Liebe Leserin, lieber Leser,
oh,
pardon, guten Morgen, ich bin gerade noch etwas irritiert von einer
seltsamen Nachricht. Die CDU, so vermeldeten wir gestern, möchte den
Volksentscheid zur Klimaneutralität in Hamburg noch kippen. Man
werde einen Antrag ins Parlament einbringen, eine einfache Mehrheit
reiche, und schon, sagte der Partei- und Fraktionschef Dennis
Thering, gelte wieder: Klimaneutralität bis 2045, nicht schon fünf
Jahre früher.
Ich
hätte da einige Fragen.
Zugegeben,
ich steckte vor der Abstimmung nicht tief in den Details des
Hamburger Klimaplans (mein Kollege Frank Drieschner gab da
glücklicherweise Nachhilfe).
Es gibt einfachere Fragen als diese. Aber ich gehe davon aus, dass
der Volksentscheid deshalb Volksentscheid heißt, weil da etwas
entschieden wird. Liege ich falsch, lieber Herr Thering?
Die
zweite Frage ist etwas polemisch, ich muss sie trotzdem stellen:
Wofür steht das „D“
im Namen Ihrer Partei? Und bitte sagen Sie jetzt nicht: für
„Denkste“
oder „Doch
nicht“.
Drittens,
und das frage ich mich sehr ernsthaft: Warum dieser Antrag, warum
jetzt? Sie
müssten doch wissen, dass die SPD da niemals mitmacht. Ist das Ziel,
die Genossen bloßzustellen, sie zu einem Nein zu Ihrem Antrag zu
zwingen, obwohl sie das
Jahr 2040 doch selbst für zu ambitioniert halten?
Das
fände ich etwas zu verkopft, gerade jetzt, wo es doch ein
verbindliches, politisches
Ziel gibt, bei dem es keine Zeit zu verlieren gäbe. Und wenn der
Senat so schlecht regiert, wie Sie sagen, könnte er Ihre kritische
Begleitung dabei bestimmt gebrauchen.
© ZON
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Letzte
Frage: Können wir uns alle darauf einigen, dass bestimmte Regeln
gelten,
egal, ob man gewinnt oder verliert?
Falls
nicht, könnten Sie gern Unterschriften sammeln …, nein, lassen wir
das lieber. Dann
muss ich jetzt auch mal weitermachen.
Ich wünsche Ihnen einen
schönen Tag!
Ihr Christoph
Heinemann
WAS HEUTE WICHTIG IST
© Marcus Brandt/dpa
Im
Prozess wegen Kindesentführung gegen Christina
Block
hat die neue Ehefrau ihres Ex-Mannes schwere Vorwürfe gegen die
Unternehmerin erhoben. „Hier lügt jemand“, sagte die Dänin Astrid
Have als Zeugin. Die Tochter wünsche sich, die Mutter solle „endlich
mal die Wahrheit sagen“, sagte die 39-Jährige. Der Prozess wird am
10. Dezember fortgesetzt.
Ein
halbes Jahr nach der Tötung
einer Hamburger Autorin
auf einem Hausboot muss ihr Sohn in die geschlossene Psychiatrie. Das
Landgericht sieht es als erwiesen an, dass der 23-Jährige an einer
schizoaffektiven Störung leidet, die durch die Einnahme von Drogen
noch verstärkt worden sei. Bei der Tat habe der 23-Jährige im
Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt.
Eine
Hamburger Studentin ist in Istanbul möglicherweise an einer
Vergiftung
mit Pestiziden
verstorben. Der Tod der 21-Jährigen liegt bereits ein Jahr zurück,
aber die Staatsanwaltschaft prüfe nun, ob ein Gift gegen Bettwanzen
dafür ursächlich verantwortlich gewesen sein könnte. Auch die
Hamburger Familie, die zuletzt an einer Vergiftung verstarb, war
offenbar Pestiziden ausgesetzt gewesen.
In aller Kürze
• Ein
geparkter Abschleppwagen ist in Hamburg
mitsamt beladenem Auto komplett ausgebrannt. Durch die
Hitzeentwicklung seien bei dem Brand im Stadtteil Mümmelmannsberg in
der Nacht zum Mittwoch noch vier weitere Autos beschädigt worden,
teilte die Polizei mit • Der
von der Bundesregierung angekündigte Bürokratieabbau ist nach
Einschätzung der deutschen Hafenwirtschaft bislang ausgeblieben. Der
neu gewählte Präsident des Zentralverbands der deutschen
Seehafenbetriebe (ZDS), Sebastian Jürgens, kritisierte das am
Mittwoch in Hamburg.
THEMA DES TAGES
© Yanis Amasri Sierra/BIG; Melina Mörsdorf/Laif (v. l.)
Ich hätte eine Oper für euch
Der drittreichste
Deutsche war immer sparsam. Jetzt ist Klaus-Michael Kühne 88 Jahre
alt und überhäuft seine Heimatstadt Hamburg mit Geld. Wir haben ihn
gefragt, warum. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Porträt von
ZEIT-Redakteur Marc Wiedmann.
