlandschaft am Landwehrkanal stark beeinflusst, gilt die „Pyramide“ als baukulturelles Zeugnis.

Durch die Ergänzung des Bezirks in die Erhaltungsverordnung, möchte der Bezirk das Ensemble langfristig sichern und zukünftige Eingriffe an strengere städtebauliche Kriterien knüpfen. Der Baustadtrat betonte, dass der Schutz nicht nur die bauliche Substanz, sondern auch ein Stück Berliner Identität bewahre.

Debatte um die Kreuzberger „Pyramide“: Erhalt gewinnt an Gewicht, Neubebauung wird unwahrscheinlicher

Die Einstufung stärkt die Position der Initiativen, die seit Jahren für den Erhalt des Ensembles einsetzen. Sie verweisen darauf, dass der Entwurf Ollks eine besondere räumliche Wirkung besitzt und dass die „Pyramide“ trotz ihres Alters sanierungsfähig bleibt. Weil der Komplex viele kleine Wohnungen bietet, sehen Fachleute darin zudem ein wertvolles Potenzial für die soziale Wohnraumversorgung.

Die Neubewertung macht einen Abriss sehr unwahrscheinlich. Nun muss geprüft werden, wie sich Sanierungsoptionen sinnvoll umsetzen lassen. Institutionen unterstützen diese Position und sehen im Erhalt die Chance für ein Modellprojekt der Bauwende, während Projektentwickler weiterhin umfangreiche Neubaupläne verfolgen.

Rahmenplan und Milieuschutz am Landwehrkanal: Einfluss auf laufende Verfahren

Der Bezirk erarbeitet parallel einen neuen Rahmenplan für das Quartier, der sowohl soziale Ziele als auch städtebauliche Anforderungen berücksichtigt. Da Projektentwickler mit dem Konzept Kulturhafen eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe und kulturellen Nutzungen anstreben, entstehen umfangreiche Diskussionen über die künftige Gestalt des Gebiets.

Zusätzlich wurde der Milieuschutz auf den Hafenplatz ausgedehnt, weil der Bezirk Verdrängung verhindern und spekulative Entwicklungen bremsen möchte. Dadurch kann die Verwaltung Bauanträge zurückstellen, bis eine endgültige Entscheidung fällt. Somit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Hafenplatz eher behutsam weiterentwickelt, anstatt einem vollständigen Neubau zu weichen.

Blick auf das Studentenwohnheim Köthener Straße/Hafenplatz. Das Foto ist am Standort des heutigen Tilla-Durieux-Parks entstanden. (1989)

Blick auf das Studentenwohnheim Köthener Straße/Hafenplatz. Das Foto ist am Standort des heutigen Tilla-Durieux-Parks entstanden. (1989) / © Foto: Wikimedia Commons, Aad van der Drift, CC BY 2.0

Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Initiative Offene Mitte Berlin, Entwicklungsgesellschaft Quartier am Hafenplatz mbH, Wikipedia