Nach dem 12. Bundesliga-Spieltag, der die 10. Saison-Niederlage einbrachte, zogen die Verantwortlichen des SC DHfK Leipzig die Reißleine. Der bisherige Cheftrainer Raul Alonso sowie Sportdirektor Bastian Roscheck mussten gehen. Am heutigen Donnerstag präsentierte der Verein mit Frank Carstens offiziell den neuen Coach. Dieser soll wieder Stabilität ins Team der Handballer bringen.

Der Anruf von Geschäftsführer Karsten Günther erreichte Frank Carstens am Schreibtisch. Der erfahrene Handball-Trainer war nach einer – wie er selbst sagt – „ausgewachsenen Männergrippe“ gerade wieder auf dem Weg der Besserung. Und auf eben diesen Weg soll der 54-Jährige nun auch die Bundesliga-Handballer des SC DHfK bringen.

„Die Entscheidung war in meinem Kopf sofort gefallen“, berichtete Carstens beim Pressetermin am Donnerstag. Denn er verfolge den Weg des Leipziger Vereins schon lange Zeit und erinnere sich lebhaft an zahlreiche „hochintensive Auseinandersetzungen“ seiner jeweiligen Teams mit dem der SC DHfK-Männer.

Neuer Cheftrainer Frank Carstens (SC DHfK Leipzig). Foto: Jan Kaefer

Und die Liste der Vereine, für die der gebürtige Niedersachse bereits als Trainer aktiv war, beinhaltet klangvolle Namen: TSV Hannover-Burgdorf, SC Magdeburg, GWD Minden, HSG Wetzlar. Hinzu kommen außerdem zwei Jahre als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Erst vor wenigen Wochen hatte er ein Engagement in den USA beim Los Angeles Handball Club begonnen. Doch dann holte ihn Karsten Günther zurück in die Bundesliga.

„Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, das es weitergeht“, sagte Carstens mit Blick auf die Leipziger Mission Klassenerhalt. Er freue sich darauf und es erfülle ihn mit Stolz, hier mitgestalten zu dürfen. Gestern, am 19. November, war er dem Team vorgestellt worden und hatte eine erste Trainingseinheit geleitet.

Seitdem hatte er „wenig Schlaf und unglaublich viele Gespräche“, verriet Frank Carstens. Es galt, sich in das Leipziger Spielsystem hineinzudenken. Sein Ansatz lautet: „Genau so wenig ändern wie nötig“. Es gehe hauptsächlich darum, wieder Stabilität in die Mannschaft zu bringen. Schlechte Phasen im Spiel sollen wieder besser weggesteckt und damit totale Einbrüche verhindert werden.

Der neue Cheftrainer Frank Carstens (SC DHfK Leipzig/ rechts) während seiner offiziellen Präsentation. Foto: Jan Kaefer

Es zählt, die Liga unbedingt zu halten. Dabei spinnt der neue Chefcoach keine großen Visionen, zeigt sich bodenständig. „Ich gehe in die Halle und löse Themen. Je mehr Aufgaben gelöst sind, um so besser wird das Resultat“, sagt er. Und: „Rechnen ist der größte Quatsch – Punkte machen ist wichtig!“

Für die Punkte und möglichst den Klassenerhalt ist Frank Carstens nun für anderthalb Jahre beim SC DHfK verpflichtet worden. Dieser Kontrakt gilt ausdrücklich für die 1. und die 2. Liga. Das soll auf der Trainerposition für Kontinuität sorgen. Auch für den Fall, dass ein „Turnaround nötig“ sein sollte, will Geschäftsführer Günther damit auch im Worst Case Handlungsfähigkeit sicherstellen.

Karsten Günther dankte auch ausdrücklich der geleisteten Arbeit von Raul Alonso und Bastian Roscheck. „Es tut mir in der Seele weh, dass es so endet und dass es nicht geklappt hat“, so der Geschäftsführer. „Solche Entscheidungen sind brutal. Sie tun weh und hinterlassen auch Wunden“. Aber man habe sich ausgesprochen: „Wir gehen im Guten auseinander und können uns gegenseitig in die Augen schauen“.

Handball-Geschäftsführer Karsten Günther (SC DHfK Leipzig). Foto: Jan Kaefer

Der Handball-Geschäftsführer verweist auf die immense Verantwortung, die der Club als inzwischen mittelständisches Unternehmen für seine rund 60 Angestellten und etwa 270 Sponsoring-Partner trägt. Man wolle unbedingt „DER sächsische und Leipziger Erstligist bleiben, der Impulse für den Handballsport sendet.“ Daher dürfe man sich von den Emotionen nicht überwältigen lassen und müsse rational handeln.

Günther fordert „Vollgas und all in von allen – und vor allem Zusammenhalt!“ Man müsse alles in die Waagschale werfen, um erstklassig zu bleiben. Schon am Samstag, dem 22. November, müssen möglichst erste positive Resultate her. Um 19 Uhr tritt der SC DHfK dann beim Tabellenfünften VfL Gummersbach an.