Wer in Waren an der Müritz, in der Mecklenburgischen Seenplatte oder im nördlichen Brandenburg unterwegs und auf der Suche nach einem kleinen süßen Snack oder einem frischen Brötchen ist, kommt an den Mecklenburger Backstuben kaum vorbei. Die 55 Filialen des Traditions- und Familienunternehmens prägen so manches Stadt- und Dorfbild.

Verändertes Kaufverhalten vieler Kunden

Jetzt aber sind die Backstuben zum Stadt- und Dorfgespräch geworden – das Unternehmen musste Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Die Mecklenburger Backstube möchte nach eigenen Angaben ihre Zukunftsfähigkeit erhalten und den laufenden Geschäftsbetrieb weiterführen.

Geschäftsführer Günther Neumann betonte, dass das Verfahren dem Unternehmen die Chance gebe, auf die schwierige Marktsituation zu reagieren. Vor allem Personal-, Energie- und Einkaufskosten seien zuletzt stark gestiegen. Ein weiterer Faktor sei das veränderte Kaufverhalten vieler Kunden, die in wirtschaftlich angespannten Zeiten häufiger zu günstigerer Discounterware griffen. Bereits im Januar 2025 hatte der Betrieb seine Tiefkühlproduktion eingestellt und 50 Mitarbeiter entlassen.

Wer hat Schuld? AfD kontra Linke

Doch nicht nur in der Backstube selbst und in den Filialen verursacht die Insolvenz Schlagzeilen, die schwierige wirtschaftliche Lage des weithin bekannten Unternehmens ist mittlerweile zum kontroversen Thema in der Landespolitik geworden.

Die Aussagen von Henning Förster, Arbeitsmarktexperte der Linksfraktion im Landtag, dass es Hoffnung mache, dass es sich um ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung handele, bei dem der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgeführt werden könne, hat dem arbeitsmarktpolitischen Sprecher der AfD-Fraktion, Michael Meister, die Zornesröte ins Gesicht getrieben.

„Es ist absolut lachhaft, wenn die Linke sich hinstellt und eine Insolvenz in Eigenverwaltung anpreist wie Sauerbier. Richtig ist: Massiv gestiegene Energie- und Rohstoffpreise sowie Billigkonkurrenz setzen den Bäckereien und anderen Betrieben zu. Was die Linke aber verschweigt, sind die rasant gestiegenen Lohnnebenkosten infolge einer ausufernden Sozialpolitik“, so Meister.

Die Abgabenlast setze den Betrieben zu und zwinge sie in die Knie. So gingen mehr und mehr Arbeitsplätze verloren und die Bürger würden in die sozialen Sicherungssysteme gedrängt.

Meister weiter: „Das Verhalten der Linken ist eine Lachnummer. Die Linke regiert doch in Mecklenburg-Vorpommern und hat die Macht gegenzusteuern. Nur fehlt der Linken, wie auch der SPD, der politische Wille. Die Linke gibt den Mangelverwalter, legt die Hände in den Schoß und hofft auf eine bessere Zukunft. Das ist kein Regierungshandeln, sondern Ausdruck von Gleichgültigkeit und Inkompetenz.“ Statt rigider Lohnvorgaben brauche es aus Sicht des AfD-Politikers eine Senkung der Lohnnebenkosten für Arbeitgeber und Beschäftigte, die Abschaffung der kalten Progression und die steuerfreie Mehrarbeit.

Verschwindet Traditionsbetrieb von der Bildfläche?

Förster hatte ferner erklärt, dass die Insolvenz in Eigenverwaltung den Backstuben die Chance geben würden, dass die Filialen weiterhin in der Lage seien, täglich frische Backwaren zu verkaufen. Durch das Insolvenzausfallgeld der Bundesagentur für Arbeit seien auch die Löhne der Beschäftigten zunächst bis Januar 2026 gesichert.

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Zugleich hatte der Linkspolitiker deutlich gemacht, dass es schade wäre, wenn ein weiterer Traditionsbetrieb mit regionaler Verankerung von der Bildfläche verschwinden würde. „Das ist keine gute Nachricht“, so Förster.