Warum
nur macht er das, fragen sich viele in diesen Tagen. Warum schenkt
ein 88-jähriger Milliardär, der seit 50 Jahren in der Schweiz lebt
und lange für seine Sparsamkeit berüchtigt war, seiner alten
Heimatstadt Hamburg ein spektakuläres Opernhaus?
Um
sich selbst ein Denkmal zu setzen, sagen die einen. Um sein
schlechtes Gewissen zu beruhigen, vermuten die anderen.
Klaus-Michael Kühne lacht, wenn man ihm diese Mutmaßungen schildert. „Also, ich
brauch keine Denkmäler“, sagt er bei einem Treffen in seinem
Hamburger Luxushotel The Fontenay im Sommer. Und ein schlechtes
Gewissen? Das plagt ihn offenbar schon gar nicht. Kühne wirkt
vielmehr wie ein Mann, der sehr mit seinen Entscheidungen im Reinen
ist. Seine riskanten Wetten sind ja auch meist aufgegangen.
Kühne
wettete auf die Globalisierung, als es sie noch gar nicht gab. Schon
in den 1960er-Jahren begann er damit, die Spedition Kühne+Nagel, die
er von seinem Vater Alfred übernommen hatte, zu
internationalisieren, und eröffnete Standorte auf allen Kontinenten.
Als die Globalisierung kam, waren Kühnes Leute schon da.
Er
wettete auch auf die Schifffahrt, als er 2008 bei Deutschlands
größter Reederei Hapag-Lloyd einstieg und sie vor dem Verkauf nach
Asien rettete. Lange sah das nach einer schlechten Idee aus, die
Verluste waren horrend. Doch die Coronapandemie führte plötzlich zu
Lieferengpässen, woraufhin die Frachtpreise explodierten. Allein in
den Jahren 2021 und 2022 zahlten seine Firmen insgesamt sieben
Milliarden Euro Dividenden an Kühne aus.
So
wurde er nicht nur der drittreichste Deutsche nach Lidl-Gründer
Dieter Schwarz und Schraubenkönig Reinhold Würth, mit einem
Vermögen von 36 Milliarden Dollar, wie das Magazin Forbes
errechnete. Er ist nun auch ein Unternehmer mit dem Ruf, dass früher
oder später zu Gold wird, was er anfasst. Die halbe Milliarde Euro,
die er in den Immobilienträumen
des Österreichers René Benko (Z+) versenkte, fällt da nicht ins Gewicht.
Klaus-Michael Kühne ist einer der finanziell erfolgreichsten Unternehmer der
deutschen Geschichte. Doch wofür der Mensch Kühne der Nachwelt in
Erinnerung bleiben wird, entscheidet sich womöglich erst daran, was
er hinterlässt und wie er mit der Vergangenheit seiner Familie
umgeht.
Wie
die Idee entstand, eine Oper zu verschenken,
lesen Sie
weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de.
DER SATZ
© Khyta/unsplash.com
„Was
ich jungen Menschen rate:
Ich habe es gerade erst einer jungen Friseurin gesagt: Hören Sie
nicht auf zu arbeiten. Sonst gibt es keine gute Rente. Und selbst
wenn Sie immer arbeiten, reicht es dennoch nicht.“
In
der Serie “Rentenbescheid“ erzählt die Kinderkrankenschwester
und Geburtshelferin Sigrid Brand*, 72, warum sie in Frührente gehen
musste und wie es ist,
mit 1.300 Euro im Monat am Rande der Armut zu leben.
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Die
Griffelkunst-Vereinigung feiert in diesem Jahr 100-jähriges
Jubiläum. Die Vereinigung verlegt seit 1925 Editionen von
Originalgrafiken nationaler und internationaler Künstler. Diese
Druckreihen werden den Mitgliedern zugänglich gemacht. Die Zentrale
der Griffelkunst-Vereinigung zeigt bis Samstag noch ihre Ausstellung
100 Jahre Griffelkunst.
Die
Kunsthalle zeigt in der Ausstellung And
so on to infinity – 100 Jahre Griffelkunsteine Auswahl an Lithografien, Siebdrucken, Radierungen,
Holzschnitten, Fotografien aus dem Programm der 100 Jahre.
100
Jahre Griffelkunst, bis 22.11., täglich 10–16 Uhr; Zentrale der
Griffelkunst-Vereinigung, Oberaltenallee 78.
And
so on to infinity – 100 Jahre Griffelkunst, bis 18.1.26, Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr; Kunsthalle
Hamburg, Galerie der Gegenwart, 3. OG., Glockengießerwall 5
Auch
die Kunsthalle Bremen feiert das Jubiläum in einer Ausstellung Flirt
und Fantasie. Griffelkunst von Max Klinger bis Peter Doig, bis 1.3.2026
MEINE STADT
Blutbuchen haben bald ihr Höchstalter erreicht. Aber die Pinguine bleiben! (Stadtpark) © Susanne Teichmann
HAMBURGER SCHNACK
Mit
dem Flugzeug von Zürich nach Hamburg. Beim Einsteigen stellt eine
junge Frau hinter mir fest, dass eine Pilotin im Cockpit sitzt und
sagt: „Schade eigentlich, dass uns so was immer noch direkt
auffällt.“
Gehört
von Juliana Volkmar
Das war
die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie
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