Stuttgart – Es waren sechs Stiche, die bei der jungen Frau tiefe Narben hinterlassen haben. Nicht nur an ihrem Körper. Dabei hätte die entsetzliche Tat wohl verhindert werden können.

Ein Asylbewerber aus Afghanistan soll am 14. März in Kirchheim/Teck eine 27-jährige Passantin von hinten angegriffen, sie in den Würgegriff genommen und brutal zugestochen haben. Sechsmal drang das Messer tief in ihren Körper ein.

Wegen versuchten Mordes wird Hasmatullah S. (29) jetzt am Landgericht Stuttgart der Prozess gemacht. Laut Anklage war die Erzieherin ein reines Zufallsopfer. Mit stark blutenden Wunden in Schulter, Arm und Oberschenkel rief sie um Hilfe, der Täter entkam zunächst unerkannt.

Auf diesem Fußweg in Kirchheim/Teck wurde die Erzieherin (27) hinterrücks niedergestochen

Auf diesem Fußweg in Kirchheim/Teck wurde die Erzieherin (27) hinterrücks niedergestochen

Foto: Hagen Stegmüller

Afghane war polizeibekannt

Erst einen Monat später wurde Hasmatullah S. festgenommen, weil er mit einem Brecheisen in die Kirchheimer Sparkasse eingedrungen war. Die Polizisten kannten den Afghanen schon. Er war bereits am 20. Februar in dieselbe Bankfiliale eingebrochen – doch damals hatte man ihn laufen lassen.

Warum beantragte die Staatsanwaltschaft Stuttgart beim ersten Einbruch keinen Haftbefehl? Warum wurde der kriminelle Afghane, dessen Asylanträge in Frankreich zuvor schon zweimal abgelehnt worden waren und der dann hergekommen war, nicht eingesperrt? Erst nach der Tat wurde auch sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt. Behördensprecherin Stefanie Ruben äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.

Zweimal brach der Angeklagte in die Kirchheimer Sparkassen-Filiale ein

Zweimal brach der Angeklagte in die Kirchheimer Sparkassen-Filiale ein

Foto: Google Maps

Angeblich wollte er gerne abgeschoben werden

Die Beweislage im Mord-Prozess ist erdrückend. An Tatwaffe und Jacke des Opfers wurde die DNA des Angeklagten gefunden. Dennoch weist der Afghane (kein Schulabschluss, keine Ausbildung, zwei Jahre Koranschule) jede Schuld von sich.

Allerdings räumt der Migrant ein, dass ihm Bekannte zu Straftaten geraten hätten – um wieder in die Heimat abgeschoben zu werden. Er habe schon vor seiner Inhaftierung das Ausländeramt gebeten, ihn wieder heimzufliegen. Dort habe man ihm gesagt, dass das ohne Pass nicht gehe.

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Beim Opfer sind die Wunden zwar inzwischen verheilt, aber die Narben sind geblieben und schmerzen. Zudem leidet die Psyche. „Ich kann nicht mehr allein aus dem Haus, bin nicht mehr belastbar und in meiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt“, sagte die junge Frau dem Gericht. „Mein Leben ist auf den Kopf gestellt.“